Donnerstag, 28. Dezember 2017

Das Südtiroler Handwerk zieht Bilanz

Die Anzahl der Unternehmen, der Beschäftigten und der Lehrlinge ist im Jahr 2017 angestiegen. Die Erwartungen der einzelnen Berufssparten für 2018 sind gut bis sehr gut. Dennoch gibt es einige Baustellen, die dem Handwerk Kopfzerbrechen bereiten, wie der lvh am Donnerstag erklärte.

lvh-Direktor Thomas Pardeller, lvh-Präsident Gert Lanz und lvh-Vizepräsident Giorgio Bergamo. - Foto: lvh
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lvh-Direktor Thomas Pardeller, lvh-Präsident Gert Lanz und lvh-Vizepräsident Giorgio Bergamo. - Foto: lvh

13.526 Unternehmen, 44.091 Beschäftigte und 3.524 Lehrlinge. Eines haben diese Zahlen gemeinsam: Im Vergleich zum Vorjahr haben sie sich erhöht. Vor allem die Bau- und Installationsbranche konnten 2017 dank des wirtschaftlichen Aufschwungs gute Auftragszahlen verbuchen.

„Die günstige Konjunktur wirkt sich vor allem bei den Maurern und Baumeistern, bei den Malern und Lackierern sowie bei den Elektrotechnikern positiv auf die Unternehmens- und Beschäftigungsentwicklung aus“, berichtete lvh-Präsident am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz, bei der die lvh-Spitze Bilanz über das vergangene Jahr zog.

Sorgenkind Mietwagenunternehmen

Es gibt allerdings auch einige Sorgenkinder, denen Lanz kritisch und beunruhigt entgegenblickt. „Die Mietwagenunternehmen sind im Vergleich zum Vorjahr um ganze 35 Betriebe geschrumpft. Nun ist auch noch die Problematik der SAD-Linienentzüge hinzugekommen, die die Unternehmen an das Existenzlimit treibt. Rückgänge werden auch bei den Metzgern und Bäckern verzeichnet. Eine ebenso besorgniserregende Situation, zumal sich diese Tendenz vor allem in peripheren Gebieten negativ auf den Erhalt der kleinen lokalen Kreisläufe auswirkt“, erklärt der Verbandspräsident.

Baustelle Fachkräftemangel

Als Baustelle bezeichnet er auch den Fachkräftemangel: „Das Handwerk bildet mehr als die Hälfte der Südtiroler Lehrlinge aus. Die Unternehmen investieren viel Know-how, Zeit und Leidenschaft in die Jugendlichen, um sie zu Könnern ihres Fachs auszubilden. Erfahrung wird somit weitergegeben und die Jugendlichen bekommen eine fundierte Ausbildung für die Zukunft. Nicht mehr verständlich und nachvollziehbar ist dabei das negative Image, welches mit der Lehre verbunden wird. Wenn man bedenkt, welche Zukunftsperspektiven sich eröffnen, dann ist die berufliche Ausbildung wohl das Zukunftsmodell schlechthin. Und wer bekommt schon in der Ausbildung einen Lohn?“

2017: Fokus auf Image, Förderungen und Innovation

Die Themenschwerpunkte im Jahr 2017 lagen auf drei Bereichen: die Stärkung des Handwerkerimage, die Fördermittel zur Unterstützung der Kleinbetriebe und das innovative und technologisch zukunftsträchtige Handwerk. Für die Umsetzung von Ideen oder neuer Produkte seien aber gerade Kleinbetriebe auf verschiedene Förderschienen angewiesen wie z.B. die Investitionsbeihilfen über Wettbewerbsverfahren, Förderungen im Bereich der Internationalisierung und Innovation oder Subventionen für Projekte bei Energieeffizienz und erneuerbaren Energien, so der lvh.

2018: Fokus auf Ausbildung, Mobilität und Raumordnung

Im nächsten Jahr soll italienweit die Beschäftigung angekurbelt und damit auch mehr Lehrlinge ausgebildet werden. Hierzu wurden im Bilanzgesetz 2018 konkrete Bestimmungen verankert: Unternehmen erhalten für drei Jahre INPS-Beitragsbegünstigungen bis zu maximal 3.000 im Jahr, wenn sie Personen unter 30 Jahren einstellen. Diese Bestimmung kann erstmals auch für Lehrlinge angewandt werden. Eine komplette Beitragsbefreiung für insgesamt drei Jahre sieht das Bilanzgesetz für die Einstellung von jungen Menschen im Rahmen der dualen Ausbildung und der Initiative Scuola-Lavoro vor. „Es ist höchste Zeit, die Rahmenbedingungen für Ausbildungsbetriebe zu verbessern. Ohne Ausbilder wird es nämlich keine Nachwuchshandwerker geben“, gibt lvh-Vizepräsident Martin Haller zu bedenken.

Zukunftsthema Mobilität

Neben der Ausbildung wird für das Südtirols Handwerk vor allem die Mobilität in Südtirols Zentren eine große Bedeutung spielen: Anstehende Bau- und Verkehrsprojekte werden zum einen neue Aufträge generieren, zum anderen aber auch strukturelle Veränderungen für die Betriebe mit sich bringen“ erklärte Lanz. Darauf gelte es, sich rechtzeitig vorzubereiten und zu agieren.

Gespannt wartet das Handwerk auf das neue Landesgesetz für Raum und Landschaft, das im Frühjahr 2018 endgültig genehmigt werden soll. Der lvh hatte mehrmals seine Anliegen und Notwendigkeiten deponiert, allen voran die Ablehnung einer weiteren Verteuerung von Grund und Boden ebenso wie die Beibehaltung der Dienstwohnungen.  

In Hinblick auf all die genannten Themen strebt der lvh eine noch stärkere Zusammenarbeit mit der lokalen Politik an.

stol

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