Dienstag, 10. November 2020

Das Treffen der Digi-Brains

Die Rebellen von einst haben sich durchgesetzt: Freie Software und die gemeinsame Weiterentwicklung digitaler Lösungen sind heute Standard. Bozen macht hierbei mit einem weltweit anerkannten Fachkongress auf sich aufmerksam.

Zum 20. Mal findet die  Fachkonferenz zum Thema Freie Software statt.
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Zum 20. Mal findet die Fachkonferenz zum Thema Freie Software statt. - Foto: © shutterstock
Es ist eine veritable Revolution, die gerade unter unser aller Augen stattfindet, jedoch kommt diese ohne die üblichen Merkmale einer Revolution aus. Nach und nach dringt die digitale Transformation in jeden Bereich unseres Alltags vor, bestimmt in zunehmendem Maße unser Handeln, unsere Gewohnheiten und unser Denken. Folglich setzt man sich besser aktiv mit den neuen Technologien auseinander, anstatt irgendwann von ihnen überrollt zu werden. Entgegen so mancher landläufigen Meinung ist Südtirol in punkto Digital-Know-how kein unbeschriebenes Blatt und hat sogar ein Kompetenzzentrum mitsamt Netzwerk in einem mittlerweile äußerst gefragten Bereich aufgebaut:Freie Software.

Bester Beleg dafür ist die 20. Ausgabe der SFScon, die am kommenden Freitag und Samstag an die 100 Experten aus aller Welt versammeln wird. Das sperrige Kürzel steht für „South Tyrol Free Software Conference“, Europas wichtigste Konferenz zum Thema Freie Software.

„Unsere Gesellschaft ist immer stärker von den verschiedenen Möglichkeiten der IT-Bereiche abhängig. Als Entwickler versuchen wir, den Nutzen der digitalen Technologien voranzutreiben und die Risiken zu minimieren“, erklärt Patrick Ohnewein, seines Zeichens Leiter der Unit Digital im Bozner Noi Techpark, zudem Ideator und Organisator der SFScon.

Was vor 20 Jahren sozusagen als Insider-Wissensaustausch von IT-Freaks begann, hat sich zu einem Schrittmacher in der globalen Technologieszene entwickelt. Wie ist das möglich?

Ganz einfach: Die Freaks und Rebellen von einst sollten mit ihren Idealen tatsächlich recht behalten, mittlerweile haben auch Software-Giganten wie Microsoft, Apple oder IBM umgeschwenkt. Ohnewein erklärt: „Die Entwicklung von Software ist derart komplex, dass Kooperation und Transparenz zum Standard geworden sind. Es geht primär nicht mehr darum, Software zu verkaufen, vielmehr stellen die IT-Unternehmen ihre Entwicklungen auf die Cloud. Von Google bis hin zu Microsoft sind alle interessiert, ihre Vorhaben und Visionen mit vereinten Kräften weiterzuentwickeln.“ Letztlich ist dieses Sharing-Modell der Urgedanke von Freier Software. Jedoch ist auch sie Lizenzen und gefinkelten Verträgen unterworfen, präzisiert Ohnewein.

So werden sich bei der 20. SFScon die Experten namhafter Akteure (siehe kleine Auswahl anbei) über heiß diskutierte Themen wie Künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge, Datensicherheit, aber auch neue Geschäftsmodelle oder rechtliche Aspekte austauschen. Das Themenfeld betrifft Anwendungsbereiche für Unternehmen und die öffentliche Hand und reicht von smarter Mobilität bis hin zu Kommunikationsnetzwerken.

„Der einstige Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte Open Source mal als Krebsgeschwür der Informatik bezeichnet. Mittlerweile hat das Internet die Geschäftsmodelle aller Tech-Konzerne verändert. Und Tesla ist deshalb so auf dem Vormarsch, weil es ein Computer auf Rädern ist“, verdeutlicht Ohnewein den Wandel. Tesla weist zeitweise einen höheren Börsenwert auf als die 3 großen deutschen Autobauer zusammen. All das lässt erahnen, mit welcher Macht und in welchem Tempo die Digitalisierung sich ihren Weg bahnt.

az