Für Betreiber und Eigentümer von Nachtlokalen und Diskotheken wird es laut Wolfgang Mair, Eigentümer des Clubs Derby in Sterzing, immer schwieriger. Südtirolweit gab es in den 1980er-Jahren noch 144 Lizenzen für Nachtlokale, heute sind es 22. „Die Gewohnheiten der jungen Leute haben sich geändert“, berichtet Mair aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung in der Führung von Nachtlokalen.<BR /><BR /><b>Wie zeigt es sich, dass es für Nachtlokale immer schwieriger wird?</b><BR />Wolfgang Mair: Von Jahr zu Jahr schließen mehr Nachtlokale, weil abends immer weniger los ist. Lediglich die Lokale, die von Touristen aufgesucht werden, überleben heute noch. Aber so wie es früher war, dass Lokale ohne Touristen auch unter der Woche und am Wochenende offen hatten, gibt es nicht mehr. Das wird es auch in Zukunft nicht mehr geben.<BR /><BR /><b>Warum hat sich das geändert?</b><BR />Mair: Ich arbeite seit 30 Jahren in der Branche und habe seit 20 Jahren einen eigenen Betrieb. In diesen Jahren ging es kontinuierlich nach unten. Nach der Pandemie gab es zwar mal einen kurzen Hype, und wir haben gut gearbeitet. Jetzt ist es aber wieder, wie es vorher war, und die Tendenz nach unten hält an.<BR /><BR /><b>Woran liegt das?</b><BR />Mair: Die Jungen haben heute andere Gewohnheiten. Früher gingen viele jedes Wochenende aus und trafen sich in Lokalen, um jemanden kennen zu lernen, zu reden und Leute zu treffen. Heute besuchen die Jungen nur mehr bestimmte Events, aber nicht automatisch jedes Wochenende. Viele gehen auch zu legalen oder illegalen Veranstaltungen in Vereinshäusern oder auf Festplätzen. Mittlerweile werden auch einfache Bars am Abend in Discos umgewandelt, obwohl sie keine Voraussetzungen dafür haben. <BR /><BR /><b>Welche Gründe stehen hinter den veränderten Ausgeh-Gewohnheiten? Finanzielle?</b><BR />Mair: Sicher auch. Doch es liegt auch daran, dass die Jungen heute alle ein Handy haben. Früher mussten sie in ein Lokal, um etwas zu erleben. Mit den Handys können die Leute heute Zuhause sitzen und mit 20 Leuten gleichzeitig reden. Zudem ging man früher in Lokale, um die neueste Musik zu hören. Heute haben sie aktuellere Lieder auf dem Handy.<BR /><BR /><b>Was können Lokalbetreiber dagegen tun?</b><BR />Mair: Das ist die gute Frage. Die Leute kommen nur, sobald Betriebe ein Event organisieren. Das normale Ausgehen von früher ist nicht mehr. Mit den Events hat man als Betreiber vielleicht im Monat 2 gute Abende und muss damit alles finanzieren. Als Betrieb hat man hohe Kosten, wie etwa für das Personal oder die Security. <BR /><BR /><b>Geht es ohne Security heute nicht mehr?</b><BR />Mair: Nein. Ich muss aber sagen, Raufereien hat es immer schon gegeben und wird es auch immer geben. Aber meist sind sie vor und nicht in dem Lokal. Wir haften aber auch für die Vorfälle vor dem Lokal. Zudem müssen wir als öffentliches Lokal theoretisch jeden einlassen. Gott sei Dank, gibt es in Sterzing viel weniger Gewaltvorfälle als etwa in Bozen oder Meran. Wir haben auch eine gute Zusammenarbeit mit den Carabinieri.<BR /><BR /><b>Wie sieht die Zukunft aus?</b><BR />Mair: Es werden immer mehr Lokale schließen. Heute ist der Verdienst nicht mehr der, der er noch vor Jahren war. Dann tun sich viele die Probleme und Laufereien nicht mehr an. Ich muss zum Beispiel jedes Jahr ein oder 2 Mal als Zeuge vor Gericht, weil es eine Rauferei gegeben hat. Ich bin zum Beispiel demnächst als Zeuge vor Gericht in Bozen geladen wegen eines Vorfalls vor 6 Jahren. Das ist mühsam. Es wäre gut, wenn die Beteiligten einige Wochen nach einem Vorfall vor Gericht stehen und nicht nach Jahren. Früher waren Dir als Betreiber solche Probleme egal, weil Du ein gutes Geld verdient hast. Heute ist die Rentabilität eine andere. Da überlegt sich jeder, ob er sich den Ärger und die Scherereien noch antut.