Samstag, 13. August 2016

„Die Bürger müssen sich wieder sicher fühlen“

Flüchtlinge, Terror, Brexit, Bankenunion: Die EU ist gekennzeichnet von den Ereignissen der vergangenen Monate. „Europa hält das aus“, sagt der Pusterer Universitätsprofessor Roland Benedikter. „Aber nur dann, wenn die Grenzen Europas endlich gesichert werden und der Terror durch besseren Informationsaustausch besiegt wird.“

Roland Benedikter - Foto: Raika Bruneck
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Roland Benedikter - Foto: Raika Bruneck

„Dolomiten“: Herr Benedikter, das Thema der Sommergespräche lautet: „Die Zukunft Europas“. Welche Entwicklungen sehen Sie derzeit? 

Roland Benedikter: Der Brexit und die autoritäre Entwicklung in der Türkei lassen Europas Ränder bröckeln. Beide - Großbritannien und die Türkei - haben sich in diesen Tagen demonstrativ mit Russland versöhnt, um Europa unter Druck zu setzen. Europa braucht jetzt eine stärkere Zusammenarbeit und mehr gemeinsame Regierung. 

„D“: Welche Zukunft hat Europa zu erwarten?

Benedikter: Italien steigt an die Stelle Großbritanniens auf und die bisher vernachlässigten zentralosteuropäischen Länder werden stärker eingebunden. Die innere Konsolidierung der Union geht nun vor Erweiterung. Europa hat durch all das die Chance zu wachsen und damit ein vielleicht kleineres, aber dichteres, besseres Europa zu werden. Wie es Bono (Sänger der irischen Rockband U2, Anm. d. Red.) ausdrückte: „Europa ist ein Gedanke, der zu einem Gefühl werden muss“. 

„D“: Flüchtlinge, Terror, Brexit, Bankenunion: Die Europäische Union ist gekennzeichnet von den Ereignissen der vergangenen Monate. Hält die Europäische Union das aus, oder wird es einen Rückfall in Nationalstaaten geben?

Benedikter: Wir sind die größte Union der Welt mit immer noch 28 Staaten, 510 Millionen Einwohnern und 15 Billionen Euro an Wirtschaftskraft. Wir halten das aus. Aber nur dann, wenn die Grenzen Europas endlich gesichert werden und der Terror durch besseren Informationsaustausch besiegt wird. Die Bürger müssen sich wieder sicher fühlen. 

„D“: Das Thema Türkei wird derzeit stark diskutiert. Einerseits ist das Land ein großer Zukunftsmarkt auch für Südtiroler Unternehmen, andererseits scheint die Türkei auf dem besten Weg zu einer autoritären Staatsform. Darf man als EU mit einem solchen Land weiterhin Beitrittsverhandlungen führen?

Benedikter: Österreichs Bundeskanzler Christian Kern und viele andere haben Recht, wenn sie bis auf weiteres auf die Eröffnung weiterer Verhandlungskapitel verzichten. Ganz abbrechen sollte man die Verhandlungen aber nicht, da sich dadurch nichts verbessert. Europa sollte die Verhandlungen auf Eis legen, bis klar ist, wohin die Türkei will. Die Entwicklung unter dem türkischen Präsidenten Erdogan verspricht allerdings nichts Gutes.

Interview: Arnold Sorg

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Lesen Sie das ganze Interview mit Roland Benedikter in der Wochenend-Ausgabe der „Dolomiten“

stol