Im Oktober 2021 haben sich mehrere Südtiroler Filmschaffende als Fachgruppe im Handels- und Dienstleistungsverband (hds) zusammengeschlossen, vor Kurzem haben sie sich der Öffentlichkeit vorgestellt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="760961_image" /></div> <b>Im Oktober wurde die Fachgruppe Film gegründet. Warum diese Entscheidung?</b><BR />Markus Frings, Präsident der Fachgruppe Film: Die Idee, sich als Filmbranche zu organisieren, hat uns schon seit Jahren begleitet. In Südtirol setzt sich die Filmtätigkeit maßgeblich aus 2 Märkten zusammen: jenen, die Filmbeiträge für Fernsehsender wie RAI Südtirol machen und die Werbefilmbranche. Mittlerweile ist auch die Spielfilmbranche gewachsen, auch durch den Einsatz der IDM. Als dann in der Pandemie die Filmfinanzierungen ausfielen, ist etwas weggebrochen. Viele Projekte standen plötzlich still, man konnte nicht mehr filmen. Das war sicher der Auslöser, der uns zusammengeschweißt hat: Dass wir uns gegen größere Herausforderungen wappnen, aber auch um gemeinsam verstärkt auf die IDM zugehen zu können oder um den internationalen Schritt zu schaffen. Ein weiterer Grund, sich unter dem Dach einer bewährten Organisation wie dem hds zusammenzuschließen, war es, das Filmgeschäft, das vielfach aus freien Mitarbeitern besteht, zu festigen. Wir Produzenten sehen uns als Arbeitgeber, die freiberufliche Kameraleute, Visagisten, Tontechniker, Bühnenbauer, Darsteller und viele andere beschäftigen.<BR /><BR /><b>Welche Ziele werden mit der Fachgruppe verfolgt?</b><BR />Frings: In Italien gibt es bereits einen gesamtstaatlichen Filmverband. In Nordtirol entsteht derzeit eine Filmförderung wie wir sie in Südtirol haben. Es tut sich viel in der Filmbranche, und wir als Südtiroler Filmproduzenten wollten den Anschluss nicht verpassen. Heute werden zwar oft Filme in Südtirol gedreht, aber noch zu selten mit Südtiroler Schauspielern. Unser Zusammenschluss soll dazu beitragen, mehr Gewicht und Sichtbarkeit zu erlangen, nicht nur gegenüber der Politik, sondern auch, um Südtiroler Kräfte und Talente zu fördern. Wenn wir als Fachgruppe Film nach außen auftreten, ist es etwas anderes, als wenn ich das als einzelner Produzent mache.<BR /><BR /><b>Die Fachgruppe Film besteht derzeit aus 18 Mitgliedern. Wer sind diese Mitglieder? </b><BR />Frings: Wir haben eine bunte Mischung aus allen Bereichen, bei den meisten handelt es sich aber um Produktionsunternehmen, die im Auftrag von Sendeanstalten oder aus Eigeninteresse Filmproduktionen lancieren und diese dann ins Fernsehen oder ins Kino bringen. Andere arbeiten im Werbebereich und produzieren PR-Filme. Wir hoffen, noch weitere Mitglieder zu akquirieren, immerhin gibt es eine Vielzahl an Berufskategorien in der Filmbranche. So gehört zu unserer Gruppe auch eine Casting-Agentur, ein anderes Mitglied hat sich auf grafische Animationen spezialisiert. Das Schöne ist, dass hier ganz viele unterschiedliche Spezialisierungen innerhalb der Filmbranche zusammengeschlossen werden, die sich untereinander helfen und stärken können. Wenn man für eine Produktion beispielsweise eine Spezialistin für historische Bärte braucht, schreibt man jetzt eine Mail in die Gruppe und weiß: Jemand kennt jemanden.<BR /><BR /><embed id="dtext86-53925928_quote" /><BR /><BR /><b>Wie steht es um die Filmwirtschaft in Südtirol?</b><BR />Frings: Die Südtiroler Filmbranche war noch nie so ausgeprägt und vielfältig wie heute. Wir müssen aber noch besser werden. Der nächste Schritt wäre sicher, gänzlich eigene Projekte umzusetzen, also einen Südtiroler Film, am besten mit einem Südtiroler Thema, einer Südtiroler Crew und in Südtirol gedreht. Und mit unserem kollektiven Know-how sind wir nun im Stande, auch im Ausland eine Marktpräsenz zu entwickeln.<BR /><BR /><b>Was sind die Forderungen an die Politik? </b><BR />Frings: Einerseits war es uns wichtig, die Wirtschaftsförderung im Kreativbereich beizubehalten, und das ist auch dank Landesrat Philipp Achammer gelungen. Hier erwarten wir uns auch einiges aus Rom, zum Beispiel die Steuergutschrift „Tax-Credit“, mit der man steuerlich belohnt wird, wenn man Arbeitskräfte beschäftigt. Ich bin überzeugt, dass es mittlerweile auch in Südtirol angekommen ist, dass die Branche nur mit Förderungen funktioniert. In Europa haben wir kein Hollywood wie in den USA oder ein Bollywood wie in Indien. Der Markt ist zu klein. Wenn ein europäischer Film erfolgreich im Kino läuft, wurde er meist öffentlich finanziert. Deshalb gibt es auch den Europäischen Fonds der Filmwirtschaft Media.<BR /><BR /><b> Warum gibt es immer mehr Filmschaffende, auch in Südtirol? </b><BR />Frings: Das Bewegtbild ist aktuell die „boomenste“ Kommunikationsform, eindeutig. Da können Theater oder Buch, so leid es mir tut, nicht mithalten. Heute setzen die globalen großen Player auf Streaming-Plattformen wie Netflix, Apple TV oder Amazon Prime und andere. Die Pandemie hat sicher auch ihres dazu beigetragen, dass Video und Film einen ganz anderen Stellenwert bekommen haben. Heutzutage setzt man vor allem auf On Demand, wo ich schauen kann was ich will, wann ich will und wo ich will. Und das inspiriert immer mehr Menschen, ihres dazu beizutragen. Denn: In Europa haben wir kein Hollywood wie in den USA oder ein Bollywood wie in Indien. Der Markt ist zu klein. Wenn ein europäischer Film erfolgreich im Kino läuft, wurde er meist öffentlich finanziert. Und wenn auf Netflix ein Film von und aus Südtirol gezeigt würde, würden wir ihn doch alle anschauen, nicht wahr?