Wir haben die Antworten auf die wichtigsten Fragen.<h3> 1. Warum hat die EZB die Leitzinsen erneut angehoben?</h3>Wie erwartet hat die Europäische Zentralbank (EZB) am vergangenen Donnerstag den Leitzinssatz um 0,5 Prozentpunkte auf 3 Prozent angehoben. Das bedeutet, dass es für die Banken teurer wird, sich die ganz kurzfristig benötigte Liquidität bei der Zentralbank zu beschaffen. EZB-Chefin Christine Lagarde hat bereits angekündigt, dass es im März eine weitere Leitzinserhöhung um wahrscheinlich 0,5 Prozentpunkte geben wird. Zudem dürfte es heuer noch zu weiteren Erhöhungen der Leitzinsen kommen. <BR /><BR />Das Ziel dieser Maßnahmen ist es, die extrem hohe Inflation im Euro-Raum zu senken. Die Kredite werden durch die Leitzinserhöhungen teurer und das bremst die Investitionen der Unternehmen und die Konsumausgaben der Privaten. <BR /><h3> 2. Wo ist die Inflation am höchsten?</h3> Unter den 20 Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion war die Jahresinflationsrate im vergangenen Dezember in den 3 baltischen Staaten am höchsten. In Estland betrug die Teuerungsrate 17,5 Prozent und noch höher war die Inflation in Litauen (20 Prozent) und in Lettland (20,7 Prozent). Mit 12,3 Prozent Jahresinflationsrate lag auch Italien im oberen Feld der Euroländer. In der gesamten Eurozone erreichte die Jahresinflation 9,2 Prozent und am schwächsten war die Inflation in Frankreich (6,7 Prozent), in Luxemburg (6,2 Prozent) und in Spanien (5,5 Prozent).<h3>3. Wie hoch sollte die Inflation bestenfalls sein?</h3>Das wichtigste geldpolitische Ziel der Europäischen Zentralbank ist die Geldwertstabilität. Mittelfristig soll also eine jährliche Teuerungsrate um die 2 Prozent erreicht werden. Davon sind wir noch immer weit entfernt. Um eine niedrige Inflation zu erreichen, darf die EZB aber keine zu energischen Maßnahmen ergreifen, denn das könnte das Wirtschaftswachstum abwürgen und so zu steigender Arbeitslosigkeit führen. <h3> 4. Wann wird die Inflation voraussichtlich zurückgehen?</h3>Diese hohe Inflation, die im vergangenen Jahr besonders durch die dramatische Verteuerung von Gas, Öl und Strom ausgelöst wurde, dürfte heuer zurückgehen, wenn die geldpolitischen Maßnahmen der EZB zu wirken beginnen. Auch die inzwischen eingetretene Senkung der Energie- und Rohstoffpreise dürfte sich fortsetzen und so dämpfend auf die Inflation wirken. Einen wichtigen Beitrag zur Senkung der Inflation können auch die einzelnen Staaten leisten, indem sie ihre Unterstützungszahlungen vor allem auf die von den Preiserhöhungen besonders betroffen Familien mit schwachen Einkommen konzentrieren.<BR /><BR />Nach vorsichtigen Prognosen dürfte eine um die 2 Prozent liegende Inflation und somit die angestrebte Preisstabilität wohl erst im Jahr 2025 erreicht werden.<BR /><BR /> Doch solche längerfristigen Prognosen sind in der Regel wenig zuverlässig, weil – wie die Vergangenheit gezeigt hat – immer unerwartete Ereignisse eintreten können, man denke an die Corona-Pandemie oder den russischen Aggressionskrieg in der Ukraine, die weltweite Finanzkrise (Beginn 2008) oder auch die Euro-Krise (2012).<h3> 5. Welche Folgen hat die Leitzinserhöhung für Kreditnehmer?</h3>Viele Unternehmen aber auch viele Wohnungskäufer haben variabel verzinste Kredite mit unterschiedlichen Laufzeiten aufgenommen. Als Referenzzinssatz für diese Kredite dient der Euribor (Euro InterBank Offered Bank), der täglich auf den Interbankenmarkt für verschiedene Laufzeiten erhoben wird. Auf diesem Markt verleihen und leihen Großbanken untereinander täglich bedeutende Beträge mit Laufzeiten von einer Woche bis zu 12 Monaten. Der Bezugspunkt für die variabel verzinsten Kredite ist der Euribor für 3 Monate. Nach der Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank erreichte der 3-Monat-Euribor gestern 2,565 Prozent und das führt auch zu einer entsprechenden Verteuerung der Rückzahlungsraten. Die variablen Kreditzinsen richten sich nämlich nach dem jeweiligen Euribor-Kurs und dem Aufschlag (Spread) für die Bank, der mit Abschluss des Kreditvertrages vereinbart wird. <BR /><BR />Weitere Erhöhungen des Leitzinssatzes werden auch eine weitere Erhöhung des Euribor bewirken und so die Kreditnehmer bei den Rückzahlungsraten noch stärker belasten. Es bleibt der schwache Trost, dass der Leitzins der EZB im kommenden Jahr wieder sinken könnte, was eine entsprechende Entlastung der Kreditnehmer bewirken würde.<BR /><BR />Die Alternative zu den variabel verzinsten Krediten sind die Festzinskredite. Als Referenzzinssatz für die Festzinskredite dient der Eurirs (Euro Interest Rate Swap), der an den Finanzmärkten für sogenannte Zinstauschgeschäfte (Zinsswaps) erhoben wird. Bei diesen Tauschgeschäften wird ein variabler Zinssatz gegen einen festen Zinssatz getauscht und diese Geschäfte können für die Dauer von 10 bis 40 Jahren abgeschlossen werden. So betrug zum Beispiel Eurirs für eine Laufzeit von 20 Jahren am Montag ungefähr 2,7 Prozent. Zuzüglich der von der Bank erhobenen Spanne von beispielsweise 1,5 Prozent würde die Zinsbelastung für den Kreditnehmer für die gesamte Laufzeit 4,2 Prozent betragen. Das wäre bestimmt ein gutes Geschäft, wenn der Euribor-Kurs als Grundlage für die variabel verzinsten Kredite lange sehr hoch bleiben sollte.