Kromp-Kolb ist Meteorologin und Klimaforscherin an der Universität für Bodenkultur in Wien. Sie engagiert sich seit Jahrzehnten im Kampf gegen Klimawandel. 2013 erhielt sie das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Kurzum: Wenn es um das Thema Klimawandel geht, weiß die Forscherin genau, wovon sie spricht. Vor 20 Jahren war sie bereits zu Gast bei der „Obstbautagung“, gestern kehrte sie zurück. Und die Situation hat sich seit damals nicht gebessert – im Gegenteil. <BR /><BR />„Der Klimawandel ist da und er wird sich weiter verschärften“, sagte sie und belegte dies anhand einer Reihe von Zahlen: „Die globale Durchschnittstemperatur ist vom vorindustriellen Niveau bis heute um 1,2 Grad angestiegen. Geht die Entwicklung linear weiter, sind wir im Jahr 2040 bei 1,8 Grad, beschleunigt sie sich, könnten es bis zu 2,4 Grad sein. Das wäre absolut dramatisch“, betonte sie. Zur Erklärung: Mit „vorindustriellem Niveau“ ist die Zeitspanne von 1850 bis 1900 gemeint. Weitere Zahlen gefällig? „Wer heute 20 bis 29 Jahre alt ist, könnte miterleben müssen, wie der Temperaturanstieg 2,5 Grad und mehr erreicht. Damit werden wir höchstwahrscheinlich nicht umgehen können“, erläuterte sie. „Immer vorausgesetzt, wir machen weiter wie bisher, tun also zu wenig gegen den Klimawandel.“<BR /><BR />Auch ist laut Kromp-Kolb mittlerweile unbestritten, dass sich Extremereignisse häufen: „Die Niederschlagsmengen nehmen zu, aber viel schlimmer ist, dass sich die Verteilung stark geändert hat. Das heißt, Unwetter mit Starkregen und längere Dürreperioden treten wesentlich häufiger auf – mit allen Folgen.“ Natürlich sei der Klimawandel primär ein naturwissenschaftliches Thema. „Aber er kann zu einer Klimakrise führen, die gravierende Folgen hat auf die Gesundheit, den Wohlstand, den sozialen Frieden, die politische Stabilität usw.“, so Kromp Kolbe. „Das Ziel muss es daher sein, den Temperaturanstieg längerfristig bei 1,5 Grad zu stabilisieren. Das gelingt uns nur, wenn wir in diesem Jahrzehnt unsere Gewohnheiten radikal ändern. Auf lange Sicht kostet das deutlich weniger als wenn wir weiterhin auf Klimaschutz verzichten oder zu zögerlich vorgehen.“ Gezögert werde zum Beispiel auch bei der Abkehr von fossilen Energieträgern: „Es hat nicht den Anschein, als wäre die politische Entscheidung dagegen bereits endgültig gefallen. Das beunruhigt mich sehr.“ Auf die Publikumsfrage, ob es nicht zu wenig sei, wenn nur der Westen in den Kljmaschutz investiere, entgegnete Kromp-Kolbe: „Wir müssen Verantwortung übernehmen und ein Vorbild für den Rest der Welt sein, sonst tut es keiner.“<h3> „Riesenchance für Südtirol“</h3>Die Landwirtschaft befindet sich, was den Klimawandel angeht, in einer Sonderrolle: „Einerseits sind die Auswirkungen unmittelbar spürbar. Andererseits, und das wissen wir, trägt sie ihren Teil dazu bei. Wir sind in Südtirol, etwa mit dem Programm sustainapple auf dem richtigen Weg, was die nachhaltige Produktion betrifft, können aber noch mehr tun“, sagte Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler. „Vor Jahrzehnten haben wir in Südtirol als eine der ersten in Europa auf integrierten Obstbau umgestellt. Jetzt müssen wir einen Schritt weitergehen. Qualität wird sich in Zukunft noch stärker darüber definieren, in welchem Umfeld ein Produkt hergestellt wird.“ Dabei sei es nicht ausreichend, nur von Nachhaltigkeit zu sprechen – Stichwort Beweisführung: „Wir müssen anhand von Daten und Analysen belegen können, dass wir Ressourcen einsparen, sorgsam mit den Böden umgehen, Biodiversität fördern usw.“, sagte Schuler. „Das kann zu einer Riesenchance für Südtirol werden, auch im Hinblick auf den Wettbewerb in der Obstbranche.“<BR /><BR />Landeshauptmann Arno Kompatscher betonte, dass die „Obstbautagung“ eine ideale Gelegenheit darstelle, um gemeinsam Mut zu fassen. „Es g ilt, die Ärmel hochzukrempeln und die begonnenen Anstrengungen im Bereich der Nachhaltigkeit zu intensivieren.“<BR /><BR />Die „70. Obstbautagung“ in Meran wurde vom Absolventenverein landwirtschaftlicher Schulen (ALS) gemeinsam mit der Abteilung Landwirtschaft, dem Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau, dem Land- und forstwirtschaftlichen Versuchszentrum Laimburg und dem Südtiroler Apfelkonsortium organisiert.<BR /><BR />