Dienstag, 31. Dezember 2019

Bürokratie bleibt größte Belastung für Unternehmen

Eurochambres, der Dachverband der europäischen Industrie- und Handelskammern, hat vom 2. September bis 2. Oktober 2019 eine Umfrage zum europäischen Binnenmarkt durchgeführt.

Der Präsident von Eurochambres: Christoph Leitl.
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Der Präsident von Eurochambres: Christoph Leitl. - Foto: © Handelskammer
An der Studie haben sich über 1100 Unternehmen aus der gesamten EU beteiligt. 70 Prozent haben erklärt, der Binnenmarkt sei nicht ausreichend integriert.

Eurochambres hat eine Umfrage über den Zustand des europäischen Binnenmarktes lanciert und dabei die Antworten von über 1100 Unternehmen aus 27 EU-Ländern (Großbritannien ausgenommen) untersucht.

„Die Umfrage bietet ein detailliertes Bild der Hindernisse, auf die Unternehmen alltäglich auf den europäischen Binnenmarkt stoßen; betroffen sind vor allem Klein- und Mittelunternehmen, die der Motor der europäischen Wirtschaft in Bezug auf Wachstum, Innovation, Beschäftigung und soziale Integration sind“, erklärt der Präsident von Eurochambres Christoph Leitl.

Die Umfrage war in 3 Abschnitte unterteilt: Der erste Teil befasste sich mit den im gemeinschaftlichen Binnenmarkt empfundenen Hindernissen, der zweite mit 16 möglichen Lösungen, die es zu bewerten galt, und der dritte mit dem Verhalten des Unternehmens bei Verstoßen gegen die Rechte des Binnenmarktes.

Die 5 größten Hindernisse

Bei der Umfrage nannten die italienischen Unternehmen als die 5 größten Hindernisse im Handel mit der EU die komplexen Verwaltungsverfahren, die Eintreibung der Kredite, der mangelnde Zugang zu Informationen über Normen und Voraussetzungen, die unzureichenden rechtlichen und finanziellen Auskünfte über Handelspartner in anderen Ländern und schließlich die Sorge um die Lösung möglicher kaufmännischer oder verwaltungsrechtlicher Streitfragen, vor allem aufgrund des mangelhaften Rechtsschutzes vor nationalen und europäischen Behörden und Gerichten.

Die 5 Lösungen für eine bessere Integration des Binnenmarktes sind für die Unternehmen vorzugsweise die Reduzierung der bürokratischen Auflagen, die Verfügbarkeit transparenter Informationen auf einem einheitlichen europäischen Portal in Bezug auf die Verfahren oder Auflagen in anderen europäischen Ländern, verwaltungsrechtliche Vereinfachungen über ein Online-Portal mit einer beschränkten Anzahl an möglichen Verfahren, eine bessere Umsetzung des europäischen Rechtes und eine stärkere Berücksichtigung der Auswirkungen neuer Vorschriften auf die Klein- und Mittelunternehmen.

Die Handelskammer Bozen

Diese Vorschläge entsprechen genau den Themen, für die sich die Handelskammer Bozen einsetzt. „Die Handelskammern stehen den Betrieben am nächsten, da sie diese mit verschiedenen Diensten ab dem Moment der Gründung unterstützen. Die Ergebnisse dieser Umfrage zeigen, dass die Handelskammern nach den Anwälten die zweitwichtigsten Ansprechpartner für die Betriebe bei Schwierigkeiten mit dem europäischen Binnenmarkt sind“, betont der Präsident der Handelskammer Bozen sowie Vizepräsident von Eurochambres Michl Ebner.



Ein hoher Anteil der Unternehmen (70 Prozent) ist der Auffassung, dass der Binnenmarkt noch nicht ausreichend integriert ist. Daher hoffen Eurochambres und die Handelskammer Bozen insbesondere, dass die neue Europäische Kommission die Ergebnisse dieser Umfrage für das eigene Arbeitsprogramm berücksichtigt und so die erforderlichen Änderungen herbeiführt, um den Unternehmen eine internationale Tätigkeit und somit mehr Wettbewerbsfähigkeit zu ermöglichen.

jot