Dienstag, 29. März 2016

Der Ikea-Gründer wird 90 - und trägt Kleider vom Flohmarkt

60 Jahre ist es her, dass Ikea den Möbelverkauf revolutionierte. Der Tisch „Lövet“ wurde 1956 als erstes Produkt des Unternehmens zum Eigenbau angeboten – die Beine waren nicht mit der Tischplatte verbunden. Ikea-Gründer Ingvar Kamprad kann sich zum 90. Geburtstag am Mittwoch über bestens laufende Geschäfte freuen. Von großen Feierlichkeiten aber wird im Konzern abgesehen – ganz im Sinne des sparsamen Firmenpatriarchen.

Ingvar Kamprad, Gründer von Ikea.
Ingvar Kamprad, Gründer von Ikea.

Kamprad hatte sich schon als Kind im südschwedischen Smaland als Geschäftsmann versucht und unter anderem selbst geangelte Fische an die Nachbarn verkauft. Die Firma Ikea gründete er als 17-Jähriger – per Fahrrad lieferte er etwa Kugelschreiber und Bilderrahmen zu Niedrigpreisen aus.

Der zerlegte Tisch macht den Anfang

Möbel kamen, noch im Ganzen, 1947 ins Ikea-Angebot. 1951 erschien erstmals ein Katalog, ausgeliefert per Milchmann. Kamprad verlegte sich komplett aufs Geschäft mit Möbeln – dann kam die Idee mit dem zerlegten Tisch.
Ein Mitarbeiter hatte vorgeschlagen, die Tischbeine für den Transport abzumontieren, damit das Möbelpaket in ein Auto passt.

Billiger in Polen als in Dänemark

Dass sich so Transport- und Lagerkosten senken ließen, wird Kamprad gefallen haben. Denn strenge Kostenkontrolle war stets zentraler Bestandteil seiner Geschäftsstrategie. So verlagerte er die Möbelproduktion erst nach Dänemark und dann nach Polen, nachdem ihn einheimische Hersteller wegen seiner Preisvorstellungen boykottierten.
Auch privat hielt Kamprad sein Geld zusammen. In den 70er Jahren zog er in die Schweiz, um Steuern zu sparen. Medienberichten zufolge fuhr er dort gern mit seinem alten Volvo zum Supermarkteinkauf und sammelte Treuepunkte.

Er gehört zu den reichsten Menschen und trägt Kleidung vom Flohmarkt

2008 sprach Kamprad mit der Zeitung „Sydsvenskan“ über eine schockierende Erfahrung beim Haareschneiden in den Niederlanden: 22 Euro wurden fällig, was Kamprads selbst gestecktes Friseur-Budget überstieg. Auch im hohen Alter bleibt er dem Sparsamkeitsprinzip treu. Er trage vermutlich nichts, „das nicht auf Flohmärkten gekauft wurde“, sagte er in einer kürzlich ausgestrahlten Fernsehdokumentation.
Dabei könnte sich Kamprad so ziemlich alles leisten. Sein Vermögen wird auf zig Milliarden Euro geschätzt; laut Magazin „Forbes“ gehört er zu den reichsten Menschen überhaupt.

Von "Jugendsünden" und Erbangelegenheiten

Unklar ist allerdings, was genau dem Patriarchen gehört, wie viel seinen drei leiblichen Söhnen und seiner Adoptivtochter und was der Familienstiftung. Die finanziellen Verhältnisse sind privat wie geschäftlich kompliziert, der Ikea-Konzern ist ein kaum durchschaubares, multinationales Geflecht – mindestens zum Teil aus steuerlichen Gründen.
Nicht nur dieses Vorgehen, auch seine einstige Nähe zum Nationalsozialismus brachte Kamprad immer wieder Kritik ein. Er war während des Zweiten Weltkriegs und noch danach in entsprechenden Gruppierungen aktiv. Kamprad versuchte, dies als „jugendliche Dummheit“ abzutun.

Gründer Kamprad ist heute offiziell „Senior Advisor“ des Konzerns. 2012 ließ er eine Übergabe der Gesamtverantwortung an seine ebenfalls im Unternehmen aktiven Söhne dementieren. Während er sich zumindest teilweise aus den Aufgaben bei Ikea zurückzog, kehrte Kamprad 2014 heim nach Schweden. Er wolle näher bei Familie und Freunden sein, sagte er der Zeitung „Sydsvenskan“.

Aus der Idee werden 328 Filialen in 28 Ländern

Ungeachtet aller Negativschlagzeilen expandierte Ikea enorm. Fünf Jahre nach Eröffnung des ersten Möbelhauses im südschwedischen Älmhult 1958 wurde in Oslo die erste Filiale außerhalb Schwedens gegründet. 1974 öffnete das erste deutsche Ikea-Haus in München.
Inzwischen gibt es 328 Filialen in 28 Ländern. Im Geschäftsjahr bis Ende August 2015 stieg der Nettogewinn des Konzerns um fünf Prozent auf 3,52 Mrd. Euro. Allein für Deutschland meldete Ikea einen Rekordumsatz von 4,4 Mrd. Euro.

Den 90. Geburtstag des Gründers feiert Ikea unspektakulär mit Kaffee und Kuchen für alle Mitarbeiter. Kamprad selbst habe darum gebeten, „von großen Feierlichkeiten abzusehen“, sagte ein Sprecher von Ikea Deutschland.

dpa

stol