Mit der Elektromobilität scheint es zu sein wie mit vielen neuen Technologien: Nach dem Hype kommt die Ernüchterung, nach der Ernüchterung die nächste große Wachstumsphase. Mehr Modelle, bessere Batterien, sinkende Preise, aggressives Hersteller-Marketing und Förderungen machen elektrische und teilelektrische Antriebe für immer mehr Käufer zur realen Option. Ihr Marktanteil hat sich in Südtirol laut Daten von UNRAE in nur einem Jahr von 59,3 auf 70,5 Prozent erhöht – also auf mehr als sieben von zehn. <BR /><BR />Doch „elektrisch“ ist bekanntlich nicht gleich „elektrisch“. Mit Abstand auf Platz eins der bevorzugten Antriebsarten der Südtiroler Privatkunden liegen HEV, also Vollhybride, die eher als optimierte Verbrenner denn als echte E-Autos durchgehen. Ihr Anteil an den Neuzulassungen hat sich von 38,5 auf 41,1 Prozent erhöht. Noch stärker ins Auge fällt aber der Sprung bei den reinen Stromern (BEV): Sie kommen mittlerweile auf 21,4 Prozent Marktanteil – nach 14,6 Prozent im Vorjahreszeitraum – und liegen damit erstmals vor dem Benziner. Plug-in-Hybride (PHEV) erreichen 8,1 Prozent (2025: 6,2 Prozent).<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1333818_image" /></div> <BR /><BR />Ein völlig anderes Bild zeigt sich bei den klassischen Verbrennern. Benziner kommen in Südtirol nur noch auf 19,8 Prozent der Neuzulassungen; ihre Zahl ging gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 17,1 Prozent zurück. Diesel-Fahrzeuge müssen sogar ein Minus von fast 30 Prozent hinnehmen und erreichen nur noch sieben Prozent Marktanteil. Flüssiggas bleibt mit 2,7 Prozent der neu angemeldeten Fahrzeuge ein Nischenangebot.<h3> Südtirol liegt vor Italien</h3>In Summe wurden in Südtirol in den ersten sechs Monaten des Jahres 2.457 Pkw privater Käufer neu zugelassen, 12,1 Prozent mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres. Südtirol bewegt sich damit ganz auf der Linie des europäischen Trends. <BR /><BR />Auch italienweit waren im ersten Halbjahr laut UNRAE immerhin 67,1 Prozent der Neuzulassungen zumindest teilweise elektrifiziert. Dennoch nimmt Südtirol eine Sonderrolle ein: Bei den reinen Stromern hinkt Italien mit 8,4 Prozent Marktanteil deutlich hinterher, während Südtirol bei den Privatkäufern mit 21,4 Prozent einen klaren Vorsprung verzeichnet.<h3>Die Gründe für die Verschiebung</h3>Für Lukas Baumgartner, Geschäftsführer der Bozner Autoindustriale Mobility Group (Mercedes, Smart, Dacia und Renault) hat die Verschiebung mehrere Gründe. Zum einen zeige sich ein klarer Fördereffekt: Viele E-Autos, die im Herbst 2025 vom staatlichen Ecobonus profitierten, wurden im ersten Halbjahr 2026 zugelassen. <BR /><BR />Zum anderen kurbeln die hohen Spritpreise den klar spürbaren Aufwärtstrend der Elektromobilität zusätzlich an. <BR /><BR /><embed id="dtext86-75523972_quote" /><BR /><BR />Baumgartner erwartet, dass sich der Neuwagenmarkt in den kommenden fünf Jahren drastisch verändern wird: „Klassische Verbrenner werden dann so gut wie keine Rolle mehr spielen. Plug-in-Hybride dürften bei den Neuwagen fast vollständig vom reinen Stromer ersetzt werden.“ Den Markt würden sich mittelfristig vor allem Hybride und reine Elektroautos teilen – nicht zuletzt wegen strenger EU-Emissionsvorgaben.<BR /><BR />So deutlich die Entwicklung bei den Neuzulassungen auch ist: Bei den Gebrauchten, die den Automarkt weiterhin dominieren, ist die Lage noch eine andere. In Europas großen Märkten kommen auf einen Neuwagen grob zwei bis drei Gebrauchtwagen. Der Wandel zur Elektromobilität beginnt also bei den Neuzulassungen – im gesamten Fahrzeugbestand kommt er erst mit Verzögerung an.<BR /><BR /><i><b>HEV, PHEV, BEV – was ist was?<BR /></b><BR />HEV (Hybrid Electric Vehicle): Fährt primär mit Benzin/Diesel. Ein kleiner Elektromotor unterstützt beim Anfahren und spart Kraftstoff. Die Batterie lädt sich ausschließlich selbst über Bremsenergie.<BR /><BR /> PHEV (Plug-in Hybrid Electric Vehicle): Kombiniert Verbrennungs- und Elektromotor mit einer größeren Batterie. Kann an der Steckdose geladen werden und schafft oft bis zu 100 Kilometer rein elektrisch.<BR /><BR />BEV (Battery Electric Vehicle): Besitzt keinen Verbrennungsmotor. Läuft zu 100 Prozent elektrisch über eine große Batterie, die an der Ladesäule geladen werden muss. Bei den reinen E-Autos lag Tesla im ersten Halbjahr vorne – vor Leapmotor, BYD, Skoda und Kia. Die Daten beziehen sich allerdings auf die gesamte Region Trentino-Südtirol.</i>