<b>Herr Widmann, die Adventszeit ist traditionell für Restaurants und Gastbetriebe eine sehr intensive – Weihnachtsessen sei Dank. Wie war die Auslastung der Lokale heuer?</b><BR />Bobo Widmann: Bei uns war die Nachfrage gut, vielleicht sogar besser als in anderen Jahren.<BR /><BR /><b>Sie führen das „Batzen Häusl“, ein stark frequentiertes Gasthaus im Zentrum von Bozen…</b><BR />Widmann: Richtig. Was auf unser Lokal zutrifft, gilt sicher nicht für alle Betriebe im Land. In der Gastronomie gibt es nicht erst seit der Adventszeit beträchtliche Unterschiede, was die Gästefrequenz angeht. Das sieht man deutlich.<BR /><BR /><b>Laut einer Umfrage des WIFO der Handelskammer Bozen berichtet ein Fünftel der Restaurantbetreiber von einem nicht zufriedenstellenden Geschäftsergebnis im heurigen Jahr. Ein doch recht hoher Wert…</b><BR />Widmann: Er spiegelt wider, dass die Herausforderungen größer geworden sind für unsere Branche. <BR /><BR /><b>Woran liegt´s?</b><BR />Widmann: Im vergangenen Jahr und Anfang des heurigen Jahres sind die Preise für Energie und Lebensmittel drastisch angestiegen. In der Folge mussten auch wir Gastronomen mit den Preisen nach oben gehen, um die höheren Kosten tragen zu können. Nicht alle Gäste haben diese Bewegung nach oben mitgemacht, weil sie ihrerseits zusehends die Folgen der hohen Inflation in allen Lebensbereichen spürten. Der eine oder andere Restaurantbesuch wird seither gestrichen, und beim Besuch selbst wird eher das günstigere Gericht auf der Karte gewählt. Kurzum: Der Südtiroler Gast verhält sich anders. <BR /><BR /><b>Welche Lokale spüren den Rückgang weniger als andere?</b><BR />Widmann: Eher zentral gelegene Lokale, mit einem guten Gesamtkonzept und – das ist aktuell wichtiger denn je – einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Oder aber Lokale, die sich am oberen Ende des gastronomischen Angebots befinden, zum Beispiel Sternerestaurants, die vorwiegend mit einer Klientel arbeiten, die beim Essen nicht auf den Euro schaut bzw. schauen muss. Wer sich irgendwo dazwischen positioniert, tut sich schwerer. Es ist nicht zu erwarten, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern wird.<BR /><BR /><embed id="dtext86-62679167_quote" /><BR /><BR /><b>Mit welchen Folgen?</b><BR />Widmann: Ein Restaurantsterben ist sicher nicht zu befürchten. Aber die Situation ist schwieriger geworden, und sie wird immer schwieriger, je länger sie anhält. Die Rentabilität leidet. <BR /><BR /><b>Die Kosten für die Betriebe sind doch aber in den letzten Monaten gesunken – Energie vor allem ist deutlich günstiger als vor einem Jahr, Lebensmittel teilweise auch. Warum hat man die Preise auf den Speisekarten mit dem saisonalen Wechsel der Gerichte nicht etwas zurückgefahren?</b><BR />Widmann: Das ist ein Anpassungsprozess, der träge verläuft. Das dauert immer ein wenig. Ich sage nur, dass wir sehr aufpassen müssen, dass nicht eine Negativspirale in Gang gesetzt wird, das wäre nämlich tatsächlich gefährlich.<BR /><BR /><b>Sind es nur die Einheimischen, die sich den Restaurantbesuch gründlicher überlegen?</b><BR />Widmann: Ja, vorwiegend sind es die Einheimischen. Wenn man im Urlaub ist, achtet man nicht so genau aufs Geld und die Kreditkarte zückt sich leichter. Ich denke, das geht jedem von uns so.