Sein Ziel bleibe es, die Testfahrten der sogenannten Gigaliner im kommenden Jahr durchzuführen, so Ramsauer. Die Testfahrten mit den Riesen-Lkw würden nicht in einem „Hauruck-Verfahren“ durchgeführt, sagte Ramsauer. Der Feldversuch werde in den Arbeitsgruppen des Ministeriums weiter vorbereitet. Diese befassen sich mit der Ausbildung des Personals, technischen Fragen und der Auswahl der geeigneten Strecken. Bis Anfang Dezember werde ein Zwischenbericht als Arbeitsgrundlage für weitere Gespräche mit den Ländern vorliegen. Nach Ansicht des Ministers gibt es „keinerlei Konfrontation“ mit den Ländern, sondern nur unterschiedliche Einschätzungen.Die Mehrheit der Bundesländer lehnt die Gigaliner-Testfahrten ab. Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen und Sachsen hätten sich bei der Verkehrsministerkonferenz dafür ausgesprochen, Sachsen-Anhalt habe sich enthalten. Die acht übrigen Länder seien dagegen, sagte Thüringens Verkehrsminister Christian Carius.Sollen die Lastwagen der Zukunft „giga“ sein?Die Frage der überlangen Lkw auf den Straßen erhitzt seit Jahren die Gemüter. Befürworter sprechen von Vorbeugung gegen drohenden Verkehrsinfarkt und Schonung der Umwelt schonen. Gegner sehen Monstertrucks und Gefahren.Die Nutzfahrzeuge messen bis zu 25,25 Metern und sind damit 6,5 Meter länger als die bisher zugelassenen Lastwagen. In Skandinavien rollen die superlangen Trucks schon über die Straßen. Werden sie gebraucht? Befürworter sehen in den Gigalinern ein gutes Mittel gegen drohenden Verkehrsinfarkt auf den Straßen und für umweltschonenderen Transport. Gegner befürchten Gefahren für die Sicherheit auf den Straßen.Mit zwei Lang-Lkw kann nach Angaben des deutschen Branchenverbandes VDA die Fracht von bisher drei konventionellen Nutzfahrzeugen befördert werden. „Das gleiche Volumen wird mit weniger Fahrleistung und weniger Emissionen transportiert“, sagt ein VDA-Sprecher. Erste Erfahrungen der Bundesländer mit Lang-Lkw zeigten, dass sich im Durchschnitt bis zu 20 Prozent Kraftstoff einsparen ließen.MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen hatte zuletzt in einem Interview geklagt, die bisherige Längenbegrenzung führe dazu, dass die Spediteure jeden Millimeter Ladefläche ausnutzen wollten. „Daher die Lkw-Kastenform.“ Um den Kraftstoffverbrauch deutlich zu senken und den CO2-Ausstoß zu verringern, seien aber vor allem Fahrzeuge mit einer besseren Aerodynamik erfolgversprechend.„Der Güterverkehr wird langfristig deutlich wachsen – auf der Straße, Schiene und auf den Wasserstraßen“, sagt der VDA-Sprecher. Im Fernverkehr auf Autobahnen zwischen logistischen Knotenpunkten könnten Lang-Lkw die Straßen entlasten. „Die vorhandene Verkehrsinfrastruktur kann so besser genutzt werden.“ Dies bedeute auch weniger Staus.ADAC-Verkehrssprecher Andreas Hölzel warnt, die Sicherheit müsse Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben. „Besonders problematisch sehen wir das Thema Ortsdurchfahrten.“ Mit ihren riesigen Abmessungen bräuchten die Fahrzeuge viel Platz – ein Problem vor allem im Kreisverkehr und beim Abbiegen. „Außerdem braucht so ein langer Lkw länger, bis er einen Bahnübergang überquert hat.“Eine weitere Gefahr sieht der ADAC bei Überholmanövern. „Es dauert noch länger, einen Gigaliner zu überholen als einen normalen Lastwagen.“ Ein Sprecher von Europas größtem Nutzfahrzeughersteller Daimler weist Sicherheitsbedenken zurück: „Die Lang-Lkw sind genauso sicher wie ein Lastwagen heute.“ Auch der VDA betont: „Öko-Laster zeigen in der Praxis ein sehr stabiles Fahrverhalten und haben keine längeren Bremswege als herkömmliche Lkw.“ Lenkbare Achsen sorgten dafür, dass sie auch enge Kreuzungen und Kreisverkehre befahren könnten.Der ADAC fordert eine besondere Ausbildung für die Fahrer. „So ein Gigaliner fährt sich anders und bremst sich anders“, sagt Hölzel. Die Fahrer dürften maximal drei Punkte in der Verkehrssünderdatei in Flensburg haben und müssten über mindestens fünf Jahre Fahrpraxis verfügen. apa/dapd/dpa