s+ hat mit Armin Weissenegger, Leiter des Bereichs Finanzen und Treasury bei der Südtiroler Sparkasse gesprochen. Die wichtigsten Fragen und Antworten. <BR /><BR /><b>Wie hoch ist der Kurs des Euro und ist er tatsächlich historisch schwach?</b><BR />Aktuell kostet der Euro nur noch einen Dollar; Euro und Dollar haben also ihre Parität erreicht. Ein – aus Sicht des Euro – so schlechtes Verhältnis gab es zuletzt im Dezember 2002. Danach war ein Euro stets teurer als ein Dollar. 2008, mitten in der Finanz- und Wirtschaftskrise, erklomm der Euro sein Rekordhoch von 1,6038 US-Dollar. Zur Einführung des Euro als Buchgeld im Jahr 1999 notierte der Euro bei 1,18 Dollar. „Das wäre auch heute noch ein gesundes Verhältnis“, sagt Armin Weissenegger, Leiter des Bereichs Finanzen und Treasury bei der Südtiroler Sparkasse. <BR /><BR /><BR /><b>Ist der Euro nicht deshalb so schwach, weil der Dollar so stark ist?</b><BR />In erster Linie handelt es sich laut Weissenegger um eine Schwäche der Gemeinschaftswährung. „Das sieht man zum Beispiel auch daran, dass der Euro gegenüber 14 der 16 weltweit wichtigsten Währungen in den letzten 12 Monaten deutlich abgewertet hat, Schweizer Franken inklusive.“ <BR /><BR />Der Hauptgrund, warum der Euro gerade gegenüber dem Dollar Federn lässt, hat wiederum mit der Zinsentwicklung in beiden Wirtschaftsräumen zu tun. „Ganz allgemein gilt: Jene Währung, die die höheren Renditen auf kurzfristige Staatsanleihen bei gleicher Kreditwürdigkeit bietet, wertet tendenziell auf. Aktuell liegt die Zinsdifferenz zwischen Staatsanleihen in Euro und Staatsanleihen in US-Dollar bei 2,7 Prozent – zugunsten der USA. Zum Zeitpunkt des Eurohochs im Vergleich zum US-Dollar betrug die Zinsdifferenz rund 2 Prozent, aber zugunsten der Euro-Zone“, so der Finanzexperte der Sparkasse. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="790463_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Die Zinsdifferenz erklärt zu einem wesentlichen Teil die Kursunterschiede. Warum aber haben Großinvestoren aktuell mehr Vertrauen in den US-Dollar als in den Euro?</b><BR />Eine ganz entscheidende Rolle kommt dabei den Notenbanken zu: „Auf der einen Seite erleben wir die US-amerikanische Notenbank Fed, die als Reaktion auf die überbordende Inflation die Zügel in der Geldpolitik deutlich angezogen hat. 3 Zinserhöhungen gab es bereits, weitere sollen folgen. Bis Jahresende könnte der Leitzins auf bis zu 3,5 Prozent angehoben werden. Dieses entschlossene Handeln erhöht die Attraktivität des US-Dollars.“ <BR /><BR />Ganz anders gehe die EZB mit den aktuellen Problemen um: „Am 21. Juli wird es zwar aller Voraussicht nach die erste Zinsanhebung geben, aber man geht viel behutsamer vor. Bis Jahresende dürfte der Leitzins wohl nur auf 0,75 Prozent erhöht werden.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-55250797_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Tut die EZB also zu wenig, um den Euro zu stärken?</b><BR />„Oberflächlich betrachtet, könnte man zu diesem Schluss kommen, auch wenn die EZB immer wieder betont, dass die Steuerung der Wechselkurse nicht in ihr Mandat fällt. Auf den zweiten Blick aber wird klar, dass zwar beide Wirtschaftsräume ein Problem mit hohen Inflationsraten haben, aber die Ursachen nicht gänzlich dieselben sind.“ <BR /><BR />Die Inflation in den USA sei vor allem auf die starke Nachfrage zurückzuführen, welche auf ein knappes Angebot trifft: „Die Wirtschaft läuft trotz Rezessionsängsten robust, die Arbeitslosigkeit sinkt, die Löhne steigen, der Konsum hält sich gut. Die Fed kann in diesem Kontext aggressiv vorgehen und mit Zinsanhebung nachfragedämpfend eingreifen.