<b>STOL: Frau Haller, die einen sperren ihre Läden zu, weil ihnen unter anderem der Online-Handel zusetzt, und Ihre Familie hat den Mut, ein neues Geschäft zu eröffnen. Wie das?</b><BR />Franziska Haller: Wir sind ein Familienbetrieb in dritter Generation und wir sind drei Schwestern. Ein Schritt zurück wäre auch keine Lösung. Wir sind ein Dreier-Gespann mit zehn Leuten, da braucht es einen gewissen Umsatz, Kunden und Bewegung im Geschäft. Daher das Hinausgehen aus dem Tal. Wobei ich sagen muss, dass das schon unser Opa, Alois Haller, praktiziert hat, der das Familienunternehmen 1948 gegründet hat.<BR /><BR /><b>STOL: Inwiefern ist Ihr Großvater aus dem Tal hinaus?</b><BR />Haller: Er ging auf Märkte. Die Lizenz für den Meraner Freitagsmarkt ist von 1952 und stammt vom Opa. Damals ist er mit dem Postauto und den Rucksack voller Schafwollsocken nach Meran. Irgendwann hat er sich dann eine Ape gekauft. Märkte, wie auch der Stegener Markt, für den wir auch eine Lizenz haben, sind ein Schaufenster, wo man potenzielle Kunden kennenlernt.<BR /><BR /><b>STOL: Wie kam Ihr Großvater aufs Schaf?</b><BR />Haller: Opa hat gesehen, dass es im Tal keinen Wollverarbeiter gibt, keinen, der sie wäscht, kämmt und spinnt, dabei gibt es in Passeier unendlich viele Schafe. Zudem ist es sehr aufwendig, zu einem Knäuel Wolle zu kommen.<BR /><BR /><b>STOL: Und Wolle nur aus Südtirol? </b><BR />Haller: Sie stammt vom Tiroler Bergschaf, unserem Bergschaf, das zweimal im Jahr geschoren wird. Wobei die Herbstwolle die beste ist. Wir haben da unsere fixen Bauern im Passeier, im Wipptal, am Tschögglberg, am Marlinger Berg. Ab und zu bekommen wir Wolle aus dem Ötztal. Wir verarbeiten vier bis fünf Tonnen. Und man muss auch wissen, dass 60 Tonnen pro Jahr weggeworfen werden.<BR /><BR /><b>STOL: Sie haben nun das kleine Geschäft eröffnet. Keine Angst vor Online-Konkurrenz? </b><BR />Haller: Gewisse Produkte vertreiben wir auch online, aber wir haben schon ein Alleinstellungsmerkmal. Es ist schwierig, solche Produkte online zu finden. Zudem ist uns der Umgang mit den Kunden sehr wichtig, das wird auch extrem geschätzt. Und unsere Sarner sind eine Maßanfertigung. Das lässt sich nicht gut online machen. Da muss man zu einem Schneider gehen. Das ist unsere Strategie. Unsere Firma hat schon ,a bissl‘ einen Namen. Der Kunde weiß, was er kriegt, etwas hochwertiges und langlebiges. Dieses Bedürfnis ist da.<BR /><BR /><b>STOL: Ist die chemische Kunstfaser keine Konkurrenz?</b><BR />Haller: Die Leute suchen und mögen Handwerk, auch der deutsche Gast, der bei uns vorbeischaut. Mit der Chemietextilie hatte mein Vater noch schwer zu kämpfen. Es gab Zeiten, da hatten Produkte aus Schafwolle einen schweren Stand.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1359195_image" /></div>