<BR /><BR />Werfen wir einen Blick zurück auf das Jahr 2005: George W. Bush regierte die USA, YouTube ging erstmals online und Ölkonzerne dominierten weltweit das wirtschaftliche Geschehen. Vier der zehn wertvollsten Unternehmen – gemessen an der Börsenkapitalisierung – stammten aus der Energiebranche, darunter General Electric, ExxonMobil, BP und Royal Dutch Shell. Ergänzt wurde die Top 10 von jeweils zwei Großbanken (Bank of America, Citigroup) und zwei Gesundheitsriesen (Pfizer, Johnson & Johnson).<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1229565_image" /></div> <BR /><BR />Zwanzig Jahre später zeichnet sich ein völlig anderes Bild: US-Firmen führen zwar weiterhin die Liste an, doch heute dominieren Technologie- und Softwarekonzerne. An der Spitze steht der Chiphersteller Nvidia, gefolgt von Microsoft, Apple und Alphabet (Google). Mit Tesla und Saudi Aramco finden sich nur noch zwei Unternehmen in den Top 10, die nicht aus der Tech-Branche stammen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1229568_image" /></div> <BR /><BR />„Der Siegeszug der Digitalisierung, Automatisierung und – noch bevorstehend – der künstlichen Intelligenz führte dazu, dass technologieorientierte Unternehmen enorme Wachstumschancen hatten. Und die erfolgreichen unter ihnen konnten diese nutzen“, erklärt Christoph Kaserer, Wirtschaftsprofessor an der TU München.<h3> Unternehmen sind viel größer als früher</h3>Was weiterhin auffällt: „Erfolgreiche Unternehmen sind heute auch viel größer als früher und haben daher eher eine marktbeherrschende Stellung“, konstatiert Kaserer. 2005 war General Electric mit einer Börsenkapitalisierung von 382 Milliarden Dollar das wertvollste Unternehmen der Welt. Zwanzig Jahre später liegt Nvidia an der Spitze mit 3.781 Milliarden Dollar – also fast dem Zehnfachen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-71984762_quote" /><BR /><BR />Die Konzentration der Börsenkapitalisierung auf wenige große Unternehmen hat mehrere Ursachen. Zum einen spiele die Globalisierung eine Rolle. Gleichzeitig führe die Digitalisierung aller Geschäftsprozesse zu Konzentrationstendenzen: Nur wenige Unternehmen könnten sich in diesem Wettbewerb behaupten. „Dies hängt neben der finanziellen Stärke auch mit Netzwerkeffekten zusammen: Wer Standards in der digitalen Welt setzt, erlangt eine schwer angreifbare marktbeherrschende Stellung. Microsoft und Google sind dafür gute Beispiele“, erklärt Kaserer.<h3> Europa spielt kaum eine Rolle</h3>Unter den Top 10 der weltweit wertvollsten Unternehmen findet sich kein einziger Europäer. Das wertvollste Unternehmen der EU liegt erst auf Platz 25: die niederländische ASML, die hochmoderne Maschinen für die Chipproduktion herstellt.<BR /><BR />„Europäische Unternehmen spielen im weltweiten Konzert der multinationalen Unternehmen schon seit den 90er Jahren keine Rolle mehr“, so Kaserer. Auch hier seien die Gründe vielfältig, doch ein Hauptfaktor sei der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit.<BR /><BR />„Neben der Überregulierung und Bürokratisierung unseres Wirtschaftslebens spielt hier insbesondere auch der Mangel an Risikokapital eine Rolle“, erklärt Kaserer. Es sei kein Zufall, dass Microsoft, Apple, Amazon oder Tesla in den USA gegründet wurden. „Dort gab es das Risikokapital, das notwendig war, um diese Ideen zu realisieren und daraus erfolgreiche Unternehmen zu machen. An diesem Beispiel kann man erkennen, wie gefährlich das Unvermögen der europäischen Länder ist, durch beherzte Reformen dafür zu sorgen, dass unsere Kapitalmärkte eine ähnliche Dynamik entwickeln wie jene in den USA“, so Kaserer.