Arbeitsministerin Ursula von der Leyen bezifferte die Zahl der Jobsucher am Mittwoch mit 2,945 Millionen. Das ist der niedrigste Oktoberwert seit 18 Jahren.„Das ist ein ganz großer Erfolg für die Menschen“, sagte die CDU- Politikerin. Sie gab am Mittwoch überraschend die Zahlen persönlich bekannt. Sie sollten eigentlich erst am Donnerstag von der Bundesagentur veröffentlicht werden.Die Arbeitslosenquote sank auf 7,0 Prozent – um jahreszeitliche Sondereffekte bereinigt lag sie bei 7,5 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat ging die Zahl der Arbeitslosen um 86 000 zurück. Vor einem Jahr waren noch 283 000 mehr Menschen arbeitslos gewesen. Saisonbereinigt sank die Arbeitslosenzahl zum Vormonat nur um 3000.Arbeitsmarktexperten hatten in einer dpa-Umfrage allerdings einen noch stärkeren Rückgang der Oktober-Arbeitslosigkeit erwartet. Nach ihren Berechnungen ist die Erwerbslosigkeit im zu Ende gehenden Monat sogar auf 2,93 Millionen gesunken.Im Jahresschnitt unter drei MillionenNach Angaben von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) dürfte die Arbeitslosigkeit 2011 im Jahresschnitt dauerhaft unter drei Millionen liegen. Bald seien 41 Millionen Menschen erwerbstätig – so viel wie noch nie in der bundesdeutschen Geschichte. „Wir sind auf der Schnellstraße zur Vollbeschäftigung.“Kritik trotz RekordbeschäftigungDer DGB erklärte, trotz der erfreulichen Zahlen gebe es keinen Anlass zur Euphorie. „Es gibt immer noch keinen gleichen Lohn für gleiche Arbeit in der Leiharbeit und keine flächendeckenden Mindestlöhne“, sagte DGB-Vize Claus Matecki. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sprach von einem Jobwunder, das Wirtschaft, Gewerkschaften und Politik gemeinsam geschafft hätten.Die Grünen-Expertin Brigitte Pothmer dagegen warf von der Leyen statistische Tricks vor. So tauchten 185 000 Menschen nicht in der Statistik auf, weil sie von privaten Stellen vermittelt oder betreut würden. 80 000 Ältere seien aus der Statistik verschwunden, weil ihnen ein Jahr lang kein Beschäftigungsangebot gemacht wurde. Die SPD forderte die Koalition auf, sich nicht auf den guten Zahlen auszuruhen.Von der Leyen sagte, der Aufschwung und die gute Arbeit der Jobcenter zahlten sich aus. Die Regierung wolle diesen historischen Erfolg aber nicht nur feiern, sondern die verbleibenden Arbeitslosen schnell in Arbeit bringen. Bemerkenswert sei, dass es inzwischen 100 000 Langzeitarbeitslose weniger als vor der Wirtschaftskrise gebe. „Zum ersten Mal nach einer Krise ist die Sockelarbeitslosigkeit nicht gestiegen.“Fachkräftemangel große HerausforderungEine große Herausforderung bleibe der Fachkräftemangel. Mit heimischen Arbeitskräften könne dieser in den nächsten Jahrzehnten nicht gelöst werden. Deutschland brauche eine gesteuerte Zuwanderung ausländischer Fachkräfte, sagte von der Leyen.In Kreisen der Bundesagentur für Arbeit hatte die vorzeitige Bekanntgabe für Überraschung gesorgt. Die Ministerin begründete ihr Vorpreschen damit, dass sie am Donnerstag im Bundestag bei mehreren wichtigen Abstimmungen präsent sein müsse und die Oktober-Zahlen nicht entsprechend hätte würdigen können.dpa