Samstag, 25. April 2015

Deutsche Bank geht ohne Postbank in die Zukunft

Die Deutsche Bank trennt sich von der Postbank. „Der Aufsichtsrat hat heute einstimmig beschlossen, den vom Vorstand unterbreiteten Vorschlag zu unterstützen“, teilte die Bank nach einer mehrstündigen Aufsichtsratssitzung am späten Freitagabend mit.

Die Deutsche Bank trennt sich von ihrer Postbank-Mehrheit.
Die Deutsche Bank trennt sich von ihrer Postbank-Mehrheit. - Foto: © APA/EPA

Laut der Gewerkschaft Verdi, die im Kontrollgremium prominent vertreten ist, soll die Abspaltung der Bonner Tochter über einen Börsengang kommen. Verdi will nun für den Kündigungsschutz kämpfen, für den Postbanker seit Wochen auf die Straße gehen.

Zuvor hatten hunderte Postbank-Mitarbeiter vor dem Sitz der Deutschen Bank in Frankfurt demonstriert. Vor der Postbankzentrale in Bonn demonstrierten nach Verdi-Angaben zudem 2000 Menschen. Gerüchte über einen möglichen Verkauf waren mit ein Grund für den Arbeitskampf bei der Postbank, der dort seit Monaten schwelt.

Die Angestellten legten dieses Jahr aus Unsicherheit über ihre Zukunft bereits mehrfach ihre Arbeit kurzzeitig nieder. Ihre zentrale Forderung, die Kündigungsschutzregelungen bis 2020 zu verlängern, lehnt die Postbank ab. Vor wenigen Tagen stimmten die Mitarbeiter in einer Urabstimmung für unbefristete Streiks.

Strategie von Deutschlands größtem Geldhaus mit Spannung erwartet

Die Deutsche Bank ächzt unter hohen Regulierungskosten, die Rendite ist mager. Wesentliche Ziele der „Agenda 2015+“, die die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen vor knapp drei Jahren ausgerufen hatten, wurden verfehlt. Die großen Investoren, die mehrfach frisches Geld in die Bank pumpten, wurden zunehmend unruhig.

Bis zuletzt war Finanzkreisen zufolge auch der ganz große Wurf diskutiert worden: Eine Abspaltung des gesamten Privatkundengeschäfts. Nun sollen aber die „blauen“ Filialen im Konzern bleiben. Eine Zerlegung der Deutschen Bank in zwei Teile – Privatkundenbank und Investmentbanking – ist vom Tisch.

Wieviele Stellen in der „kleinen“ Lösung wegfallen, ließ das Institut zunächst offen. Reuters hatte zuletzt von Insidern erfahren, dass das Filialgeschäft der Deutschen Bank vor besonders harten Einschnitten steht. Bis zu einem Drittel der rund 700 Filialen stehen demnach zur Disposition. Fest steht, dass auch das Investmentbanking schrumpfen soll, das besonders viel Kapital verschlingt.

apa/reuters/afp

stol