Mittwoch, 08. Juni 2016

Der Lehrling mit der leeren Tasche

Der Lehrlingspakt von 2015 wollte die Lehrstellen vermehren. Dagegen fordere die Unternehmerseite immer wieder eine spürbare Senkung der Lehrlingslöhne, beklagt das Arbeitsförderungsinstitut AFI. Direktor Stefan Perini kritisiert diesen Standpunkt scharf: „In Helden zu investieren, hat noch keinen Betrieb in den Ruin getrieben.“

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Foto: © shutterstock

Die duale Ausbildung bringe gut ausgebildete Fachkräfte hervor, betont das AFI. Nicht umsonst schnitten Südtiroler Lehrlinge bei den Berufsweltmeisterschaften immer wieder hervorragend ab und würden „wie Helden“ gefeiert. Dass die duale Ausbildung aufgehe, liege daran, dass sie für beide Seiten gut funktioniere: „Unternehmen finden über sie leistungsfähige und bedarfsgerecht ausgebildete Arbeitskräfte, Lehrlinge profitieren von früher Praxiserfahrung und guten Lehrbedingungen“, so das AFI.

Neben der Wissensvermittlung und den besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt, gehöre zur dualen Ausbildung auch eine faire Entlohnung: „Eigenes Geld zu verdienen, trägt massiv zur Attraktivität der Lehre bei, gerade als Alternative zum Studium.“

Eine angemessene Entlohnung sei auch notwendig, damit Unternehmen Bewerbungen von qualifizierten Anwärtern bekommen, betont das AFI. Studien zeigten, dass sich Lehrlinge für einen Betrieb finanziell bereits nach rund 6 Monaten lohnen, gar nicht zu sprechen von anderen Vorteilen.

In der öffentlichen Diskussion zur Förderung der Lehre sei in letzter Zeit aber vor allem von Unternehmerseite immer wieder die Forderung laut geworden, die Lehrlingslöhne zu senken, betont das AFI. Damit, so das Argument, würde die Lehrlingsausbildung für Unternehmen attraktiver und die Ausbildungsplätze mehr.

Genau das Gegenteil ist laut dem AFI aber der Fall: „In Wirklichkeit würde man mit einem solchen Schritt allen Beteiligten einen Bärendienst erweisen“, betont AFI-Direktor Perini: „Betriebe würden zwar ein paar Euro pro Monat einsparen, bekämen dafür aber wesentlich weniger geeignete Kandidaten und Mitarbeiter.“

Heutige und zukünftige Lehrlinge würde das gewaltig abschrecken, meint der AFI-Direkto: Weniger Lohn bedeute weniger Wertschätzung und eine faktische Abwertung ihrer Arbeit im Betrieb. Zudem seien die Löhne in den meisten Lehrberufen ohnehin deutlich zu niedrig, um ein unabhängiges Leben zu ermöglichen, so das AFI (siehe Tabelle).

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stol