Finanzexperte Alex Weissensteiner von der Freien Universität Bozen spricht vom Versuch einer „sanften Ladung“. Wie er den Kurswechsel der EZB sieht, lesen Sie hier.<BR /><BR /> Die Zinswende kommt. Finanzwissenschaftler Alex Weissensteiner von der Freien Universität Bozen begrüßt den Kurswechsel der EZB: „Ich sehe es als langsame Rückkehr zur Zinsnormalität. Man darf nicht vergessen, dass das, was wir in den letzten 11 Jahren erlebten, eine Ausnahmesituation war. Trotz bestehender Risiken war eine Änderung des geldpolitischen Kurses unausweichlich. Nun geht es darum, eine sanfte Landung, also einen moderaten Übergang von der Nullzinsphase hinzubekommen.“ <BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/wirtschaft/die-zinsen-steigen-und-jetzt" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Alles rund um die Zinswende lesen Sie hier.</a><BR /><BR />Dass die EZB wesentlich länger zugewartet hat als etwa die US-Notenbank FED, die im Mai bereits die zweite Zinsanhebung vollzogen hatte, bezeichnet er als „nachvollziehbar“. Weissensteiner: „Die Zentralbank versucht einen wahren Balanceakt. Durch die Zinswende zeigt sie einerseits, dass sie das Thema Inflation ernst nimmt und etwas dagegen unternehmen will. Die relativ geringe Anhebung von 25 Basispunkten beweist andererseits, dass sie zur Kenntnis nimmt, dass sich die Konjunktur immer weiter abkühlt. Das vorsichtige Vorgehen, das zuletzt von vielen Seiten stark kritisiert wurde, halte ich in der derzeitigen Situation für richtig“, so Weissensteiner. <BR /><BR />Ebenfalls sei es klug, dass man sich für die nächste Zeit sämtliche Optionen offen lasse. „Es ist nicht davon auszugehen, dass die Inflation trotz steigender Zinsen rasch sinkt, weil sie hauptsächlich angebotsseitig getrieben ist. Anders wäre es, wenn die Inflation nachfrageseitig versursacht wäre, dann würden restriktivere Refinanzierungskonditionen unmittelbar greifen.“<BR /><BR />Langfristig wünscht sich der Finanzexperte eine Rückkehr zu Zinsniveaus um die 3 Prozent: „Dann hätte die EZB wieder deutlich mehr Spielraum, um steuernd auf die Realwirtschaft einzuwirken.“