Mittwoch, 25. November 2020

Deutschland strebt EU-Skiurlaubsverbot bis 10. Jänner an

Angesichts der Corona-Krise wollen Bund und Länder in Deutschland eine abgestimmte europäische Regelung erreichen, um Skitourismus bis Anfang Jänner zu unterbinden. „Die Bundesregierung wird gebeten, auf europäischer Ebene darauf hinzuwirken, dass bis zum 10. Jänner Skitourismus nicht zugelassen wird“, hieß es am Mittwoch nach einem Gipfel-Treffen von Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten.

Die Wintersaison wackelt zum Teil.
Die Wintersaison wackelt zum Teil. - Foto: © BARBARA GINDL
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) appellierte an die Bevölkerung, Skiurlaube in diesem Jahr zu unterlassen. Diese Art von Tourismus „konterkariere alle Bemühungen der Bevölkerung“, das Virus zu bekämpfen, sagte Söder am Mittwochabend in der ZDF-Sendung „Markus Lanz - Das Jahr 2020“.

Auf ein Verbot von Skigebieten habe man sich bisher auf europäischer Ebene nicht verständigen können. Möglich sei aber eine Reduzierung der Angebote, sagte Söder. Wenn sich die Zahl der Toten im Zusammenhang mit der Pandemie so weiterentwickele, wären es „6000 Tote bis Weihnachten“, rechnete Söder vor. Deshalb bleibe er bei seiner Linie „von Umsicht und Vorsicht“. Mit Blick auf die Entwicklung der Corona-Pandemie sagte der CSU-Chef: „Ich hätte mir gewünscht, ich hätte mich geirrt.“

Unterdessen haben auch die Auslandskommissionen des Nationalrats in Wien und der Abgeordnetenkammer in Rom im Rahmen einer Videokonferenz das umstrittene Thema des von Italien geforderten Verbots für Skiurlaub besprochen. Der Präsident der italienischen Auslandskommission, Piero Fassino, erklärte sich wegen der unterschiedlichen Position Italiens und Österreichs bezüglich der bevorstehenden Wintersaison besorgt, hieß es in einer Presseaussendung am Mittwoch.

Fassino äußerte die Hoffnung, dass es zu einer Harmonisierung der Regeln für die Wintersaison auf europäischer Ebene komme. Die Parlamentarier beider Länder hoben die Notwendigkeit hervor, einheitliche Maßnahmen zur Vorbeugung und Bekämpfung der Coronavirus-Epidemie auf EU-Ebene einzuführen.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz lehnte am Mittwoch eine länderübergreifend spätere Öffnung der Wintersportgebiete in der Coronakrise ab. Öffnungsschritte in allen Bereichen, darunter der Sport, würden von den Staaten unterschiedlich gehandhabt, sagte Kurz bei einer Pressekonferenz in Wien. „Das hängt immer mit den Infektionszahlen zusammen und zwar den Infektionszahlen bei uns in Österreich.“ Österreich setzt darauf, mit Lockdown und Massentests die Corona-Zahlen im Dezember zu senken.

„Ich kann Ihnen nur sagen, wenn jemand alleine laufen geht im Moment, dann ist das ähnlich gefährlich, wie wenn jemand alleine eine Skitour geht“, so Kurz. „Wenn jemand einen Lift verwendet, dann ist das ähnlich, wie wenn er ein öffentliches Verkehrsmittel verwendet. Anhand dieser Gesichtspunkte muss man Entscheidungen treffen.“

Dass es internationale Abstimmungen dazu gebe, sei „übertrieben“, sagte Kurz. Einige Länder hätten lediglich einen Wunsch geäußert. „Ich hab sowohl mit dem Kommissionspräsidenten als auch dem Ratspräsidenten darüber gesprochen und ich hatte da den Eindruck, dass die Europäische Union jetzt nicht die Aufgabe sieht, hier Details für gewisse Länder vorzugeben.“

apa