Freitag, 25. März 2022

Moser: „Der Handel hat sich bei weitem noch nicht erholt“

Der Einzelhandel war einer jener Sektoren, die während der Corona-Pandemie stark betroffen waren. Wie geht es dem Sektor nun, 2 Jahre nach Beginn der Pandemie? Das sagt der Präsident des Handels- und Dienstleistungsverbandes (hds), Philipp Moser.

„In diesen 2 Jahren ist sehr viel Umsatz vom Detailhandel Richtung Online-Handel abgewandert, also in Richtung der großen Online-Händler wie Amazon. Und dieser Umsatz ist nicht mehr zurückzuholen.“ - Foto: © ACERO

Von:
Arnold Sorg
STOL: Herr Moser, vor über 2 Jahren hat das Coronavirus die Welt auf den Kopf gestellt. Durch die Lockdowns, die in der Folge verordnet werden mussten, hat auch der Handel in Südtirol arg gelitten. Wie steht der Sektor heute da?
Philipp Moser: Einerseits muss man sagen, dass die 2 Jahre der Corona-Pandemie dem Handel zu einem kräftigen Digitalisierungsschub verholfen haben. Die Händler waren ja fast gezwungen, sich digital zu präsentieren, wenn sie verkaufen wollten.


STOL: Und andererseits?
Moser: In diesen 2 Jahren ist sehr viel Umsatz vom Detailhandel Richtung Online-Handel abgewandert, also in Richtung der großen Online-Händler wie Amazon. Und dieser Umsatz ist nicht mehr zurückzuholen. Es gibt viele Personen, die früher nur gelegentlich online gekauft haben und dies nun regelmäßig tun. Und es gibt Leute, die vor Corona überhaupt nie online gekauft haben, dies aber während Corona für sich entdeckt haben.


Bei uns müssen viele Betriebe schauen, wie sie weiterkommen, der ganze Handel ist bei weitem noch nicht dort, wo er vor der Corona-Pandemie war.
Philipp Moser, hds-Präsident



STOL: Dieser Trend wird wahrscheinlich nicht mehr aufzuhalten sein?
Moser: Nein, wir müssen uns aber verstärkt auf das Lokale fokussieren. Das haben wir auch schon während der Pandemie getan mit Aktionen wie „Kauf lokal“. Wir haben gesehen, dass die Bürger großes Vertrauen haben in die lokalen Händler. Lokale Produkte und Nachhaltigkeit ziehen und das ist unsere Stärke, auf die wir setzen müssen. Das Lokale können die großen Online-Händler nämlich nicht ersetzen. Aber eines ist schon auch zu sagen…


STOL: Nämlich?
Moser: Erholt haben wir uns als Handel bei weitem noch nicht. Es ist nicht so wie bei einem Hotel, das schließen musste und kaum sind die Grenzen wieder offen, boomt der Tourismus wieder. Bei uns müssen viele Betriebe schauen, wie sie weiterkommen, der ganze Handel ist bei weitem noch nicht dort, wo er vor der Corona-Pandemie war. Für einige Betriebe war diese Zeit aber sicherlich auch ein Weckruf.


STOL: Inwiefern?
Moser: Ein Weckruf, etwas zu tun. Sie haben gesehen, dass man etwas tun muss, um konkurrenzfähig zu bleiben, dass man innovativ sein muss.


STOL: Sie haben während der Pandemie des Öfteren die Befürchtung geäußert, dass viele Einzelhandels-Betriebe diese Krise nicht überleben werden. Wie hoch ist die Zahl der Konkurse?
Moser: Klassische Konkurse gab es kaum, sehr wohl aber geordnete Betriebsschließungen. Einerseits, weil die Nachfolgegeneration den Betrieb der Eltern nicht mehr übernehmen wollte und andererseits gibt es einige Betriebsinhaber, die keine Lust mehr hatten, den Betrieb weiterzuführen. Was uns im Handel aber auch arg zu schaffen macht, sind die hohen Energiekosten und der Arbeitskräftemangel. Aber das geht allen Sektoren gleich.

sor

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