<b>Herr Fielmann, Sie waren nach ihrem Wirtschaftsstudium in London jede Woche in einer anderen Filiale in einer anderen Stadt beim Bedienen der Kunden anzutreffen. Am Donnerstag waren Sie in der neueröffneten Filiale in Bozen. Dass der zukünftige Chef eines großen Konzerns selbst die Kunden bedient ist doch recht ungewöhnlich...</b><BR />Marc Fielmann: Den Kunden verdanken wir unseren Erfolg. Den Kunden begegnen wir in unseren Niederlassungen. Insofern ist es nur konsequent, wenn ich selbst auch in den Niederlassungen tätig bin. <BR /><BR /><b>Wie viele Brillen haben Sie Vormittag in Bozen verkauft. </b><BR />Fielmann: Wir haben in den ersten drei Stunden rund 400 Brillen verkauft. Mit so viel Zuspruch haben wir nicht gerechnet. <BR /><BR /><b>Man kann also davon ausgehen, dass noch weitere Fielmann-Filialen in Südtirol folgen werden? </b><BR />Fielmann: Knapp fünf Prozent aller Südtiroler Brillenträger haben bereits vor der Eröffnung in Bozen ihre Brille bei Fielmann gekauft. Die Nachfrage ist also gegeben. Wir werden uns in Südtirol weiter umschauen. <BR /><BR /><b>Die nächsten Fielmann-Filialen wird es wahrscheinlich in Meran und Brixen geben? </b><BR />Fielmann: Das kann gut sein, aber wir werden das vorher genau analysieren. <BR /><BR /><b>Wie viele Mitarbeiter beschäftigt Fielmann nun in Bozen? </b><BR />Fielmann: Momentan 14 Personen, darunter 13 Augenoptiker. <BR /><BR /><b>Sie sind gerade einmal 25 Jahre alt und sollen in den kommenden ein bis zwei Jahren das Unternehmen Ihres Vaters übernehmen – Fielmann ist immerhin weltweit die Nummer 3 der Brillenhersteller. Ist Ihnen bei diesem Gedanken nicht etwas flau im Magen? </b><BR />Fielmann: Ich durfte eine sehr ausführliche Ausbildung genießen, habe bei führenden Unternehmen in Italien und den USA Erfahrungen gesammelt. Seit vier Jahren arbeite ich mit unseren kompetenten und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Niederlassungen und Verwaltung zusammen. Es ist eine große Herausforderung, aber ich weiß ja auch weiterhin meinen Vater an meiner Seite. Ich bin äußerst zuversichtlich für die Zukunft. <BR /><BR /><b>Die Familie Fielmann hält 71 Prozent der Anteile am Unternehmen, das praktisch schuldenfrei ist. Der Konzern erwirtschaftete im Vorjahr einen Umsatz von 1,43 Milliarden Euro und einen Gewinn von 161 Millionen Euro und wird an der Börse derzeit mit fünf Milliarden Euro bewertet. Was ist das Erfolgsrezept? </b><BR />Fielmann: Unser Leitspruch lautet: „Der Kunde bist du“. Das ist unsere Philosophie, das ist unsere Idee, und damit ist Fielmann zum Marktführer geworden. Fielmann hat immer wieder verbraucherfreundliche Leistungen in die Branche eingeführt, die es vordem nicht gegeben hat. So zum Beispiel die „Brille zum Nulltarif“, die „Geld-zurück-Garantie“, die „3-Jahres-Garantie“ oder die „Zufriedenheitsgarantie“. Das hat den Erfolg gebracht. . <BR /><BR /><b>Und auch Kritik.</b><BR />Fielmann: Natürlich gab es auch Kritik vonseiten der Konkurrenz. Aber 23 Millionen Fielmann-Kunden stehen auf unserer Seite. <BR /><BR /><b>1984 startete Fielmann eine Fernsehwerbekampagne mit dem Slogan „Mein Papi hat keinen Pfennig dazu bezahlt!“. Heutzutage kennt jeder den Slogan „Brille? Fielmann!