Freitag, 22. Dezember 2017

„Braucht Südtirol weiterhin eine starke Industrie?“

Diese Frage stellte der Präsident des Unternehmerverbandes, Federico Giudiceandrea, bei der einer Pressekonferenz am Freitag, an der das gesamte Präsidium des Verbandes teilgenommen hat.

Der Präsident des Unternehmerverbandes, Federico Giudiceandrea (links), und sein Vorgänger Stefan Pan.
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Der Präsident des Unternehmerverbandes, Federico Giudiceandrea (links), und sein Vorgänger Stefan Pan.

„Das heurige Jahr war von einem außerordentlichen Wachstum gekennzeichnet: Beschäftigung, Export und Steuereinnahmen für das Land Südtirol liegen auf einem Rekordwert, die Krise scheint meilenweit entfernt. Diese Zahlen dürfen wir aber nicht als gegeben hinnehmen. Diese Werte können wir nur halten, wenn unsere Betriebe weiterhin arbeiten können und wenn Südtirol ein wettbewerbsfähiger Standort bleibt, insbesondere für das verarbeitende Gewerbe“, unterstrich Giudiceandrea.

5 Prioritäten:

Der Präsident des Unternehmerverbandes zog eine kurze Bilanz über seine ersten sechs Monate der Präsidentschaft und ging auf – aus Sicht des Unternehmerverbandes – fünf Prioritäten ein, an denen  gemeinsam gearbeitet werden müsse. Diese betreffen die Bereiche Innovation, Internationalisierung, Infrastruktur, Investitionen und Intelligenz.

Innovationen:

Innovation finde in den Unternehmen statt. Aus diesem Grund komme der Produktion ein zentraler Stellenwert zu, denn dort werden die Ergebnisse der Forschung umgesetzt. Eine Industrie ohne Innovation habe keine Zukunft, ebenso wie eine Industrie ohne Produktion keine Zukunft habe. Um neue Arbeitsplätze zu schaffen und das Sozialwesen zu finanzieren, brauche es sowohl Forschungszentren als auch Produktionsstätten.

Internationalisierung:

Damit sich Betriebe auf neuen Märkten behaupten könnten, müssten ihnen die gleichen Wettbewerbsbedingungen wie ihren Konkurrenten im Ausland bieten. Die Steuerreduzierung sei die beste Unterstützung für Familien und Betriebe. Andere Bereiche, wo es noch Potenzial für Verbesserungen gibt, beträfen die Grundstücks-, die Lohnneben-, und die Energiekosten sowie die bürokratischen Auflagen.

Infrastrukturen:

Südtirol brauche moderne Infrastrukturen. Damit die öffentliche Hand in diese Infrastrukturen investieren und die Steuern reduzieren könne, müssten Ressourcen frei gemacht werden, indem man ineffiziente öffentliche Ausgaben kürzt.

Investitionen:

Heimische Unternehmen würden weiterhin auf Südtirol setzen, indem sie in neue Niederlassungen, Maschinen und Personen investieren. Die wirtschaftliche Entwicklung sei stets nachhaltig gewesen: die Gewerbegebiete, in denen den Großteil der Betriebe ihren Sitz habe, würden gerade einmal 0,25 Prozent der Gesamtfläche Südtirols besetzen. Verbessert habe sich zudem die Energieeffizienz: die Südtiroler Industrie produziere heute 10mal so viel als in den 70er Jahren, der Energiekonsum ging in diesem Zeitraum um 30 Prozent zurück.

Intelligenz:

Industrie 4.0 brauche Kompetenzen 4.0. Die Beziehungen zu den Schulen und mit der Universität würden in diesem Zusammenhang eine immer entscheidendere Rolle einnehmen. Die technische Ausbildung sei ausschlaggebend in Anbetracht des starken Mangels an qualifiziertem Personal. Ebenso wichtig sei die Weiterbildung der bereits Beschäftigten: die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mitgliedsbetriebe seien wertvoll – man wolle, dass sie gemeinsam mit den Betrieben wachsen.

Sozialbilanz:

Der Unternehmerverband hat auch heuer wieder eine Sozialbilanz erstellt. Die 461 Mitgliedsbetriebe beschäftigen mehr als 37.000 Mitarbeiter, bieten sichere Arbeitsplätze, mit Entlohnungen, die rund 40 Prozent über dem Südtiroler Durchschnitt liegen, exportieren Waren und Produkte im Gesamtwert von 2,5 Milliarden Euro in mehr als 170 Länder weltweit und schaffen 3,1 Milliarden Euro an Mehrwert für Südtirol, mehr als jeder andere Wirtschaftssektor, so der Unternehmerverband.

Im vergangenen Jahr hätten die heimischen Unternehmen insgesamt 545 Millionen Euro an Steuern – zusammengesetzt aus IRES, IRAP und IRPEF auf die Entlohnungen ihrer Mitarbeiter- bezahlt und damit mehr als 100 Prozent der Ausgaben des Landes im Bereich Sozialpolitik und Familie finanziert.

stol

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