Freitag, 05. Juni 2020

„Coronavirus infiziert Südtirols Arbeitsmarkt“

Die aktuellen Daten zeigen: In Südtirol steht das Beschäftigungswachstum in fast allen Branchen still. Die Arbeitslosenanzahl ist von März auf Mai stark gestiegen mit einem Rekordhoch im Monat April.

Der Arbeitsmarktbericht für das Halbjahr November 2019 bis April 2020 wurde  n von Abteilungsdirektor Stefan Luther und Landesrat Philipp Achammer im Landhaus 1 in Bozen vorgestellt.
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Der Arbeitsmarktbericht für das Halbjahr November 2019 bis April 2020 wurde n von Abteilungsdirektor Stefan Luther und Landesrat Philipp Achammer im Landhaus 1 in Bozen vorgestellt. - Foto: © lpa
Wie hat sich der Lockdown im Detail auf den Südtiroler Arbeitsmarkt ausgewirkt? Welche Branchen, Gebiete und Arbeitnehmergruppen sind besonders betroffen? Der Halbjahresbericht der Arbeitsmarktbeobachtung der Landesabteilung Arbeit, den Landesrat Philipp Achammer und Abteilungsdirektor Stefan Luther in der Pressekonferenz am Freitag vorgestellt haben, liefert einen detailgenauen Überblick, was sich zwischen November 2019 und April 2020 im Vergleich zum Winter 2018/19 auf dem Arbeitsmarkt abgespielt hat und quantifiziert den Anteil an Arbeitsplatzverlusten, der dem Lockdown zuzuschreiben ist.

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Der aktuelle Arbeitsmarktbericht Südtirol der Landesabteilung Arbeit zeigt, „wie groß die Herausforderungen für die Südtiroler Arbeitsmarktpolitik sind und in naher Zukunft noch sein werden“, bewertete Landesrat Achammer die Situation. Das Coronavirus habe Südtirols Arbeitsmarkt nach jahrelangem Wachstum infiziert. Die Daten spiegelten nur einen ersten Teil einer Entwicklung wieder, erklärte der Landesrat, daher müsse alles getan werden, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

Einbruch größer als in Weltwirtschaftskrise 2010

„Von einem Plus von zwei Prozent zu einem Minus von 0,7 Prozent – dies sind die Auswirkungen der Eindämmungsmaßnahmen auf den Arbeitsmarkt in nur zwei Monaten“, resümierte Abteilungsdirektor Luther die aktuelle Entwicklung, der die Daten auch größenmäßig einordnet: „Während der Weltwirtschaftskrise des Jahres 2010 betrug der Rückgang lediglich 0,1 Prozent und war gleichmäßiger auf alle sechs Monate verteilt.“ So habe sich vor der Einführung der Eindämmungsmaßnahmen der Covid-19-Pandemie ein moderates Wachstum von 2 Prozent abgezeichnet, was leicht unter dem Schnitt der vergangenen 20 Jahre liegt.

Der Arbeitsmarkbericht 2019/20 zeichnet die Auswirkungen des Lockdown auf den Arbeitsmarkt im Detail nach. Dieser hat zum Stillstand des Beschäftigungswachstums in fast allen Branchen geführt; insbesondere durch den Verfall der befristeten Verträge und die fehlende Neuaufnahme von Beschäftigungsverhältnissen jeglicher Dauer. Dennoch sei es notwendig zu differenzieren: „Während sich in einigen wichtigen Branchen die Entwicklung lediglich verlangsamt hat, gibt es in anderen bereits seit mehreren Monaten einen negativen Trend. Und manche Sektoren wachsen sogar; andere hingegen sind tief vom Lockdown betroffen“, präzisiert Luther.

Registrierte Arbeitslose: Rekordhoch im April

In die Arbeitsmarktgeschichte eingehen wird der Zeitraum November 2019 bis April 2020 mit durchschnittlich 20.780 registrierten Arbeitslosen. Dies entspricht einer Steigerung um 3301 (18,9 Prozent) im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum. Durch die Corona-Krise steigt die Anzahl der registrierten Arbeitslosen rasant an: Im April 2020 sind mit über 28.254 Eingetragenen um 10.738 (61,3 Prozent) mehr Personen als arbeitslos gemeldet als ein Jahr zuvor. Das sind um 6515 Personen mehr als im November 2019, jenem Monat, in dem normalerweise der Jahreshöchstwert an registrierten Arbeitslosen gemessen wird.

Vor diesem Hintergrund haben in den letzten Monaten Sozialpartner und Landesregierung Unterstützungsmaßnahmen zugunsten von Arbeitnehmenden und Betrieben ausverhandelt. „Südtirol hat erhebliche Mittel zur Verfügung gestellt“, betont Landesrat Achammer. „Dabei habe sich gezeigt, dass vor allem jene Verfahren, die nur zum kleinen Teil in unserer Verantwortung sind, beschleunigt werden müssen“, erklärt der Landesrat und unterstreicht: „Aus diesem Grund müssen wir mehr Eigenständigkeit anstreben, gerade was Maßnahmen wie den Lohnausgleich betrifft.“ Damit gibt Landesrat Achammer eine klare Zielrichtung vor, was die schleppenden Auszahlungen anbelangt.

lpa