Montag, 29. Juni 2015

Der Notgroschen im Kochtopf: Griechen vergraben ihr Geld im Garten

"Über das Wochenende ist eine Schockwelle nach der anderem über das Land gerollt", beschrieb Gerd Dückelmann-Dublany, Wirtschaftsdelegierter in Athen, die Lage. Viele versuchen, an ihr Geld zu kommen und vergraben es im garten. 30 bis 40 Mrd. Euro sind Schätzungen zufolge auf diese Weise unter der Erde verwahrt worden.

im Kochtopf wird das Geld gehortet und vergraben.
im Kochtopf wird das Geld gehortet und vergraben.

Die Stimmungslage reicht von Verunsicherung bis zu purer Angst. Ohne frisches Geld droht Griechenland binnen weniger Tager der Bankrott – aus Sorge vor einem Massenansturm bleiben die Banken in Griechenland bis zum 6. Juli geschlossen (STOL hat berichtet).

Geld horten unter der Erde

„Jeder hat geglaubt, es kommt nie so weit – es wird zu einer Einigung mit den Geldgeberländern kommen“, sagte der Handelsdelegierte. „Mittlerweile sind die Nirosta-Kochtöpfe ausgegangen, da viele ihr Geld darin im Garten vergraben“, berichtete der Wirtschaftsdelegierte.

Viele Firmen haben laut Dückelmann-Dublany Auslandskosten angelegt und die Konten in Griechenland gering dotiert. Seit den Wahlen im Dezember räumen Privatleute und Unternehmen aus Sorge um den Verbleib Griechenlands in der Eurozone ihre Konten. Die aktuelle Einschränkung des Kapitalverkehrs soll einen Ansturm auf die Banken und einen Zusammenbruch des Finanzsystems verhindern.

Jeder holt, was er kann

„Jeder versucht jetzt an sein Geld zu kommen, so das noch nicht geschehen ist“, erklärte der Wirtschaftsdelegierte.

„Das sind alles Dinge, die eigentlich unzumutbar sind für ein Volk, das ohnehin schon einiges hinter sich hat in den vergangenen Jahren“, bedauert der Marktexperte.

Von den Milliarden an Hilfsgeldern, die von den internationalen Geberländern in das Land geflossen sind, gingen rund zwei Drittel an Banken. Etwa ein Drittel floss in die Rettung griechischer Banken, womit auch die ausländischen Geldgeber der Institute gestützt wurden, die „ein großes Exposure“ in dem Land haben.

Auch Hilfsgelder ins Ausland verschoben

Ein Drittel sei in den Konsum geflossen und ein weiteres Drittel sei „sofort ins Ausland verschoben“ worden, zitierte Dückelmann-Dublany eine entsprechende Berechnung des deutschen Ökonomen und Präsidenten des Münchner ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn.

Entlassungswelle im Anrollen

Jetzt drohen den finanziell ohnedies bereits leidgeprüften Griechen auch noch ein weiterer Jobverluste. In zahlreichen Unternehmen finden zur Stunde Krisensitzungen zu diversen Szenarien statt.

Schrumpft der Markt, heißt das Mitarbeiterabbau. „Es ist sicher mit eine Entlassungswelle zu rechnen, das verschärft die Angst in der Bevölkerung“, sagte der Handelsdelegierte.

Es werde bereits an den ersten Entlassungsplänen gefeilt, die sich längst in der Schublade befänden, berichtete der Handelsdelegierte unter Verweis auf ein Gespräch mit dem CEO einer großen internationalen Firma.

dpa

stol