<BR />Schon in vierter Generation arbeitet der gelernte Bäcker und Konditor Hannes Schwienbacher nun hier in St. Walburg im hintersten Ultental. Umgeben von dieser gigantischen Berglandschaft. In einem Betrieb, der schon seit 1919 mit Mehl bestäubt wird und nach Brotgewürzen duftet. <BR />Damals startete Urgroßmutter Maria das, was heute als Ultner Brot über die Grenzen Südtirols bekannt ist. In einem kleinen Raum im angrenzenden „Eggwirt“ fing also alles an und die erste Bäckerei des Tals war geboren. <h3> Mit den italienischen Arbeitern wuchs die Nachfrage</h3>Das Ultental gilt als wasserreichstes Tal Südtirols, was in den 60er Jahren dazu führte, dass zahlreiche Stauseen gebaut wurden. Das wiederum brachte eine Vielzahl von italienischen Arbeitern in die Gegend, die – für ein bisschen Heimatgefühl – frisches Weißbrot suchten. Das gab es in der Form zu dem Zeitpunkt noch nicht, der Bedarf war einfach nicht da. <BR />Hannes Großvater Richard, der mittlerweile den Betrieb übernommen hatte, verbuk bis dahin das Mehl der umliegenden Bauern und stellte daraus Paarl und ähnliches her. Doch nun wuchs die Nachfrage und die Produktion expandierte. <h3> In den 70ern kamen ein Café und die neue Backstube dazu</h3>Als in den 70er Jahren schließlich Heinrich Schwienbacher (ebenfalls genannt Richard), Hannes Vater, mit in das Geschäft einstieg, wurde der Betrieb erneut weitergedacht. Hinzu kamen ein Café und die neue Backstube, was damals völlig revolutionär für das Tal war. Noch dazu im angesagten Hippie-Style. 70er eben. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1092852_image" /></div> <BR /><BR />Ein paar Jahre dauerte es noch, bis Richard endgültig die Zügel in die Hand bekommen sollte, doch 1986 war es soweit. Prompt schaltete sich seine Frau Gerti ein, die den damaligen Backstandard nicht mehr wollte und partout die Brote ihres Mannes nicht mehr anrührte. Auf ihr Drängen hin wurde also das erste Vollkornbrot gebacken und der Schritt Richtung bio war getan. <h3> „Ich will mein Leben nicht in der Backstube verbringen!“</h3>Schon bald kam Hannes Schwienbacher, ältester Sohn der Familie, ins Spiel. Wobei es eher heißen sollte: zum Kampf. Denn das war es. Ein Kampf zwischen Vater und Sohn, über den Weg, der begangen werden sollte. <BR />Hannes', der mit vollem Namen eigentlich auch Richard heißt, Berufswunsch lag nämlich fernab von der Backstube, vielmehr wollte er etwas mit Technik machen. Es folgten harte Jahre, ein eisernes Schweigen zwischen den beiden Richards, bis schließlich die Mutter intervenierte und ihren Sohn für eine Aussprache nach Hause holte. <h3> Arbeitsteilung als Lösung im Familienstreit</h3>Wie so oft, brachte auch hier die Zeit eine Lösung und beide fanden eine Einigung. Hannes sollte fortan den Verkauf übernehmen und konnte sich so auf Innovation und die Weiterentwicklung der Produkte fokussieren. Richard hingegen blieb der Backstube treu und kümmerte sich darum, dass die Qualität der Backwaren stets top war. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1092855_image" /></div> <BR /><BR />Das, was seine Eltern schon begonnen hatten, führte Hannes mit erhöhtem Tempo weiter. 2000 schon folgte die Biozertifizierung und eine erste eigene Filiale in Meran. Veränderungen, die nicht alle sofort guthießen. Der Junge mit seinen verrückten Ideen eckte an. <h3> Innen bio, außen nicht</h3>Um es sich nicht mit allen zu verscherzen, half ein einfacher Trick: Zu Beginn wurden die Bioprodukte, die in Meran auch genau unter diesem Siegel liefen, im Ultental weiterhin mit den alten Schildern – und auch alten Preisen – verkauft. <BR />Erst als die Biowelle Mitte der Nullerjahre von Deutschland auch nach Südtirol schwappte, stieg die Nachfrage und auch die Akzeptanz. <h3>Eine Nummer zu groß</h3>Ab da waren auch die Preise anpassbar und der Betrieb wuchs. Damit stand Hannes, der mittlerweile absolut freie Hand in den Entscheidungen hatte, vor der Überlegung, auch den Standort, der ja wirklich alles andere als zentral ist, zu wechseln und in die Industriezone von Lana zu ziehen. Doch es fühlte sich nicht richtig an und Hannes entschied, das Tal nicht zu verlassen, sondern daheim auszubauen. „Das ist mein Potential!“ sagt er noch heute zu der Entscheidung. <BR /><BR />Der Effekt, an Ort und Stelle zu bleiben, war viel größer, als ein Umzug je hätte sein können. Denn: Er verfestigte das authentische, echte und fast schon urige Image der Bäckerei. <BR />Noch dazu löste er das überall vorherrschende Problem des Fachkräftemangels. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sonst das Tal für eine Arbeit verlassen müssten, konnten bleiben. <h3> 5-Tage-Woche, um Mitarbeiter zu halten</h3>Überhaupt sind die Mitarbeiter das wahre Kapital, das hat auch Hannes erkannt. Um die Belegschaft zu halten, gibt es nur mehr eine 5-Tage-Woche. Das bedeutet zwar, dass samstags und sonntags kaum bis gar keine Auslieferung mehr stattfindet, aber eben auch ein loyales Zusammenarbeiten und Qualität, die daraus erwächst. <BR /><BR />Mit den 40 bis 50 Mitarbeitern hat der Betrieb so auch eine ideale Größe, die er seit 10 Jahren konstant hält. So bleibt die Führung in Familienhand, womit der 50-Jährige der überall zu tragen kommenden „Höher, schneller, weiter“-Mentalität etwas entgegensetzt. „Dabei wäre es viel einfacher, zu wachsen, anstatt stabil zu bleiben“, sagt er. Aber das will er nicht.<BR /><BR />Da steht er lieber sonntags und an den Feiertagen selbst in der Backstube, dann, wenn die Mitarbeiter frei haben. Ein Familienbetrieb, der das Familiengefühl auf die Belegschaft ausweitet. <h3> Den internationalen Markt im Blick</h3>Aber Hannes wäre nicht Hannes, wenn er nicht schon wieder neue Ideen hätte. Aktuell hat er auch den internationalen Markt im Blick. Für den will er die Dauerbackwaren, also Schüttelbrot, die Eigenkreation der Stutzen, Kekse und mehr, ausbauen. Immer mit dem Fokus auf die Bionische, denn „nur da können wir überleben.“ <BR /><BR />Das alles erzählt er mit einer Zuversicht, die es heute nur mehr selten zu geben scheint und führt durch den Betrieb, der sein ganzer Stolz ist. Doch dann muss er auch schon los. Zu einem Treffen hoch oben auf der Schwemmalm, um mit den Zuständigen über eine neue Startbahn für Gleitschirmflieger zu sprechen – denn das wiederum ist seine private Passion.