Samstag, 09. Januar 2016

Deutsche Autobauer kämpfen bei US-Branchenmesse um Diesel-Image

Die deutschen Autohersteller wollen bei der US-Branchenmesse in Detroit (11. bis 24. Jänner) das ramponierte Image der Dieseltechnologie aufpolieren.

Foto: © APA/AP

„Natürlich spüren wir beim Diesel derzeit den scharfen Gegenwind in den USA. Es geht darum, verloren gegangenes Vertrauen bei den Kunden in Nordamerika wieder zurückzugewinnen“, sagte Matthias Wissmann, Präsident des Branchenverbandes VDA, der dpa.

Die Abgas-Affäre des VW-Konzerns hatte mit manipulierter Motoren-Software in den USA ihren Lauf genommen. Seither steht der Diesel dort mehr denn je infrage.

Wirtschaftlich ist das Umfeld blendend für die US-Leistungsschau, mit der die Autobauer in der „Motor-City“ Detroit stets ins Jahr starten.

Billiger Sprit, gute Konjunkturaussichten und niedrigen Zinsen beflügeln die Vereinigten Staaten, die hinter China der zweitgrößte Automarkt der Welt sind.

Experten zufolge haben gerade die deutschen Autobauer dennoch auch Probleme in den USA – und zwar nicht nur VW.

Diesel fristete auch zuvor Nischendasein
Doch der Diesel fristete in den USA auch schon vor dem Skandal um die VW-Manipulationen ein Nischendasein.

Die Kraftstoffart ist in den Staaten verschrien als Sprit für Bauern oder Lkw-Fahrer. Mit der Offensive „Clean Diesel“ wollte VW dieses Bild ändern.

Auch andere deutsche Hersteller setzten in den USA auf die Dieselkarte, und der VDA (Verband der Automobilindustrie) machte ebenfalls Werbung, etwa zu den Automessen in Detroit.

Dann musste VW vergangenen Herbst einräumen, in den USA bei rund 580.000 Diesel-Fahrzeugen eine illegale Software im Einsatz zu haben, die Abgastests erkennt und die Emissionen drückt.

Die Folgen sind gewaltig: Die USA haben den Konzern verklagt. Wie der Rückruf der Wagen ablaufen soll, ist ungewiss. Auch ein Rückkauf könnte drohen.

Zahlreiche Weltpremieren in Detroit

Vom Abgas-Skandal abgesehen ist Wissmann generell zuversichtlich.

Die Deutschen glänzten in Detroit immerhin mit zahlreichen Weltpremieren. „Besonders stark sind wir auf dem US-Markt im Premium-Segment.

Hier haben unsere Unternehmen einen Marktanteil von 40 Prozent“, sagte er.
Andere Branchenexperten betonen aber auch, dass zuletzt mehr drin gewesen wäre.

„Gemessen an den Marktanteilen hatten die deutschen Autobauer mit 8,8 Prozent ihre beste Marktposition im Jahre 2012“, sagte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen.

Seither verlören die deutschen Hersteller kontinuierlich Bedeutung auf dem boomenden US-Markt; nur noch acht Prozent Marktanteil hätten sie 2015 gehabt. Hauptgrund sei das schlechte Abschneiden der Marke VW-Pkw.

Dudenhöffer warnte davor, der Abgas-Skandal könne auf das US-Geschäft aller deutschen Hersteller abfärben.

„Mit 'Dieselgate' hat die Technik in den USA, die bisher schon wenig geliebt und populär war, einen großen, schwer zu reparierenden Schaden erhalten.“

Da die Oberklasse-Hersteller BMW, Mercedes, Audi und Porsche ihre Motorstrategie auch am Diesel ausgerichtet hätten, fielen Alternativen schwer. Denn teure Hybride, die normale Verbrenner mit Batterieantrieben kombinieren, drohten in Zeiten des Billigsprits Ladenhüter zu werden.

Dudenhöffers Car-Institut sieht 2016 rund 18 Millionen neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge in den USA. Das wäre nach 17,5 Millionen abermals ein Rekord, wenn auch diesmal mit leicht gebremstem Tempo.

Zumindest in der zukunftsträchtigen Nische Elektromobilität haben die deutschen Hersteller laut VDA ihre Hausaufgaben schon gemacht: „Knapp jedes fünfte Elektroauto, das in den USA verkauft wird, zählt zu einer deutschen Marke“, sagte Wissmann.

Zudem wollten BMW, Daimler und der VW-Konzern auch eine Führungsrolle bei dem Innovationsthema vernetztes und automatisiertes Fahren.

Wissmann sagte: „Der 'Highway' zur digitalen Mobilität wird mit enormer Geschwindigkeit gebaut. Wir sehen die IT-Branche hier als Partner der Automobilindustrie.“

Den Trend zur IT spürt Detroit jedoch auch schon ganz anders: Die Elektronikmesse CES in Las Vegas kurz vor der Detroiter Auto-Show wird immer mehr zur Konkurrenzveranstaltung – auch für Premieren bei der Technik.

„Die virtuelle Welt emotionalisiert junge Menschen und nicht mehr das lederummantelte Lenkrad“, sagte Dudenhöffer.

apa/dpa

stol