Zwischen 8 und 13 Kilogramm Schokolade werden im deutschsprachigen Raum pro Kopf und Jahr verzehrt. Italien kommt nur gut auf die Hälfte. Zahlen zu Südtirol gibt es zwar keine, aber man darf wohl davon ausgehen, dass sich viele eher am Naschverhalten der Schweizer, Österreicher und Deutschen orientieren. Dabei beschränkt sich der Konsum natürlich nicht nur auf Schokolade im engeren Sinne als Schokoladentafeln im klassischen 100-Gramm-Format. Das Angebot an schokolierten Produkten am Markt, also Süßwaren, in denen Schokolade eine zentrale Rolle spielt, hat sich in den letzten Jahren vervielfacht. Neben dem Überangebot im Supermarkt gibt es in Südtirol jedoch auch einen wachsenden Nischenmarkt für Schokospezialitäten im gehobenen Segment. <BR /><BR /><embed id="dtext86-67750373_quote" /><BR /><BR />„Die stressigste Zeit des Jahres für uns ist jetzt“, so Michael Oberhöller, Geschäftsführer der Schokoladenmanufaktur Oberhöller Chocolate in Sarnthein. 2010 haben die Eltern von Michael Oberhöller den Betrieb gegründet. Dieser hat ihn dann 2017 vom Veredler zum Hersteller weiterentwickelt: „Seither kaufen wir die ungerösteten Bohnen ein und verarbeiten sie dann zu Schokoladenprodukten weiter.“ Die Tafeln, Pralinen, Aufstriche usw. haben mit ihren Pendants von den großen Nahrungsmittelkonzernen wenig zu tun: „Bei uns ist das meiste Handarbeit, die Zutaten sind sehr hochwertig. Die Kunden wissen das auch zu schätzen und nehmen den im Vergleich zur Massenware merklich höheren Preis, gerne in Kauf. Entsprechend nimmt die Nachfrage von Jahr zu Jahr zu“, erzählt er. Ein Beispiel: Während eine 100-Gramm-Tafel im Supermarkt schon für knapp über einen Euro zu bekommen ist, werden für handwerkliche Tafeln ab 5 Euro aufgerufen. <BR /><BR />Kunden seien vor allem Südtiroler und Gäste. Verkauft wird hauptsächlich über ausgewählte Händler und Feinkostläden, über den Shop im Betrieb und online. Pro Jahr stellt Oberhöller insgesamt 11 Tonnen Schokolade her. <BR /><BR />„Weihnachten ohne Schokolade? Das ist für viele undenkbar“, bestätigt auch Armin Untersteiner, der mit seiner Frau Katya Waldboth den Schokoladenbetrieb Karuna in Feldthurns führt. Wie Oberhöller, verfolgt auch Karuna den Ansatz „Bean to bar“, er kauft also die Bohne ein und verarbeitet sie zum fertigen Produkt weiter. „Wer nur seinen Heißhunger befriedigen will, der greift zum Massenprodukt Schokolade. Unsere Schokoladen sind eindeutig auf Genuss ausgelegt. Mit einer guten Schokolade ist es wie bei einem guten Wein: Man nimmt die Nuancen der Bohne, ja sogar des Bodens und Klimas, wahr“, so Untersteiner zu diesem Medium. „Der Arbeitsaufwand ist groß. Aber es lohnt sich, weil wir mit großer Leidenschaft dabei sind.“ <h3> Verkauf bis nach Asien</h3>Auf einer Südindienreise im Jahr 2014 haben sie die Faszination Schokolade für sich entdeckt und 2017 mit der Gründung von Karuna zu ihrem Hauptberuf gemacht. Stolz erzählt Untersteiner, dass seine Tafeln mittlerweile sogar von Wiederverkäufern in Asien verkauft werden. Auf den Kleinbetrieb mit einer Jahresproduktion von 3 Tonnen Schokolade seien diese gekommen, weil Karuna bei internationalen Vergleichswettbewerben zahlreiche Preise gewonnen habe, zum Beispiel bei den „European Chocolate Awards“.<BR /><BR />Zu den bekanntesten Veredlern in Südtirol gehört Andreas Acherer (Acherer Patisserie & Blumen), der kürzlich vom Verlag Gambero Rosso mit 92 von 100 Punkten und der Spitzennote „Tre Torte“ bewertet wurde. „Für mich ist Schokolade ohne Frage eine der wichtigsten Zutaten. Sie ist entweder der Hauptdarsteller, etwa bei Schokonikoläusen, -figuren, -tassen oder -pralinen, oder spielt eine maßgebliche Rolle, wie etwa beim Schokopanettone oder verschiedensten Desserts. Im Jahr kommen wir bei uns schon auf 20 Tonnen Schokolade, die verarbeitet werden.