Die Verwendung von spielerischen Elementen in einer spielfremden Umgebung wird Spielifizierung oder Gamification genannt. Das Ziel dieser Strategie besteht darin, eine Atmosphäre zu schaffen, welche die Aktivität als unterhaltsam und erstrebenswert erscheinen lässt. Das Konzept findet in vielen Unternehmensbereichen Anwendung, insbesondere im Personalmanagement und im Marketing.<BR /><BR />Die Personalforschung zeigt, dass Mitarbeiter zufriedener und effizienter sind, wenn sie ihre Arbeit mehr als Spiel und weniger als Pflicht wahrnehmen. Ein Beispiel für die Spielifizierung am Arbeitsplatz ist, wenn in einem Sportgeschäft die Anzahl der bedienten Kunden und der erwirtschaftete Umsatz pro Tag für jeden Verkäufer gezählt und etwa auf einer Tafel oder in einer internen Datenbank notiert wird. Damit entsteht ein spielerischer Wettbewerb, bei dem die Beteiligten instinktiv versuchen, sich ständig zu verbessern. Der Vergleich findet dabei gleich auf mehreren Ebenen statt, die alle zu einer Effizienzsteigerung führen.<h3> Spieltrieb am Arbeitsplatz</h3> Am naheliegendsten ist der Wettkampf zwischen den Arbeitskollegen: Einige wollen an die Spitze, anderen reichen die Top 10 und mit Sicherheit will keiner ganz unten auf der Liste enden. Wenn ein Angestellter also merkt, dass er im Wochenvergleich schlechter abschneidet als seine Kollegen, strengt er sich in der nächsten Woche mehr an, ist freundlicher zu den Kunden und verkauft mehr Ware. <BR /><BR />Arbeitgeber, die Angst vor zu viel Konkurrenzdenken zwischen den Mitarbeitern haben, können auch eine anonymere Variante wählen. Es reicht nämlich schon, wenn jeder Angestellte für sich erfährt, wie seine Leistung in einem bestimmten Zeitabschnitt war. In diesem Fall ist die Herausforderung, sich selbst zu schlagen und besser zu werden.<BR /><BR /> Unterstützt werden kann dieser Spieltrieb, wenn bestimmte Ziele gesteckt werden (z.B. sich an 5 aufeinanderfolgenden Tagen zu steigern) oder wenn es wie in einem Computerspiel möglich ist, höhere Levels zu erreichen. Besonders interessant ist die Tatsache, dass die Mitarbeitermotivation, -effizienz und -zufriedenheit in diesen Fällen auch ohne monetäre Anreize steigt.<h3> McDonald's und Monopoly</h3>Im Marketing geht es hingegen unter anderem darum, dass Kunden mehr kaufen, häufiger ins Geschäft kommen und loyaler sind. All diese Ziele können durch den Einsatz von spielerischen Gestaltungselementen gefördert werden. Wer häufiger bei McDonald’s isst, hat sie vielleicht schon einmal gesehen: die Zusammenarbeit des Schnellrestaurants mit dem Brettspielklassiker Monopoly. In vielen Ländern der Welt, darunter auch in Italien, Österreich und Deutschland, können Besucher der Fastfood-Kette über einen bestimmten Zeitraum tausende Preise gewinnen, wenn sie wie beim Brettspiel Straßenserien sammeln und das nötige Glück und Durchhaltevermögen mitbringen. Beim Kauf eines Hamburgers, von Pommes, Getränken und weiteren Produkten gibt es kostenlose Aufkleber, die entweder sofort zu einem Gewinn führen oder gesammelt werden müssen. Hierbei handelt es sich um ein typisches Beispiel der Gamification, da Restaurants grundsätzlich nichts mit Spielen zu tun haben. Das Ziel ist klar: Mehr verkaufen und die Frequenz der Kundenbesuche erhöhen. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass ein Konsument große Pommes anstatt kleiner bestellt, weil er mehr Sticker dafür bekommt, oder dass eine Familie einmal mehr pro Woche als üblich zu McDonald’s geht – in der Hoffnung, die fehlende Straße zum Hauptgewinn zu erhalten.<h3> Die Regeln des Spiels</h3>Damit Spielifizierung funktioniert, sind vor allem zwei Voraussetzungen notwendig. Erstens muss ein Regelwerk entwickelt und kommuniziert werden. Wer darf teilnehmen? Was wird gemessen? Wie können Punkte, Sterne oder Ähnliches gesammelt werden? Wie wird ein Fortschritt erzielt? Wie und was kann man gewinnen? <BR /><BR />Zweitens darf das Spiel weder zu einfach, noch zu schwierig sein. Die Faustregel ist, dass am Anfang schnelle Fortschritte erzielt werden und es zügig zu mehreren Erfolgserlebnissen kommen sollte, um Frustration zu vermeiden. Mit der Zeit darf der Schwierigkeitsgrad steigen, damit der Reiz und die Herausforderung bestehen bleiben. Angenommen, Nutzer einer Webseite bekommen Abzeichen und immer besser klingende Titel (beispielsweise Neuling, Nutzer, Top-Nutzer, Experte, Top-Experte, usw.) für Produktbewertungen, die sie schreiben. In diesem Fall sollte die zweite Stufe schon nach 10 Aktivitätspunkten erreicht werden, die 3. Stufe bei 50, die 4. Stufe nach 100, die 5. Stufe bei 500, usw.<BR /><BR />Auch kleine Betriebe können mit einfachen Methoden von den Vorteilen der Spielifizierung profitieren. Eine Möglichkeit ist die Vergabe eines Bronze-, Silber- oder Goldstatus für loyale Kunden, die sich dadurch vor allem wertgeschätzt fühlen und einen zusätzlichen Grund haben, wiederzukommen. Die Vorteile des Goldstatus sind dabei weitgehend unerheblich, vor allem dann, wenn der Weg zum höheren Status unterhaltsam und spielerisch gestaltet ist. „Gamification“ kann auch eingesetzt werden, um die Gesundheit von Mitarbeitern zu fördern.<BR /><BR /> Zum Beispiel können Sport-Challenges veranstaltet werden, bei denen Angestellte Punkte für das Erreichen von Fitnesszielen sammeln, wie das Verwenden der Treppe statt des Aufzugs oder wenn sie mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, wie Arbeit und Einkaufen in ein spielerisches Erlebnis verwandelt werden können.<BR /><BR /><i> * Thomas Aichner ist wissenschaftlicher Leiter der Südtirol Business School.</i>