Dies betonte gestern der Präsident des Landesverbandes der Handwerker (LVH), Walter Pichler, bei der Nacht des Handwerks.„Schon heute gibt es täglich in so gut wie jeder Branche mehr Druck, mehr Konkurrenz und immer mehr Transparenz auf der Kundenseite“, betonte Pichler. „Kein Platz für Nostalgiker“ Noch nie habe man in so kurzer Zeit Preise vergleichen, Angebote einholen und grenzüberschreitend Arbeiten vergeben können, wie heute. Dieser Trend werde sich noch verstärken und traditionell gewachsene persönliche Bindungen mehr und mehr ersetzen, glaubt Pichler. Die Abschottung gegenüber Waren, Dienstleistungen und Menschen, die mit aller Kraft nach Südtirol drängen, funktioniere nur abfedernd und verlangsame höchstens die globale Grundentwicklung. „Bildungs- und entwicklungsresistente Nostalgiker finden ihren gerechten Platz bei historischen Museumsprojekten, aber haben in der dynamischen Wettbewerbssituation von heute keine Berechtigung mehr“, so der LVH-Präsident. Klein- und Mittelbetriebe hätten sich in der jüngsten Weltwirtschaftskrise als erstaunlicher Stabilitätsfaktor erwiesen – dies gelte insbesondere für den Beschäftigungsmarkt. „Doch dies ist eine trügerische Wohlfühlillusion“, sagte Pichler. Die konkrete Existenzbedrohung zeige sich nämlich vor allem in Gestalt von übertriebenen Auflagen und Verwaltungsaufgaben, sowie in der so genannten Kreditklemme.„Qualität und Leistungsfähigkeit zählen“ „Auch so manche heimische Bank fährt derzeit eine Null-Toleranz- und Null-Risiko-Politik. Große Probleme gibt es deshalb einerseits bei langfristigen Investitionen, andererseits bei der Überbrückung kurzfristiger Liquiditätsprobleme.“ Besonders in Mode gekommen sei hierbei die unbegründete Kürzung von Kontokorrentkrediten. Dies wirke sich umso mehr auf die Lebenskraft der Kleinbetriebe aus, da gerade sie unter der stetig verfallenden Zahlungsmoral in unserem Lande leiden würden.„Umso mehr“, so Pichler, „ist das Handwerk gut beraten, auf Qualität und Leistungsfähigkeit in den oberen Marktsegmenten zu setzen, denn das untere Segment wird entweder durch den Preiskampf mit eingewanderten Billigstanbietern oder durch die qualitativ verbesserte Automatisierung der Industrie verdrängt werden“. Es benötige ganzheitliche Innovationsprozesse, die technische, organisatorische und persönliche Entwicklung miteinander vernetzen. Ruf nach der öffentlichen Förderung Auch die Umsetzung von Technologien in Produkte und Dienstleistungen sowie deren Anpassung und Weiterentwicklung in der Anwendung würden technischen Fortschritt und damit Wachstum und neue Arbeitsplätze schaffen. „Da die kleinstrukturierten Unternehmen des Handwerks die Ressourcen für die Realisierung solch aufwendiger Prozesse nicht alleine aufbringen können, sind hier wesentlich, überbetriebliche Strukturen und die öffentliche Förderung gefragt.“„Daher“, so Pichler, „steht das Handwerk der Errichtung eines Technologieparks in Südtirol positiv gegenüber, sofern bei der Errichtung und Umsetzung unsere Erfordernisse gebührend berücksichtigt werden.“Es sei die gemeinsame Aufgabe von Politik und Verband in dieser Zeit des Umbruchs für die notwendigen Hilfen zur Selbsthilfe zu sorgen, damit das Handwerk seiner historischen Verantwortung gerecht werden könne: „Denn wer nicht mit der Zeit geht, der muss mit der Zeit gehen.“Auf den verbandsinternen Zwist ging Walter Pichler gestern in seiner Rede nicht ein.sor/D