“ Insgesamt beschäftigt der Betrieb ganzjährig 28 Mitarbeiter, davon 17 in der Produktion. <h3> Von 4500 auf über 12.000 US-Dollar</h3>Doch, so sehr sich Südtirols Qualitätshersteller und – veredler auch von der Billig-Konkurrenz unterscheiden – geschmacklich und preislich. Irgendwie sitzen sie dennoch im selben Boot. Alle sind letztlich auf den Rohstoff Kakao angewiesen. Und der zeigte sich 2024 von seiner unbändigen Seite. An der Börsen wurden Kakaobohnen Ende 2023 noch zu einem Preis je Tonne von unter 4500 US-Dollar (4250 Euro) gehandelt, bis April schoss er dann auf ein neues Allzeithoch von über 12.000 US-Dollar (über 11.300 Euro) nach oben. Aktuell bewegt er sich noch immer jenseits der 10.000-US-Dollar-Marke und ist damit mehr als doppelt so teuer wie vor einem Jahr. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1106988_image" /></div> <BR />Der extreme Preisanstieg bei Kakao im Jahr 2024 resultierte aus erheblichen Ernteeinbußen in der Elfenbeinküste und Ghana, den beiden größten Produzentenländern. Klimatische Extremereignisse durch El Niño führten zunächst zu Trockenheit und dann zu übermäßigem Regen, was die Erträge stark beeinträchtigte und die Pflanzen anfälliger für Krankheiten machte. Gleichzeitig stiegen die Produktionskosten durch höhere Preise für Düngemittel und Löhne, während die Nachfrage nach Schokolade, insbesondere nach Premiumprodukten, hoch blieb. <BR /><BR /> Dazu kommt das strukturelle Problem veralteter Plantagen, die tendenziell immer weniger Erträge ermöglichen. Und natürlich der Faktor Spekulation: Händler halten hierbei gewisse Mengen zurück und verschärfen dadurch die Angebotsknappheit, was die Preise weiter anheizt. Bis heute hat sich dieses Spiel am Kakaomarkt nicht maßgeblich beruhigt. Die Folgen spürt jeder Konsument beim Schokoeinkauf im Supermarkt: Laut der Verbraucherschutzorganisation Altroconsumo sind die Preise für Schokoladenprodukte in Italien um bis zu 30 Prozent angestiegen – verglichen mit Weihnachten 2023. <h3> Zwischen hoher Nachfrage und hohen Kakopreisen</h3>Und wie gehen die heimischen Betriebe damit um? „Was da heuer abgegangen ist bei den Kakaopreisen, war schon brutal“, sagt Oberhöller. „Das geht ja sofort und unmittelbar zulasten der Rentabilität. Wir haben versucht das Beste draus zu machen, Prozesse zu optimieren. Aber einen Teil mussten wir schlucken; wir konnten und wollten die höheren Kosten nicht vollumfänglich an den Konsumenten weitergeben.“ <BR /><BR /><embed id="dtext86-67750378_quote" /><BR /><BR />Ähnlich äußert sich auch Untersteiner zu den Kakao-Kosten: „Der größte Posten ist bei uns zwar die Arbeitsleistung, aber natürlich macht der Einkauf der Bohnen auch viel aus. Was wir in anderen Bereichen einsparen konnten, etwa beim Verpackungsmaterial, haben wir eingespart. Aber ganz wettmachen, kann man das nie. Wir mussten die Verkaufspreise auch etwas anheben.“ Die Ausweichmöglichkeiten sind in solchen Fällen eben begrenzt. <BR /><BR />Patissier Acherer entschied sich für einen anderen Weg: „Uns ist es gelungen, die verkauften Mengen erheblich zu steigern. Dadurch konnten wir die Preisexplosion beim Kakao größtenteils abfedern“, betont Andreas Acherer. Zu den Bereichen, die heuer deutlich ausgebaut wurden, zählt zum Beispiel der Verkauf von Macarons und Pralinen im Einzelhandel italienweit. <BR /><BR /><embed id="dtext86-67750532_quote" /><BR /><BR />„Aber auch die Hotellerie beliefern wir heute wesentlich stärker als vor einem Jahr.“ Der Hintergrund: „Der Fachkräftemangel bringt es mit sich, dass es Hotels der gehobenen Kategorie in Südtirol immer schwerer fällt, Patissiers zu finden, die süße Köstlichkeiten und Desserts zubereiten. Diese Lücke können wir schließen: Wir stellen nicht nur Croissants und Kuchen her, sondern auch vollwertige Nachspeisen, die ein Hotel im Rahmen eines Abendmenüs seinen Gästen anbieten kann.“<BR /><BR />Für die Zukunft hofft Karuna-Chef Untersteiner, dass der Einsatz von Schokoersatzprodukten etwas Druck vom Markt nimmt: „Wenn es gelingt, 10 Prozent der Schokonachfrage, dadurch zu befriedigen, wäre schon viel erreicht. Diesen Schokoersatz, der keine Kakaobohnen benötigt, könnte zum Beispiel für Schokodrops in Keksen oder etwa in Müsli eingesetzt werden.“