189 Flüge, acht beteiligte Berghütten und über 8,5 Tonnen transportierte Fracht – darunter sowohl Vorräte für die Hütten als auch ins Tal zurücktransportiertes Material. 2025 ist das Pilotprojekt in die erste Saison gestartet. Auch in diesem Sommer ist die Hüttenversorgung mit Lastendrohnen in den Südtiroler Bergen erfolgreich zu Ende gegangen. Das international tätige Südtiroler Technologieunternehmen FlyingBasket, das sich auf die Entwicklung und Produktion von Lastendrohnen für die Logistik spezialisiert hat, hat die ursprünglichen Testflüge in einen regulären, für den gesamten Sommer geplanten Dienst überführt. <BR /><BR />Dieser wurde in Zusammenarbeit mit den teilnehmenden Hüttenwirten entwickelt und von der Abteilung für Vermögensverwaltung der Autonomen Provinz Bozen finanziert. Der Dienst ermöglichte es den Hütten, häufigere Lieferungen mit einer größeren Auswahl an frischen Produkten zu erhalten und ihre Einkäufe flexibler zu planen. FlyingBasket kümmerte sich dabei direkt um die Abholung der Lebensmittel bei den lokalen Lieferanten sowie auf den Rückflügen um den regelmäßigen Abtransport von Abfällen ins Tal, was auch die tägliche Organisation auf den Hütten spürbar vereinfachte. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1365429_image" /></div> <BR /><BR />„Die Erprobung in diesem Sommer zeigt, wie Innovation zu einem konkreten Instrument im Dienste unserer Schutzhütten und der Menschen werden kann, die sie tagtäglich bewirtschaften“, erklärt Christian Bianchi, Landesrat für Hochbau der Autonomen Provinz Bozen, in einer Aussendung. „Cargo-Drohnen ermöglichen häufigere Lieferungen, auch von frischen Lebensmitteln, und gleichzeitig den Abtransport von Materialien und Abfällen ins Tal. Dadurch wird die Logistik im Hochgebirge effizienter. Dieses Projekt verbindet Technologie, Nachhaltigkeit und die konkreten Bedürfnisse unserer Schutzhütten und stärkt zugleich ein innovatives Unternehmen, das in Südtirol gegründet wurde und hier gewachsen ist.“ <h3> Die Hüttenwirte sind begeistert</h3>Die erste systematische Versorgungssaison für Berghütten mittels Drohnen neigt sich dem Ende zu. Sie begann am 1. Juni und endet am 13. Oktober. Es wurden acht Berghütten versorgt: die Payerhütte, Schwarzensteinhütte, Birnlückenhütte, Lenkjöchlhütte, Schneeberghütte, Flaggerschartenhütte, Grohmannhütte und das Becherhaus.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1365432_image" /></div> <BR /><BR />„Anfangs waren wir ein wenig skeptisch, aber schon nach dem ersten Einsatz waren wir sehr positiv überrascht“, sagt Alain Untergassmair, Hüttenwirt der Birnlückenhütte/Rifugio Brigata Tridentina. „Die Abläufe waren gut organisiert und zwischen den einzelnen Flügen blieb genügend Zeit, um die gelieferten Waren zu verstauen. Wenn künftig noch höhere Nutzlasten möglich sind, können wir uns gut vorstellen, den Service noch stärker zu nutzen. Besonders hilfreich war für uns auch die logistische Unterstützung von FlyingBasket: Die Lieferungen wurden direkt abgeholt und zum Startpunkt gebracht. Das war eine konkrete Erleichterung im täglichen Hüttenbetrieb. Nach dieser Erfahrung können wir diesen Service auf jeden Fall weiterempfehlen.“<BR /><BR />Im Rahmen von 32 Einsätzen wurden insgesamt 189 Flüge durchgeführt. Die Lastendrohnen lieferten 7.078 Kilogramm Versorgungsgüter zu den Hütten, während weitere 1.491 Kilogramm Abfall, Material, Ausrüstung und Gepäck – unter effizienter Nutzung der Rückstrecken – ins Tal transportiert wurden.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1365435_image" /></div> <h3> Routen von 10 Kilometern, über 1.500 Höhenmeter</h3>Jede Bergstrecke stellte eine andere logistische Herausforderung dar. Die Strecke zum Becherhaus auf 3.156 Metern erstreckt sich über etwa 10,7 Kilometer und weist einen Höhenunterschied von rund 1.500 Metern auf. Die Flüge zur Payerhütte auf 3.038 Metern Höhe müssen etwa 1.200 Höhenmeter überwinden, während die Anflüge zur Schwarzensteinhütte (3.018 m) eine Höhendifferenz von 1.166 Metern umfassen. Im Laufe der Saison war die Drohne FB3 unter einer Vielzahl alpiner Wetterbedingungen im Einsatz, darunter wechselnde Winde, Turbulenzen, niedrige Temperaturen, Bewölkung und die geringere Luftdichte in großen Höhen. <BR /><BR />Diese Bedingungen machten jeden Einsatz zu mehr als einer einfachen Lieferung von A nach B, wie die Verantwortlichen mitteilen. Das Fluggerät, die Kommunikationssysteme und die Besatzungen mussten als integriertes Logistiksystem in einer der anspruchsvollsten Umgebungen Europas zusammenarbeiten. