Freitag, 09. September 2016

Deutsche Privatbank nun in chinesischen Händen

Die Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser kommt nach 220 Jahren in chinesische Hände. Die Beteiligungsgesellschaft Fosun hat die vor gut einem Jahr angekündigte Übernahme am Freitag abgeschlossen, wie beide Unternehmen mitteilten. Fosun hält nun 99,91 Prozent der Anteile und hat dafür gut 200 Millionen Euro auf den Tisch gelegt.

Der Hauptsitz von Fosun befindet sich in Hongkong.
Der Hauptsitz von Fosun befindet sich in Hongkong. - Foto: © shutterstock

„Hauck & Aufhäuser ist für uns ein strategisches Investment und ermöglicht uns einen hervorragenden Zugang zu den führenden Volkswirtschaften in Europa“, sagte Fosun-Gründer Guo Guangchang.

Reiche Chinesen als potenzielle Kunden

Dank der Verbindung mit Fosun will Hauck & Aufhäuser in der Vermögensverwaltung reiche Chinesen als Kunden gewinnen. Zudem soll die Traditionsbank, die gut 500 Mitarbeiter beschäftigt, Investoren aus dem Reich der Mitte dabei helfen, Geld in deutsche Mittelständler zu stecken.

„Wir haben uns in den letzten Monaten ein umfassendes Bild von den Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Fosun gemacht und bereits begonnen, unser Geschäft für den chinesischen Markt systematisch aufzubauen“, erklärte Hauck & Aufhäuser. „Zusammen mit Fosun werden wir verstärkt Synergien nutzen und unsere Angebote für Investments und Beteiligungen deutlich erweitern.“

Ursprünglich mehrere Übernahmen geplant

Die Genehmigung der Übernahme dauerte auch deshalb so lange, weil Fosun-Gründer Guo im Dezember 2015 mehrere Tage verschwand. Die Aufregung war groß – und nicht nur die deutsche Finanzaufsicht BaFin hatte daraufhin viele Fragen an Fosun.

Guo hat die chinesischen Behörden damals nach eigenen Angaben bei Ermittlungen unterstützt, wurde jedoch selbst nicht beschuldigt. Das sahen am Ende auch die europäischen Aufsichtsbehörden so – und gaben grünes Licht.

Ursprünglich wollte Guo in Deutschland ein größeres Rad drehen. Sein Versuch, auch die Frankfurter BHF-Bank zu schlucken, scheiterte jedoch. Nach einem kurzen Übernahmegefecht mit der französischen Privatbank Oddo gaben die Chinesen auf und zogen ihr Angebot zurück.

apa/reuters

stol