<BR /><h3> 6. Können Sparer mit höheren Zinsen rechnen?</h3>Die Sparer haben Jahre von mickrigen Zinsen hinter sich. Mit dem Anstieg der Leitzinsen kommt es aber nicht unbedingt zu einer Erhöhung der Sparzinsen. Wer für sein Erspartes höhere Zinsen erzielen möchte, könnte sich deshalb für eine Festgeldanlage entscheiden. In solchen Fällen bleibt die Einlage des Sparers für eine bestimmte Zeitspanne wie zum Beispiel 6 Monate „gesperrt“. Das heißt, das eingelegte Geld kann in der mit der Bank vereinbarten Zeitspanne nicht behoben werden. Banken haben zurzeit für Neukunden günstige Angebote, besonders, wenn sie sich für eine Festgeldeinlage entschieden.<h3> 7. Welche Alternativen haben Sparer sonst?</h3>Sparer bevorzugen sehr oft die stets verfügbaren Spareinlagen, weil sie sie als sehr sicher erachten. Bis zu einem Gesamtbetrag sind nämlich die Einlagen bis zu einem Höchstbetrag von 100.000 Euro durch die Einlagensicherung der Banken voll gedeckt. Wer mit den Zinsen seiner Spareinlagen aber nicht zufrieden ist, dem steht eine Vielzahl von Anlagemöglichkeiten zur Verfügung. Sie reichen von den Staatspapieren über die Anleihen von großen Unternehmen bis zu den vielfältigen Investmentfonds, die auch eine breite Streuung des Risikos ermöglichen. Es gibt auch Fonds für Investitionen in besonders umweltfreundlich arbeitende Unternehmen, wie zum Beispiel die Erzeugung von Strom aus Wind, Fotovoltaik und aus anderen erneuerbaren Quellen. Doch die Auswahl dieser „grünen“ Investitionsmöglichkeiten ist nicht immer überzeugend. Vor allem aber müssen sich die Sparer ein klares Bild von ihren Investitionszielen machen, um so bittere Erfahrungen zu vermeiden. <h3> 8. Ist der Euro trotz allem eine Erfolgsgeschichte?</h3>Trotz der Schwierigkeiten, die seit der Einführung des Euro als Buchgeld (1999) und als Bargeld 2002 zu bewältigen waren, hat die Gemeinschaftswährung ihre Aufgaben weitgehend erfüllen können. So hat der Euro die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Mitgliedstaaten wesentlich erleichtert und das Zusammenwachsen der Staaten des Euro-Raums sicher gefördert. Dazu hat auch der Aufbau- und Resilienzplan beigetragen, der im Zusammenhang mit der Pandemie von der EU geschaffen und finanziert wurde. <BR /><BR />Eine wichtige Probe besteht nun mit der Verabschiedung neuer Stabilitätsregeln für die Staatshaushalte bevor, nachdem die bisherigen Defizitregeln während der Pandemiezeit außer Kraft gesetzt worden sind.<h3> 9. Wie wichtig ist ein stabiles Bankensystem?</h3>Wie der Dollar und der Schweizer Franken ist auch der Euro nicht an Edelmetall oder an eine andere, stabile Währung gebunden. Es ist deshalb von grundlegender Bedeutung, dass die Menschen von der Zahlungsfähigkeit ihrer Währung überzeugt sind. In Europa haben die Mitgliedstaaten der Währungsunion deshalb den Euro als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt. Waren und Dienstleistungen der Unternehmen aber auch die Steuern und andere öffentliche Abgaben können also stets mit Euro bezahlt werden. Um das Vertrauen in den Euro zu sichern, muss eine weitgehende Preisstabilität gewährleistet werden. Dazu braucht es auch ein sicheres und starkes Banksystem. Das hat man besonders eindrücklich während der weltweiten Finanzkrise gesehen, wo Großbanken mit Unsummen an Steuergeldern gerettet werden mussten. Diese Banken wurden als systemrelevant erachtet, die man nicht einfach in die Pleite schicken konnte wie das mit etlichen kleineren Banken der Fall war.<h3> 10. Wer kontrolliert die Banken?</h3>Um solche Krisenfälle zu vermeiden, wurde die Europäische Zentralbank (EZB) mit der Aufsicht über die Großbanken im Euro-Raum betraut. Bedeutende Kreditinstitute wie zum Beispiel in Italien die Großbanken Sanpaolo von Turin oder Unicredit werden also direkt von der EZB in Frankfurt kontrolliert. Die EZB muss die Großbanken einem jährlichen Stresstest unterziehen. Dabei wird unter anderem festgestellt, ob die betreffenden Banken über genügend Eigenkapital verfügen, um selbst schwere Krise bewältigen zu können. Dazu kommt natürlich noch die Kontrolle durch die jeweilige Nationalbank wie die Banca d’Italia. Bei den kleineren Banken wird die Aufsicht von der jeweiligen Nationalbank ausgeübt. <BR /><BR />Wie die sonstigen Aktiengesellschaften unterliegen die Banken auch der Überprüfung durch Buchprüfungsgesellschaften. Schließlich hat Börsenaufsichtsbehörde Consob unter anderem den Zweck, die Anleger zu schützen und über die Anwendung der betreffenden Anlegerschutzbestimmungen zu wachen.