Mittwoch, 16. September 2015

„Der BBT hat die höchste Priorität in der EU“

Bis die ersten Züge durch den Brennerbasistunnel rollen, wird es noch ein wenig dauern. Für 2025 ist der Probelauf, für 2026 die Inbetriebnahme vorgesehen. Bis dahin ist aber nicht nur an den Röhren zu buddeln. Denn auch wenn sie fertig sind - muss vor allem eines funktionieren: die Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene. Und daran hapert es mehr, als etwa an der Finanzierung des Großprojektes.

EU-Koordinator Pat Cox (l.) beim Treffen mit Arno Kompatscher im Palais Widmann.
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EU-Koordinator Pat Cox (l.) beim Treffen mit Arno Kompatscher im Palais Widmann. - Foto: © STOL

Pat Cox ist der für alle großen Verbindungsachsen in Europa zuständige Koordinator. Und Pat Cox war am Mittwoch in Bozen. Bei einem Treffen mit den Landeshauptleuten Arno Kompatscher, Ugo Rossi und dem Tiroler Landtagspräsidenten Herwig van Staa unterstrich er die Bedeutung, die der BBT für die EU habe.

BBT hat höchste Priorität in EU

"Für die Europäische Union hat der BBT die höchste Priorität in Sachen Transport", so Cox. Das gelte bezogen auf alle Projekte.

Dabei mahnte Cox, die Arbeiten und den Zeitplan so zu gestalten, um eine Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene zu gewährleisten. Denn genau daran scheint es derzeit am meisten zu hapern.

Die RoLa bis Trient nutzen

120.000 Schwerfahrzeuge, die derzeit die Straße nutzen, müssen nämlich dazu gebracht werden, auf den BBT auszuweichen und auf die rollende Landstraße umzusteigen.

"Im Entwurf zum Vertrag für die Erteilung der Autobahnkonzession für die A22 sind ausdrücklich tarifpolitische Maßnahmen zur Verlagerung des Schwerverkehrs von der Straße auf die Schiene vorgesehen", sagte Landeshauptmann Arno Kompatscher zu dem Thema. 

Der Trentiner Landeshauptmann und Präsident der Region Ugo Rossi kündigte an, dass auch die Region künftig die Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene unterstützen werde. "Die Region wird den Verladebahnhof in Trient finanzieren", versprach er.

So könne die RoLa nicht nur bis zum Brenner, sondern bis nach Trient zum Einsatz kommen, erklärten die beiden Landeshauptleute ihr Ansinnen. Rund zehn Jahre bleiben ihnen dabei noch für die Umsetzung dieser Vorhaben. 

2026 soll der Betrieb laufen

"2025 möchten wir mit einem Probebetrieb starten. Wir rechnen mit dem Abschluss aller Arbeiten bis Ende 2026", sagte BBT-Vorstand Konrad Bergmeister. Zum aktuellen Zeitpunkt sind 42 Kilometer Tunnel durchbrochen.

"30 Prozent der Bauarbeiten am BBT sind bereits vertraglich gebunden, innerhalb eines Jahres sollen insgesamt 90 Prozent der gesamten Arbeiten ausgeschrieben sein", konnte Kompatscher dazu berichten. 

Was die Zulaufstrecken anbelange, gebe es ebenfalls wichtige Fortschritte: "Wir gehen davon aus, dass in den kommenden Wochen der CIPE-Genehmigungsprozess aufgenommen werden kann", erklärte er nach dem Treffen im Palais Widmann.

Über eine Milliarde Euro über Brennerautobahn querfinanziert

Cox erinnerte daran, dass das Projekt heuer 1,2 Milliarden Euro aus dem Connecting Europe Facility (CEF) Fonds erhalten hatte, die höchste Summe aller beim Fonds eingereichten Projekte und mahnte dazu die Gelder verantwortungsvoll einzusetzen.

Kompatscher stellte dazu fest, dass sämtliche Finanzmittel für den Bau des Hauptstollens bereits vorhanden seien.

"Im Entwurf des Konzessionsvertrags für die Brennerautobahn werden zusätzlich zu den bereits bereitgestellten 550 Millionen Euro weitere 34,34 Millionen Euro jährlich als Querfinanzierung genutzt werden können, also insgesamt für 30 Jahre über eine Milliarde Euro für die Strecke Brenner-Verona", erklärte Kompatscher.

Cox bleibt dahinter, eine neue Arbeitsgruppe auch

Man werde gemeinsam mit den Ländern nun an der weiteren Umsetzung arbeiten und er persönlich werde sich weiterhin bei den Staaten dafür einsetzen, dass die europäische Idee der Korridorpolitik umgesetzt und realisiert werde, so Cox.

Damit dies gelingen kann werde nun auch - so BBT-Vorstand Konrad Bergmeister - in einer Arbeitsgruppe gemeinsam mit ÖBB und RFI überlegt, wie der Betrieb und die Fahrplangestaltung für Personen- und Güterverkehr auf der Strecke erfolgen werde.

stol/lpa/ker

stol