Wie der starke Anstieg der Treibstoffpreise zu erklären ist und was dahintersteckt. <BR /><BR /><BR />1,80 Euro oder mehr, muss man derzeit an einer Tankstelle in Südtirol für einen Liter Benzin bezahlen. Die Dieselpreise sind etwas niedriger und bewegen sich pro Liter zwischen 1,60 Euro und 1,67 Euro.<BR /><BR />„Diese Preise treffen auch uns Tankstellenbetreiber sehr hart“, sagt Emanuela Passerini, Vizepräsidentin der Tankstellenpächter von Confesercenti Südtirol. „Mit den Treibstoffen haben sich auch die Preise einer Vielzahl anderer Produkte erhöht sowie die Kosten für Logistik der Unternehmen und der Industrie.“ Als Mitglied der Faib (Federazione autonoma italiani benzinai) betont Passerini, dass es sich „dabei keineswegs um ein staatliches Phänomen handelt“. Vielmehr seien weltweit alle Zulieferer davon betroffen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="707021_image" /></div> <BR /><BR />Warum es zu diesen Preisanstiegen der Kraftstoffe kommt, erklärt die Südtiroler Koordinatorin der Faib, Claudia Masera: „Die Dynamiken hängen nicht so sehr von den eigentlichen Kosten des Erdöls und seiner Förderung ab, sondern von der internationalen Kursentwicklung der raffinierten Erdölprodukte seitens des Informationsdienstes Platts.“ Platts eine der Preisagenturen, die die globalen Kosten von Erdölprodukten mitbestimmen. <BR /><BR />Benzin und Diesel seien nur ein Teil der Produkte, die aus Rohöl gewonnen werden. Ihre Preise entwickelten sich auch unabhängig davon. Die Produzenten hätten entsprechend knappe Spielräume: 35 Prozent der Kraftstoffpreise sind Kosten für das Rohmaterial, den Erdölkonzernen hingegen verbleiben 3 bis 4 Prozent vom Gesamtpreis, heißt es von Confesercenti Südtirol.<BR /><BR />Was genau zum Anstieg der Kraftstoffe geführt hat, erklärt Passerini mit makro-ökonomischen Dynamiken. Da sei einerseits der wirtschaftliche Aufschwung nach dem Lockdown. Das Erdöl habe sich während des Stillstandes gestapelt, wurde danach alsbald verbraucht, ohne, dass die Produktion dem Verbrauch angepasst worden sei. „Die Nachfrage nach Kraftstoffen ist nach dem Stillstand einschneidend angestiegen, ohne dass das Angebot Schritt halten konnte,“ so Passerini. <BR /><BR />Zudem fehle ein Abkommen der OPEC-Länder zur Erhöhung der Rohölförderungen mit Saudi Arabien und der Vereinigten Arabischen Union, die eine gekürzte Menge in der Produktion einzuhalten haben. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="707024_image" /></div> <BR /><BR />Zeitgleich treibe die Politik weltweit den ökologische Wandel voran, besonders in Europa. Der Preisanstieg diene der OPEC daher auch als Argument für alle, die den ökologischen Wandel wirtschaftlich als nicht nachhaltig betrachten. Besonders betroffen seien dabei Haushalte, die mit mittleren bis niedrigen Einkommen zurecht kommen müssten.<BR /><BR />Und dann sind auf staatlicher Ebene noch die Steuern auf die Kraftstoffe. In Italien sind diese für Kraftstoffe bei 60 Prozent festgelegt und liegen damit europaweit bei Benzin auf Platz 2. Nur in Holland ist dieser Steuersatz höher. „Auf einen Liter Benzin mit einem Preis von 1,687 Euro fallen rund 1,00 Euro an Zollgebühren und Mehrwertsteuer an“, so Passerini. Sie nennt es „paradox, dass die eigentlichen Preise für Kraftstoffe in Italien zu den niedrigsten in Europa zählen und zwar 4 bis 5 Cent unter dem europäischen Durchschnitt“. Die Differenz, also die Erhöhung, werde einzig von den Steuerabgaben verursacht.<BR /><BR />Wie sich die Preise zukünftig weiterentwickeln, muss sich erst zeigen: Für Faib-Koordinatorin Masera werden die Auswirkungen der Energiewende zu geringeren Investitionen in neue Erdölvorkommen führen. „Das wiederum kann höhere Risiken zur Folge haben, dass es zu Energieengpässen und zugleich zu weiteren Preisanstiegen kommen kann.“<BR />