Samstag, 27. Februar 2016

Der Bauer und der Klimawandel: Untergang oder Chance?

Die Auswirkungen des Klimawandels sind schon jetzt zu spüren: Die Zahl der heißen Jahre nimmt zu, genauso wie Stürme, Starkregen oder Trockenperioden. Das hat unweigerlich auch Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Darum ging es bei der Landesversammlung des Südtiroler Bauernbund. Der Appell: Sich vorbereiten, um später nicht im Regen zu stehen.

Was bringt der Klimawandel in der Landwirtschaft für Auswirkungen mit sich?
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Was bringt der Klimawandel in der Landwirtschaft für Auswirkungen mit sich? - Foto: © shutterstock

Seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts ist die Durchschnittstemperatur im Alpenraum um 2 Grad Celsius gestiegen. Und sie wird weiter steigen. Der Klimawandel wird besonders die Landwirtschaft treffen. 

„Augen und Ohren zu ist die falsche Taktik“

Im Weinbau ist ein immer früherer Vegetationsbeginn festzustellen, während der Obstbau in immer höhere Lagen wandert. In der Berglandwirtschaft nehmen die Trockenschäden zu. Der Rat daher: „Wer dem Klimawandel gut vorbereitet begegnet, muss sich nicht davor fürchten“, schwörte der Schweizer Wissenschaftler Jürg Fuhrer die Bauern ein.

„Augen und Ohren zu ist die falsche Taktik“, unterstrich Fuhrer. „Wichtig für die Landwirtschaft ist vor allem, dass sie sich überlegt, was das für Folgen für den Anbau von neuen Produkten hat.
Dabei müssen sie aber stets die Verfügbarkeit von Wasser und die Beschaffenheit des Bodens beachten“, betonte Fuhrer. Das heiße und trockene Jahr 2015 sei aus dieser Sicht ein guter Richtwert: „Überlegen Sie sich, wie ihr Betrieb aussieht, wenn so ein Jahr zur Norm wird. Das ist die beste Vorbereitung auf den Klimawandel.“

Unterstützung zur Bewässerung

Als eine der wichtigsten Herausforderungen für die nächsten Jahre bezeichnete Landesobmann Leo Tiefenthaler deshalb auch den Ausbau der Bewässerung im Berggebiet. Ohne Unterstützung werde dies aber nicht möglich sein. „Die Anträge auf Förderungen für Bewässerungsanlagen müssen wieder zugelassen werden. Gleichzeitig ist die Unterstützung auszubauen.“

Politische Rahmenbedingungen

Abgesehen davon, brauche die Landwirtschaft in Südtirol insgesamt passende Rahmenbedingungen, um den Herausforderungen gerecht zu werden. Immer ein Thema ist die Landesraumordnung. „Wir haben bereits unsere Anliegen für das neue Raumordnungsgesetz und das Landschaftsschutzgesetz deponiert und hoffen, dass sie angenommen werden. Wir erwarten uns besonders einen besseren Schutz von Grund und Boden und eine stärkere Unterstützung für die Sanierung alter Häuser. Das würde helfen, wertvollen Kulturgrund zu schonen“, stellte Tiefenthaler klar.

Eigeninitiative ist gefragt

Gefordert ist nicht nur die Politik, sondern jeder Bauer selbst. „Wir müssen für Neues offen sein. Es gibt interessante Produkte und Nischen, wie die Fleischproduktion, die Produktion von Haselnüssen oder allgemein die Direktvermarkung. Die Chancen müssen wir verstärkt nutzen.“ Interessierten Bauern steht seit einigen Jahren der Innovationsschalter im SBB offen, der sie berät und in der Umsetzung einer neuen Idee begleitet. Zudem forciert der SBB mit verschiedenen Initiativen, wie z. B. „Regiokorn“ oder „NiKuPas“, den Anbau von Getreide oder Nischenkulturen. Weitere Initiativen sind bereits in Planung.

Große Hoffnung setzt Tiefenthaler in die „Soziale Landwirtschaft“. „Der Bedarf an Kinder- und Altenbetreuung nimmt zu, der Bauernhof könnte dafür die ideale Umgebung bieten. Ebenso sollen in Zukunft die Tiertherapie und die Beschäftigung von Menschen mit Beeinträchtigung möglich sein. Was es dazu noch bracht, ist das entsprechende Landesgesetz, nachdem Rom den Weg geebnet hat“, machte Tiefenthaler aufmerksam. 

Auszeichnungen für Familien 

Für die privatenStiftung „Dr. Viktoria Schulz Steinkeller“ ist es eine Herzensangelegenheit, bäuerlichen Familien im Sinne der Stifterin mit diesem privaten Förderbeitrag unter die Arme zu greifen und ihnen somit eine Anerkennung für ihr Engagement in der Erhaltung von bäuerlicher Bausubstanz und wertvoller Tradition zu gewähren. 

Die Preisträger: Familie Waltraud Pernthaler in St. Jakob in Villnöss

Zum 10-Jahr-Jubiläum ging der „Dr.-Steinkeller-Stiftungsbeitrag“ an die Familie Waltraud Pernthaler in St. Jakob in Villnöss. Die Familie hat ihren alten Bauernhof samt Kapelle, dessen Ursprünge auf das 15. Jahrhundert zurückgehen, mustergültig saniert und wurde dafür ausgezeichnet. 

Zudem wurden bei der Versammlung drei Familien mit dem Bergbauernpreis ausgezeichnet (STOL hat ausführlich darüber berichtet).

stol

stol