“ <BR /><BR />Anders seien die Voraussetzungen in Europa: „Die Inflation ist hauptsächlich von externen Faktoren getrieben. Die Hälfte der Inflation, im Schnitt an die 4 der aktuell 8 Prozent, ist auf Steigerungen im Bereich der Energie zurückzuführen. Die Abhängigkeit in Bezug auf Energieimporte aus Russland ist enorm, ein drastischer Gas-Lieferstopp hängt zudem wie ein Damoklesschwert über Europa. Vor diesem Hintergrund ist die vorsichtigere Haltung der EZB nachvollziehbar, man will die Wirtschaft nicht mit einer zu straffen Geldpolitik und hohen Zinsen zusätzlich belasten“, so Weissenegger. <BR /><BR /><BR /><b>Was bedeutet der schwache Euro für die Unternehmen?</b><BR />Ein schwacher Euro ist für die Wirtschaft ein zweischneidiges Schwert. Exporte von den Euroländern in die USA und anderen Märkten, deren Währungen aufgewertet haben, werden durch den schwachen Euro günstiger, was wiederum die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen aus dem Euroraum international stärkt. Dasselbe gilt für den Tourismus im Euroraum. Zugleich werden Güter, die aus den USA nach Europa importiert und in Dollar abgerechnet werden, für die europäischen Importeure teurer. „Wobei es fraglich ist, ob dieser Währungsvorteil im Export für europäische Betriebe tatsächlich so zum Tragen kommt in einem Umfeld einer sich global abschwächenden Konjunktur“, so Weissenegger. <BR /><BR />Eine weitere Folge des schwachen Euro ist, dass sich wichtige Rohstoffe, die in Dollar abgerechnet werden, erheblich verteuern bzw. bereits verteuert haben, allen voran Öl. „Auch wenn der Währungseffekt beim Ölpreis aktuell von anderen Faktoren überlagert wird, etwa dem schwankenden Angebot aus Russland sowie der Angst vor einer Rezession“, erläutert Weissenegger. „Mittel- bis langfristig wirkt sich ein schwacher Euro aber natürlich negativ auf die Inflation in der Eurozone aus – was die EZB dazu weiterleiten könnte, die Zinsen stärker als notwendig anzuheben, was dann Firmen und Private weiter belasten könnte.“<BR /><BR /><BR /><b>Inwiefern bekommen Anleger die Währungsentwicklung zu spüren?</b><BR />Gute Karten hat, wer etwa US-Aktien in seinem Depot führt und diese in Euro erworben hat. Weissenegger macht ein konkretes Beispiel: „Der S&P 500, der die Aktien der 500 größten, börsennotierten Unternehmen in den USA umfasst, verlor seit Jahresbeginn an die 20 Prozent. Gleichzeitig wertete der Dollar gegenüber dem Euro um gut 11 Prozent auf. Durch das Börsenminus auf der einen und die Währungsgewinne auf der anderen Seite lagen die Einbußen für den Anleger in Euro bei 9 anstatt 20 Prozent.“ Auch Goldanleger profitierten von der Währungsentwicklung, wenngleich in etwas geringerem Ausmaß.<BR /><BR /><BR /><BR /><b>Kommen wir zum abschließenden Blick in die Glaskugel: Wie tief könnte der Euro noch fallen?</b><BR />Einige Experten glauben, dass der Euro bald deutlich unter einen Dollar fallen könnte. „Ich schließe mich dieser Einschätzung insofern an, als dass es zum Beispiel bei einem radikalen Gas-Stopp aus Russland schnell in Richtung 0,90 Dollar gehen könnte. Sollte sich die Lage im Energiebereich aber entspannen, könnten in den nächsten 12 Monaten auch wieder 1,10 Dollar wahrscheinlich werden.“ <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-55250796_listbox" /><BR /><BR /><BR /><BR />