“. Wie viel Anteil hat Werbung am Erfolg eines Unternehmens? </b><BR />Fielmann: Die beste Werbung sind zufriedene Kunden. <BR /><BR /><b>„Ich denke nicht in Quartalszahlen wie ein angestellter Manager. Ich denke in Generationen“, hat Ihr Vater einmal in einem Interview gesagt. Wie kann sich ein Manager erlauben, nicht in Quartalszahlen zu denken? </b><BR />Fielmann: Als Familienunternehmen denken wir langfristig, in Generationen. Aber natürlich fließen auch die Quartalszahlen in unsere Überlegungen ein. <BR /><BR /><b>Stichwort Online-Handel: Konkurrenten wie Mister Spex oder Brille24 können derzeit mit Wachstumsraten von 30 Prozent und mehr im Onlinebrillenhandel aufwarten. Fielmann ist da noch sehr zögerlich. Warum? </b><BR />Fielmann: Um eine Brille zu fertigen, muss man drei Dinge tun: die Sehstärke bestimmen, die Brillengläser müssen richtig zentriert werden und die Brillenfassung muss an die Kopfform angepasst werden. All das können wir über das Internet heute noch nicht in gewohnter Qualität leisten. Aber wir beobachten die Entwicklung intensiv und werden sie sicher nicht verschlafen. <BR /><BR /><b>Fielmann wurde vor über 40 Jahren im Jahr 1972 gegründet und hat mittlerweile 17.000 Mitarbeiter – jede zweite gekaufte Brille in Deutschland stammt von Fielmann. Wo will das Unternehmen noch hin? </b><BR />Fielmann: Wenn wir uns treu bleiben, dann gehört uns auch die Zukunft, dann werden wir auch morgen Erfolg haben. Das bedeutet, wir werden auch zukünftig Niederlassungen eröffnen und in weitere Geschäftsfelder investieren. <BR /><BR /><b>Zum Beispiel? </b><BR />Fielmann: Unsere Kunden können mittlerweile Kontaktlinsen online nachbestellen. In mehr als 100 Niederlassungen bieten wir heute unseren Kunden auch Hörgeräte an. Zudem wollen wir künftig die digitalen Möglichkeiten noch besser nutzen. <BR /><BR /><b>Als Fielmann gegründet wurde, gab es nur die standardisierten Brillen. Fielmann brachte dann die Qualitätsbrillen zum Nulltarif auf den Markt. Wie groß war die Anfeindung der Konkurrenz? </b><BR />Fielmann: Früher trugen die Leute sozusagen den Ausweis ihres niedrigen Einkommens auf der Nase. Mit 90 Brillenmodellen zum Nulltarif hat Fielmann von einem auf den anderen Tag die Stigmatisierung per Kassengestell abgeschafft. Das ist die historische Leistung meines Vaters. <BR /><BR /><b>Auch heute verkaut Fielmann Qualitätsbrillen zu einem äußerst billigen Preis. Wie ist das für ein Unternehmen finanzierbar, um noch rentabel zu arbeiten? </b><BR />Fielmann: Wir produzieren und kaufen in großen Mengen ein. Einkaufsvorteile geben wir an Kunden weiter. <BR /><BR /><b>Eine Eigenheit von Fielmann ist, dass das Unternehmen für jeden eingestellten Mitarbeiter einen Baum pflanzt. Mittlerweile sind es mehr als eine Millionen Bäume. Warum? </b><BR />Fielmann: Investitionen in Umweltschutz und Naturschutz sind Investitionen in die Zukunft. <BR /><BR /><b>Es werden also für die 14 Fielmann-Mitarbeiter in Bozen auch 14 Bäume gepflanzt? </b><BR />Fielmann: Ich bin zuversichtlich, auch in Südtirol werden Fielmann-Bäume stehen. <BR /><BR /><b>Bozen ist die erste Filiale, die sie selbst eröffnet haben. Wann werden Sie die Leitung des Unternehmens übernehmen? </b><BR />Fielmann: Ich war viel in den Niederlassungen unterwegs, habe in allen Bereichen der Zentrale gearbeitet. Als Familie werden wir zu gegebener Zeit die anstehenden Entscheidungen gemeinsam treffen. <BR /><BR /><b>Es ist ungewöhnlich, dass ein Konzern dieser Größenordnung großteils in Familienhand ist. Ist dies manchmal auch Nachteil? </b><BR />Fielmann: Mein Vater wurde einmal gefragt, ob er sein Unternehmen verkaufen würde. Da meinte er darauf: „Fielmann ist mein Leben und mein Leben verkaufe ich nicht.“ Diese Meinung teile ich uneingeschränkt.<BR /><BR /><b>Sie sind 25 Jahre alt und erleben wahrscheinlich nicht eine Jugend wie andere Personen in Ihrem Alter. Hadern Sie manchmal mit dem Schicksal, in die Fußstapfen Ihres Vaters treten zu müssen? </b><BR />Fielmann: : Ich bin dankbar für die Chancen und Möglichkeiten, die meine Eltern mir eröffnet haben. Und diese Chancen werde ich auch zu nutzen wissen.