Tchibo hat es vorgemacht: Deutschlands Kaffeeröster Nummer 1 hat in den vergangenen Monaten gleich 2 Mal den Preis seiner Produkte angehoben. So sollen die Verkaufspreise zum 21. Februar je nach Sorte und Herkunftsland zwischen 50 und 130 Cent je 500 Gramm steigen.<BR /><BR /> Schon im Vorjahr hatte Tchibo seine Preise um 50 bis 100 Cent je 500 Gramm erhöht, nachdem es in den Jahren zuvor mehrere Preissenkungen gegeben hatte.<BR /><BR />Hintergrund waren schon damals höhere Einkaufspreise auf den Weltmärkten. Sie sind seither weiter kräftig gestiegen – wie auch Stefan Schreyögg, Geschäftsführer der Kaffeerösterei Alps Coffee bestätigt: „Schon seit vielen Monaten kennen Rohkaffeepreise nur eine Richtung: nach oben. Seit Juni vergangenen Jahres haben sich die Preise fast verdoppelt, in den letzten Tagen sind sie sogar noch mehr angestiegen – und die Tendenz ist eher steigend als fallend. Da der Kaffee an der Börse gehandelt wird, betrifft uns das in Südtirol natürlich genauso wie Tchibo und jede andere Kaffeerösterei.“<BR /><BR />Gründe für die Preiserhöhungen auf Einkaufsseite gibt es laut Experten mehrere, darunter auch die anhaltend ungünstige Erntesituation in Brasilien, dem mit Abstand größten Kaffeeerzeuger weltweit. So werden Bohnen der Sorte Arabica, die rund 60 Prozent der globalen Kaffeeproduktion ausmachen, auf einem Preisniveau gehandelt, das der Kaffeemarkt ein Jahrzehnt lang nicht kannte. Auch dass sowohl die in New York gehandelten Arabica-Kaffees als auch die in London gehandelte Sorte Robusta in US-Dollar notiert werden, ist nicht unbedingt von Vorteil, denn „hier kommt uns der schwächere Eurokurs in die Quere“, so Schreyögg.<BR /><BR /> Für den Kaffee-Hersteller in vierter Generation sind die Missernten zwar durchaus ein Einflussfaktor: „Allerdings hat es diese schon immer gegeben, mal war es aufgrund von Baumbefall in Mexiko, diesmal sind es Dürre und Frost in Brasilien.“ Da die Partschinser Kaffeerösterei die Bohnen für ihre 25 Kaffeevarietäten aus 17 Ländern rund um den Äquator bezieht, ist sie natürlich auch nicht auf die Ernte eines einzigen Anbieters angewiesen. Stärker verantwortlich für den Preisanstieg sieht Schreyögg die drastisch höheren Frachtraten in der Containerschifffahrt, bedingt durch die anhaltenden Spannungen in den globalen Lieferketten und den daraus resultierenden Verspätungen: „Hat man früher etwa für einen Container aus dem asiatischen Raum 2000 US-Dollar gezahlt, so muss man heute 14.000 bis 16.000 Dollar berappen. Auch das wirkt sich natürlich auf die Rohstoffpreise aus.“ <BR /><BR />Ebenfalls für den kaffeeliebenden Endkonsumenten zum Nachteil gereichen erhöhte Kosten für Verpackungsmaterialien und die steigenden Energiekosten, so Schreyögg: „Immerhin muss der Rohkaffee dann auch geröstet und verarbeitet werden, was ebenfalls teurer geworden ist. Das ist allerdings kein branchenspezifisches Problem.“ <BR /><BR />All diese Faktoren führten dazu, dass auch Alps Coffee den Preis für ihre Produkte im vergangenen Herbst um 10 bis 15 Prozent heben musste, eine weitere Preiserhöhung in diesem Jahr kann der Geschäftsführer nicht vollständig ausschließen. Auch Hoffnung darauf, dass der Preis für Kaffee demnächst wieder sinken wird, kann Schreyögg keine geben: „Wir sind ständig mit anderen Röstern und Importeuren in Kontakt. Derzeit erwartet sich der Markt keinen großen Rückgang, im Gegenteil: Es wird erwartet, dass der Preis noch weiter anzieht. Da mir aber eine Kristallkugel fehlt, kann ich leider keine definitive Prognose machen.“