<b>Von Thomas Aichner</b>*<BR /><BR />Der Begriff „Black Friday“ (schwarzer Freitag) wurde erstmals um 1950 von der Polizei in Philadelphia verwendet, um das hohe Verkehrsaufkommen und das Chaos zu beschreiben, das am Tag nach Thanksgiving entstand. Nach dem Staatsfeiertag – einem immer am letzten Donnerstag im November stattfindenden Erntedankfest – strömten die Menschen in die Stadt, um für das bevorstehende Wochenende einzukaufen. <BR /><BR />Erst in den 1980er Jahren begann der Black Friday eine positive Bedeutung zu erlangen, als Einzelhändler den Tag als Startschuss für das Weihnachtsgeschäft nutzten. Die Neuinterpretation des Begriffs war, dass viele Geschäfte nach einem verlustreichen Jahr (rote Zahlen) an diesem Tag wieder in die Gewinnzone (schwarze Zahlen) kommen könnten.<BR /><BR />Vielleicht ist es kein Zufall, dass sich der Begriff schwarzer Freitag durchgesetzt hat – denn der vermeintliche Schnäppchentag birgt gleich mehrere Gefahren für Konsumenten, die immer wieder in die gleichen Konsumfallen tappen, ohne es zu merken.<h3> Der häufigste Trick: den Ausgangspreis ändern</h3>Der beliebteste Trick der Händler ist es, Rabatte größer wirken zu lassen, als sie tatsächlich sind. Häufig wird als Ausgangspreis nicht ein Betrag verwendet, den Konsumenten wirklich einmal bezahlt haben, sondern eine unverbindliche Preisempfehlung (UVP). Zum Beispiel könnte es sein, dass das Produkt normalerweise für 20 Euro verkauft wird. Am Black Friday wird die UVP von 30 Euro genannt und das Produkt für 19 Euro angeboten. Was eigentlich nur einem Rabatt von 5 Prozent entspricht (ein Euro von 20 Euro), wird als 37 Prozent beworben (11 von 30 Euro).<h3> 30 Prozent der Kunden bereuen ihren Einkauf später</h3>Außerdem werden auf Webseiten oft Techniken wie Countdown-Timer verwendet, die sekundenweise rückwärts zählen. Dadurch wird das Gefühl verstärkt, dass Nutzer schnell eine Entscheidung treffen müssen und ansonsten eine Chance verpassen. Durch diese Taktik werden Impulskäufe gefördert und Konsumenten treffen oft übereilte Entscheidungen, ohne das Angebot gründlich zu prüfen. <BR /><BR />Genau hier liegt der Trick: Würde der Nutzer nämlich mehr Zeit in die Kaufentscheidung investieren, könnte er unter Umständen ein besseres Angebot finden oder merken, dass er das Produkt gar nicht braucht. Etwa 87 Prozent der Menschen beteiligen sich insgesamt am Black Friday, wovon laut einer aktuellen Umfrage mindestens 42 Prozent eine eigentlich nutzlose Sache kaufen – 30 Prozent bereuen ihren Einkauf später.<h3> Rabatte verführen zum Kauf</h3>Generell werden nicht nur sinnlose Dinge gekauft, sondern es wird auch mehr Geld als geplant ausgegeben. Wenn wir einen Rabatt sehen, löst das nämlich unmittelbar einen emotionalen Reiz aus, der zum Kauf anregt. Das führt unter anderem dazu, dass wir uns umso besser fühlen, je mehr wir ausgeben. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1098036_image" /></div> <BR /><BR />Wenn jemand eine um 40 Prozent heruntergesetzte Hose für 30 Euro kauft, hat er 20 Euro gespart. Wenn noch ein Pullover für den gleichen Preis dazukommt, verdoppelt sich der gesparte Betrag auf 40 Euro, und so weiter. Das gibt dem Kunden ein gutes Gefühl, obwohl er eigentlich nicht 40 Euro gespart, sondern 60 Euro ausgegeben hat. <BR /><BR />Dieser Denkfehler führt so weit, dass rund 13 Prozent der Black-Friday-Käufer sogar Schulden machen, um ihre Einkäufe zu finanzieren. Denn obwohl über 80 Prozent Modeartikel kaufen, gehen auch massenweise teure Fernseher, Handys und andere Elektrogeräte über die Ladentheke.<h3> Einige wenige Lockvogelangebote</h3>Oft werden am Black Friday auch nur Lockvogelangebote beworben, um Konsumenten in die Geschäfte oder auf die Webseiten zu ziehen. Diese Angebote sind jedoch oft nur in begrenzter Stückzahl verfügbar. Sobald sie ausverkauft sind, greifen viele Kunden auf andere, weniger attraktive Angebote zurück – und geben am Ende mehr aus, als sie vorhatten.<h3> Guter Preis, aber schlechtere Qualität</h3>In den letzten Jahren haben einige Marken – auch bekannte – damit begonnen, spezielle Editionen ihrer Produkte nur am Black Friday und an ähnlichen Rabatttagen anzubieten, die es während des restlichen Jahres nicht gibt. Zwar sind diese viel günstiger als ihre normalen Waren, haben aber auch eine schlechtere Qualität. So kann man zwar ein Produkt der Marke X viel günstiger als normal kaufen, bekommt aber auch ein minderwertiges Produkt.<BR /><BR />Allgemein kann davon ausgegangen werden, dass Unternehmen keine Produkte unter ihrem Wert anbieten oder den Kunden einen Gefallen tun wollen. Stattdessen wird der Black Friday genutzt, um ansonsten schwer verkäufliche Waren loszuwerden, mit psychologischen Tricks die Kaufbereitschaft der Kunden zu erhöhen und den Gesamtumsatz zu steigern.<h3> Falsche Online-Shops nehmen zu</h3>Als wären das nicht schon genug Gründe, am Black Friday ganz bewusst eine Shoppingpause einzulegen und einfach überhaupt nichts zu kaufen, gibt es noch eine gefährliche Entwicklung. Da sich viele Menschen vom Kaufrausch mitreisen lassen oder auch ganz bewusst auf den schwarzen Freitag warten, um nach Sonderangeboten zu suchen, haben sich Betrüger genau auf diesen Moment spezialisiert. An den Tagen vor, während und nach dem Black Friday wird besonders viel Werbung in sozialen Medien für falsche Online-Stores gemacht. Dort werden oft teure Markenprodukte, Elektronik oder Spielzeug zu stark reduzierten Preisen angeboten. <BR /><BR />Das Problem: Wer hier einkauft und bezahlt, verliert sein Geld und wird die Ware nie bekommen. 2023 wurden beispielsweise 27 Prozent der Eltern Opfer solcher Betrügereien und haben allein in Großbritannien umgerechnet 49 Millionen Euro verloren. <BR /><BR />Hier gilt die alte Weisheit also in besonderer Weise: Wenn es zu gut aussieht, um wahr zu sein, ist es wahrscheinlich eine Falle.<BR /><h3> Zum Autor</h3><BR /><div class="img-embed"><embed id="1098039_image" /></div> <BR /><BR />Thomas Aichner ist wissenschaftlicher Leiter der Südtirol Business School. Er lehrt unter anderem Marketing, Konsumentenverhalten und Künstliche Intelligenz an Hochschulen in Italien, Österreich und Saudi-Arabien.