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1365438_image" /></div> <BR /><BR />Eine zusätzliche Herausforderung in den Bergen, die wenig mit der Traglast zu tun hat, ist die Konnektivität. Auf verschiedenen Routen musste die FB3 um Berge herum und über Bergkämme hinweg fliegen. Auf einigen Abschnitten dieser Einsätze machte die Geländebeschaffenheit eine herkömmliche direkte Funkverbindung zwischen dem Fluggerät und der Besatzung am Boden unmöglich. Bei Bedarf sorgten eine Starlink-Satellitenverbindung oder 4G-Mobilfunknetze für alternative Kommunikationsverbindungen. Bei der Entwicklung von Einsätzen wie der Versorgung von Berghütten spielt die ENAC (Ente Nazionale per l’Aviazione Civile) eine wichtige Rolle bei der Schaffung eines regulatorischen Rahmens. In diesem können innovative Luftfahrtunternehmen neue Betriebsmodelle entwickeln und demonstrieren, während gleichzeitig die erforderlichen Sicherheitsstandards gewahrt bleiben. Diese Zusammenarbeit ist besonders wichtig für Unternehmen, die in Italien und Südtirol fortschrittliche Luftfahrttechnologien entwickeln. Denn der Schritt von der technischen Machbarkeit zu genehmigten realen Einsätzen ist entscheidend, um neue Dienste in den täglichen Gebrauch zu bringen. <h3>Von Brot über Knödel bis hin zu Baumaterialien</h3>Vor allem die Fracht veranschaulicht den mittlerweile alltäglichen Charakter dieses Dienstes. In die Berge gelangten frisches Brot, Gemüse, Mehl, Milch, Apfelsaft, Wasser, Bier, Limonade, Eier, Nudeln und Fleisch sowie etwa 200 Kilogramm tiefgefrorene Knödel. Mit denselben Drohnen wurden aber auch technische Geräte, Baumaterialien, Bergsteigerausrüstung, Rucksäcke sowie persönliche Gegenstände des Hüttenpersonals und der Wanderer transportiert. Diese Vielfalt unterstreicht einen der wichtigsten operativen Vorteile der Lastendrohne: Ein und dasselbe System lässt sich für vollkommen unterschiedliche Anforderungen nutzen, wobei die Einsätze an die konkrete Logistik jeder einzelnen Hütte angepasst werden. <BR /><BR />Das Projekt sieht nämlich eine koordinierte Planung über die gesamte Saison hinweg vor. FlyingBasket stellt Drohnen, Besatzungen und Fahrzeuge zur Verfügung und plant die Einsätze direkt mit den Hüttenwirten – abgestimmt auf Versorgungsbedarf, Zeitpläne und Sicherheitsbedingungen. Das an den Einsätzen beteiligte Hüttenpersonal erhält zudem eine Grundschulung, um bei der Vorbereitung und Verladung der Fracht mitwirken zu können. <h3> Vom Test im Jahr 2025 zur täglichen Logistik</h3>Der Sprung im Vergleich zum ersten Testlauf ist beachtlich. Im Sommer 2025 umfasste das Projekt vier Hütten, 21 Flüge und rund eine Tonne transportiertes Material. Ein Jahr später hat sich die Anzahl der Hütten mehr als verdoppelt und die transportierte Menge beträgt mehr als das Achtfache der ersten Versuchsphase. Das Ziel des Projekts besteht darin, die Integration der Lastendrohne in die reale und wiederkehrende Logistik der Alpenhütten zu überprüfen. Für Hütten, die weder über Straßen noch Seilbahnen erreichbar sind, stellt die Versorgung eine der größten operativen Herausforderungen dar. Frische Lebensmittel, Getränke und Wartungsmaterialien müssen hinauf transportiert werden, während Abfall und Ausrüstung den umgekehrten Weg zurücklegen. Die Lastendrohne ist ein zusätzliches Instrument, das je nach Eigenschaften und Bedürfnissen der einzelnen Hütten in die bestehenden Transportsysteme integriert werden soll. <BR /><BR />„Dieses Projekt ist für uns ein wichtiger Schritt, um die technischen und regulatorischen Grenzen des Einsatzes von Lastendrohnen zu erweitern. Indem wir diese Fähigkeiten in realen und komplexen Einsatzsituationen unter Beweis stellen, ebnen wir den Weg für unsere Kunden, dieselbe Technologie in ähnlichen Szenarien zu nutzen. Unser Ziel ist es, die komplexesten Aspekte im Vorfeld zu bewältigen, sodass unsere Kunden eine bereits erprobte Lösung einsetzen und sich voll auf ihren eigenen Betrieb konzentrieren können“, erklärt Moritz Moroder, CEO und Mitbegründer von FlyingBasket. „Wir haben alles transportiert, von frischem Brot und Gemüse bis hin zu Knödeln und Baumaterialien, auf Routen mit Höhenunterschieden von bis zu 1.500 Metern. Dabei nutzten wir die Rückflüge, um Abfall und Ausrüstung ins Tal zurückzubringen. Bei mehreren Hütten gelang es uns, die Lieferung direkt neben dem Kücheneingang abzuschließen. Die erfolgreiche Durchführung aller geplanten Einsätze während der gesamten Saison zeigt, wozu diese Technologie bereits heute in der Lage ist. Die in diesem Sommer gesammelten Erfahrungen fließen direkt in die Weiterentwicklung der FB3 für Einsätze in großer Höhe und in die nächste Generation der FlyingBasket-Lastendrohnen ein.“ <BR /><BR />FlyingBasket wurde 2015 in Südtirol gegründet und ist heute international im Bereich der Luftlogistik mit Lastendrohnen tätig. Gerade die Alpenregion bietet dem Unternehmen ein idealen Rahmen, um konkrete Anwendungen seiner Technologie zu entwickeln und zu testen. Das Projekt zur Hüttenversorgung markiert in diesem Sinne einen weiteren Schritt: vom Nachweis, dass eine Lastendrohne eine Berghütte erreichen und schwere Lasten transportieren kann, hin zur Überprüfung, wie sie über eine gesamte Saison hinweg in die reguläre Logistikplanung integriert werden kann.