Donnerstag, 13. Januar 2022

Chinas Baukonzerne bitten Gläubiger um Zahlungsaufschub

Die in Geldnöten steckenden chinesischen Immobilienentwickler suchen händeringend nach Lösungen für ihre Schuldenprobleme. Der mit über 300 Mrd. Dollar (263,85 Mrd. Euro) verschuldete Konzern China Evergrande verhandelte am Donnerstag mit den heimischen Investoren über einen Zahlungsaufschub für Zinsen einer 157 Mio. Dollar schweren Anleihe.

Chinesische Immobilienkonzerne stecken wegen jahrelanger regulatorischer Einschränkungen im Kreditgeschäft in massiven Liquiditätsengpässen.
Chinesische Immobilienkonzerne stecken wegen jahrelanger regulatorischer Einschränkungen im Kreditgeschäft in massiven Liquiditätsengpässen. - Foto: © ANSA / FAZRY ISMAIL
Bisher hat Evergrande die Zinsen für lokale Anleihen immer gezahlt, Ausfälle gab es bisher nur bei Anleihen für ausländische Anleger.
Die kleineren Konkurrenten Shimao und Yuzhou baten ihre Investoren ebenfalls um eine Verlängerung von Zahlungsfristen.

Die Weltbank warnte in ihrem Wirtschaftsprognosebericht diese Woche davor, dass ein schwerer und anhaltender Abschwung im chinesischen Immobiliensektor erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft haben könnte. Die Schulden der Baukonzerne bei heimischen und ausländischen Investoren beliefen sich auf insgesamt fast 30 Prozent der Wirtschaftsleistung Chinas.

Chinesische Immobilienkonzerne stecken wegen jahrelanger regulatorischer Einschränkungen im Kreditgeschäft in massiven Liquiditätsengpässen. Viele können derzeit fällige Zinsen für Anleihen nicht bedienen. Ratingagenturen stuften deshalb ihre Bonitätsnoten für die Unternehmen zurück, was bei Banken und Investoren zu Problemen führen kann. Die Aktien der Firmen sind im freien Fall. Evergrande-Titel verloren in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 90 Prozent auf 1,62 Dollar.

Liquiditätskrise wird sich weiter verschärfen

Die Analysten der Investmentbank Nomura schätzen, dass sich die Liquiditätskrise weiter verschärft, da die Unternehmen im ersten und zweiten Quartal Zinsen oder Rückzahlungen von jeweils rund 210 Milliarden Yuan (29,05 Mrd. Euro) leisten müssen. Im vierten Quartal beliefen sich die Fälligkeiten auf 191 Mrd. Yuan.

Der in Shanghai ansässige Immobilienkonzern Shimao verhandelt mit den Gläubigern zweier Anleihen im Gesamtvolumen von 184 Mio. Dollar über einen Zahlungsaufschub bis Ende 2022. Der Rivale Yuzhou will für zwei Bonds über insgesamt 582 Mio. Dollar ebenfalls eine Fristverlängerung bis zum Jahresende durchsetzen. Andere versuchen sich durch den Verkauf von Aktien Luft zu verschaffen: Sunac China Holdings nahm dadurch umgerechnet gut eine halbe Milliarde Dollar ein, um Zinsen und Kredite zurückzahlen zu können.

apa/reuters