Ins E-Mail-Postfach flattern mehr und mehr Aufträge, der Chef diktiert neue Fristen, die Kollegen bitten um Rat – der Stresspegel schießt in die Höhe. Irgendwann fällt schließlich der eine berühmte Satz, den jeder bereits einmal gehört hat: „Ich brauche dringend Urlaub.“ <BR /><BR />Eine Auszeit von der Arbeit zu nehmen und womöglich auch wegzufahren – oder wegzufliegen – ist für viele das ultimative Rezept, um sich zu erholen und zu regenerieren, sprich die Batterien wieder aufzutanken. Der Grund ist simpel: Urlaub bricht das Korsett unseres Alltags auf, der in der Regel fremdbestimmt ist durch Termine, Aufträge und Aufgaben – im Beruflichen als auch im Privaten. <BR /><BR />Wie erholsam Urlaub tatsächlich für das Wohlbefinden ist und wie der ideale Urlaub eigentlich aussieht, damit haben sich mehrere Wissenschaftler an der University of Georgia auseinandergesetzt und interessante Antworten geliefert.<h3> Wohlfühlkurve steigt rasch an</h3>Für ihre Untersuchung legten die Forscher die Daten mehrerer Studien zusammen. Sie verglichen das Wohlbefinden von Urlaubenden zu vier verschiedenen Zeitpunkten: vor, während und kurz nach der Reise sowie nach einer längeren Phase im Alltag.<BR /><BR />Das Ergebnis: Ein Urlaub katapultiert das persönliche Wohlbefinden nach oben. Dabei profitiert nicht nur die Psyche – Stress, Müdigkeit und Erschöpfung sinken –, sondern auch der Körper. Sogenannte psychosomatische Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Schlafstörungen, die oft durch permanenten Druck entstehen, gehen im Urlaub spürbar zurück. <BR /><BR />Die Wohlfühlkurve steigt besonders während der Urlaubstage rasch an, knickt dann mit der Rückkehr ein – das wird auch als „Return-Effekt“ bezeichnet. Die Wohlfühlkurve bleibt jedoch einige Zeit über dem Ausgangsniveau vor dem Urlaub und flacht langsam ab („Fade-out-Effekt“). Geht es nach den Daten der Studie, ist der Urlaubszauber allerdings spätestens nach rund sechs Wochen (43 Tagen) vollständig verflogen.<h3> Die richtige Länge gibt es nicht</h3>Wie lange ein Urlaub idealerweise dauern sollte, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Eine bekannte Studie der Universität Tampere befragte 54 Personen während ihrer Urlaubszeit. Die Forscher kamen zum Ergebnis, dass das Wohlbefinden während des Urlaubs rasch ansteigt und etwa am achten Tag seinen Höhepunkt erreicht, bevor es sich auf einem hohen Niveau stabilisiert.<BR /><BR />Die aktuelle Studie aus Georgia zeigt hingegen, dass je länger der Urlaub dauert, desto mehr steigt auch das Wohlbefinden. Doch dies hat auch einen Haken: Wer lange urlaubt, stürzt nach der Rückkehr auch schneller und tiefer in den Alltagsblues. Die Erklärung der Wissenschaftler: Je länger die Auszeit dauert, desto brutaler wirkt danach der Kontrast zum stressigen Job. <BR /><BR />Um diesen „Urlaubskater“ zu verhindern, raten die Experten zu einer cleveren Strategie: der Pufferzeit. Wer nach der Reise noch ein bis zwei Tage zu Hause entspannt, bevor der Wecker für die Arbeit klingelt, rettet den Erholungseffekt erfolgreich in den Alltag.<BR /><BR />Der Schlüssel zur Erholung liegt allerdings schon vor der Abreise, findet Arbeits- und Organisationspsychologe Tobias Hölbling: „Die Planung der anstehenden Aufgaben und ein klarer Überblick darüber, was nach dem Urlaub auf einen wartet, schaffen den nötigen kognitiven Freiraum, um die Arbeit während der Auszeit ad acta legen zu können.“<h3> Gedanklicher Abstand vom Job</h3>Am Ende, so das einhellige Fazit der Forscher, zählt ohnehin weniger die Quantität als die Qualität der Auszeit: Was wir im Urlaub tun, ist entscheidend. <BR /><BR />Der mit Abstand wichtigste Faktor heißt „Mental Detachment“ – der absolute gedankliche Abstand zum Job. Wer den Kopf wirklich freibekommen will, muss die Arbeit komplett ausblenden: Keine beruflichen E-Mails checken, keine Nachrichten von Kollegen lesen und gedanklich nicht permanent um offene To-dos kreisen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1329750_image" /></div> <BR /><BR />Doch gerade in dieser Hinsicht machen viele Urlauber genau das Gegenteil. Laut einer aktuellen Umfrage der österreichischen Jobplattform „Karriere.at“ gaben knapp drei Viertel (73 Prozent) an, auch im Urlaub für den Job erreichbar zu sein. Fast jeder Zweite prüft regelmäßig Nachrichten oder Arbeits-E-Mails. <BR /><BR />Gerade viele Selbstständige oder Führungskräfte sehen sich aber jedoch in der Verantwortung, erreichbar zu sein. Das weiß auch Arbeits- und Organisationspsychologe Tobias Hölbling. „Hier gilt es dann aber, klare Zeiten am Tag festzulegen und auch klare Grenzen, etwa dass man wirklich nur für bestimmte Fälle erreichbar ist“, so Hölbling. <BR /><BR />Dass diese Abgrenzung so entscheidend ist, deckt sich mit der modernen Erholungsforschung. Das sogenannte DRAMMA-Modell besagt, dass psychologisches Wohlbefinden auf sechs Säulen ruht: Neben der mentalen Distanz (Detachment) und Entspannung (Relaxation) sind das Selbstbestimmung (Autonomy), das Meistern neuer Herausforderungen (Mastery), Sinnhaftigkeit (Meaning) und soziale Verbundenheit (Affiliation).<BR /><BR /> Hölbling bricht es auf eine einfache Formel herunter: „Im Urlaub muss man sich die Zeit nehmen für das, was man gerne tut – klingt banal, ist aber so.“ Die eigenen Bedürfnisse gehören ins Zentrum der freien Tage, ebenso wie oft neue Erfahrungen zu machen. Egal ob beim All-inclusive-Trip, beim Bergwandern oder auf Balkonien: Der perfekte Urlaub ist letztlich der, in dem wir genau das tun, was uns glücklich macht.