<b>STOL: Herr Pinzger, das neue Tourismus-Entwicklungskonzept der Landesregierung sieht eine Betten-Obergrenze vor. Eine Ausnahme soll es aber für Urlaub-auf-dem-Bauernhof-Betriebe (UaB) geben. Der HGV hat stets gefordert, dass alle gleichbehandelt werden sollen. Enttäuscht?</b><BR />Manfred Pinzger: Wir sind sehr überrascht, dass es plötzlich eine Öffnung für die Urlaub-auf-dem-Bauernhof-Betriebe gibt. Davon war in den vergangenen Jahren nie die Rede. Es hat von politischer Seite immer geheißen, dass alle Betten und alle Gäste gleich zählen, egal ob Privatzimmer-Vermieter, UaB oder das 4-Sterne-Hotel. Daher ist dieser politische Sinneswandel schon sehr überraschend. Für uns ist es unverständlich, dass Nebenerwerbsbetriebe, wie es die UaB-Betriebe sind, auch, so wie es ausschaut, in touristisch stark entwickelten Gebieten neue Betten errichten dürfen. Und Familien, die teilweise über Generationen einen kleinen Gasthof als Haupterwerb betreiben, haben laut dem neuen Tourismuskonzept keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr. Das ist nicht das, was uns 2017/2018 versprochen worden ist.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-52175120_quote" /><BR /><BR /><BR /><BR /><b>STOL: Was wurde 2017/2018 versprochen?</b><BR />Pinzger: Damals, vor Verabschiedung des Raumordnungsgesetzes, wurde uns stets vor versammelter Mannschaft zugesichert, dass es auch künftig eine bestimmte Möglichkeit der quantitativen und qualitativen Erweiterung für bestehende Betriebe geben wird. Daher ist das, was jetzt gegenüber dem Tourismussektor eingeleitet wird, eindeutig politischer Wortbruch. Zudem ist es so, dass es in Südtirol insgesamt an die 10 bis 15 große Top-Betriebe mit vielen Betten gibt. Dass man diese hernimmt und sagt, die Klein- und Kleinstbetriebe in diesen Gebieten dürfen nicht mehr erweitern, da die Bettenzahl überschritten ist, das kann es nicht sein. Diese wenigen großen Betriebe darf man nicht als Maßstab hernehmen. Es handelt sich nämlich um 15 Betriebe, währenddessen es in Südtirol noch eine große Zahl an kleinen Betrieben gibt, die sehr wohl eine Entwicklungsmöglichkeit bräuchten. <BR /><BR /><BR /><b>STOL: Der HGV hat aber stets auch betont, dass er für eine Betten-Obergrenze sei.</b><BR />Pinzger: Wir sind sehr wohl dafür, dass in Südtirol keine neuen Betriebe zugelassen und keine neuen Tourismuszonen ausgewiesen werden sollen, mit Ausnahme der bereits genehmigten Betten und Projekte. Eine Entwicklungsmöglichkeit für einige Betriebe hätte man aber sehr wohl zulassen sollen. So wie es jetzt ausschaut, fallen wir zurück in die 1980er-Jahre, als es einen kompletten urbanistischen Stopp gab. Es ist für mich unverständlich, dass die Politik nicht zu einem Kompromiss bereit war. <BR /><BR />