Mittwoch, 09. September 2020

Covid-19: Immer mehr Erntehelfer sagen ab

Schön rosig und appetitlich hängen sie derzeit noch an den Ästen, doch nun ist es Zeit, die Ernte einzufahren. Aber genau das könnte für so manchen Landwirt heuer schwierig werden. Denn es häufen sich die kurzfristigen Absagen von Erntehelfern aus dem Osten. Der Grund: Angst vor Covid-19 bzw. einer eventuellen Quarantäne.

Die Absagen von osteuropäischen Erntehelfern häufen sich. (Symbolbild Apfelernte)
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Die Absagen von osteuropäischen Erntehelfern häufen sich. (Symbolbild Apfelernte) - Foto: © www.smg.bz.it / IDM Südtirol/Jessica Preuhs
Prominentes Absage-Opfer ist Landesrat Arnold Schuler. Ein paar „seiner“ Leute sind schon seit August da, weitere 5 hätten diese Woche anfangen sollen. „Sie haben mir alle 5 vergangene Woche abgesagt. Das sind Klauber, die kommen schon seit Jahren, zuverlässige Leute“, erklärt Schuler. Bei den Absagen handelt es sich in diesem Fall um Personen aus der Slowakei. Und damit gäbe es da eigentlich derzeit keinerlei Probleme. Doch Schuler hat Verständnis für ihre Entscheidung: „In 4 Wochen kann viel passieren. Die Klauber gehen unterm Jahr einer normalen Arbeit nach und nutzen den Urlaub für einen Zuverdienst in Südtirol. Da machen sie sich einfach Sorgen, dass sie wegen Corona daheim dann in Quarantäne müssen und nicht zur Arbeit können. Oder hier festsitzen.“

Die Entscheidung Ungarns, von heute auf morgen doch mal wieder die Grenzen dicht zu machen, war da sicher auch nicht gerade beruhigend. Und so ist Landwirt Schuler derzeit absolut kein Einzelfall. Das kann auch Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler bestätigen.

„Ich weiß von so einigen Fällen, in denen Klauber aus Osteuropa kurzfristig abgesagt haben“, sagt er. Und ist bei der Suche nach einer Lösung eher ratlos. „Man muss sich halt in aller Eile nach einem Ersatz umsehen. Doch das wird nicht leicht“, befürchtet Tiefenthaler. Landesrat Schuler hofft indessen, dass sein Ersatz tatsächlich kommt. „Man muss dann halt nehmen, wen man bekommen kann, auch wenn die Personen keine Erfahrung im Klauben haben“, sagt er.

15.000 bis 20.000 Erntehelfer werden jährlich gebraucht

Eine zusätzliche Möglichkeit hat sich coronabedingt heuer jedoch eröffnet. „Wer sich im Lohnausgleich befindet und keine Stunde an seinem Arbeitsplatz arbeitet, der kann bis zu 2000 Euro brutto als Erntehelfer dazuverdienen“, erinnert der Landesrat. Weiß aber auch, dass es dennoch schwer sein dürfte, Einheimische 4 Wochen lang fürs Klauben gewinnen zu können. Ausreichend viele vor allen Dingen.

„Wir benötigen Jahr für Jahr zwischen 15.000 und 20.000 Erntehelfer“, sagt Schuler. Selbst wenn davon nur ein kleiner Prozentsatz wegfällt, sei das schon mehr, als der Südtiroler Arbeitsmarkt als Ersatz hergibt. Wie auch immer die individuelle Lösung des Landwirtes aussieht, um seine Äpfel heuer nicht hängen lassen zu müssen, „die Anmeldung der Arbeitskraft muss in jedem Fall korrekt erfolgen“, mahnt Schuler.

ih