Freitag, 25. März 2022

Herr Riz, wann werden die Preise wieder sinken?

Die Preise steigen, die Kaufkraft der Verbraucher sinkt. Schätzungen zufolge wird der Krieg in der Ukraine zu weiteren Preissteigerungen führen, von einer Inflation von über 5 Prozent ist die Rede. Was Wirtschaftsanalyst Nicola Riz dazu sagt.

Nicola Riz, im WIFO unter anderem zuständig für Wirtschaftsinformationen und Wirtschaftsanalysen.

Von:
Michael Andres
Das Leben wird immer teurer: Preissteigerungen in so gut wie allen Bereichen machen den Südtirolern zu schaffen. Was die Gründe hierfür sind und was noch auf uns zukommt, darüber spricht Nicola Riz vom Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen (WIFO) im STOL-Interview.

Die Preise sind bereits gestiegen, sind weitere Steigerungen 2022 zu erwarten?
Nicola Riz: Seit der zweiten Jahreshälfte 2021 geht die allmähliche Erholung der Weltwirtschaft nach der Pandemie mit einem deutlichen Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise einher. Grund dafür ist, dass die Anpassung des Angebots nicht mit dem raschen Anstieg der Nachfrage mithalten konnte. Dieser Trend wird nun durch die Auswirkungen des Krieges zwischen Russland und der Ukraine noch verstärkt. Laut den meisten Analysten werden die von den westlichen Ländern gegen Russland verhängten Sanktionen dazu führen, dass der Preisanstieg stärker und anhaltender ausfällt als erwartet.

Was Südtirol betrifft, so zeigen die Daten, dass das Preisniveau im Januar um 2,8 Prozent und im Februar um einen weiteren Prozentpunkt gestiegen ist.
Nicola Riz


Mit welchen Preissteigerungen ist zu rechnen?
Riz: Was Südtirol betrifft, so zeigen die Daten, dass das Preisniveau im Januar um 2,8 Prozent und im Februar um einen weiteren Prozentpunkt gestiegen ist. Jüngsten Schätzungen zufolge wird der Konflikt in der Ukraine zu einer Beschleunigung der Inflation in der Eurozone führen, die in diesem Jahr über 5 Prozent liegen könnte. Grund dafür ist die Energieabhängigkeit Europas vom Rest der Welt und insbesondere von Russland.

Was sind die Gründe hierfür? Welche Rolle spielen der Ukraine-Krieg und die Corona-Nachwehen?
Riz: Das Auftreten neuer Pandemiewellen würde einen negativen Druck auf die Preise ausüben, also das Inflationsproblem zum Teil sogar verringern. Im Gegensatz dazu, wenn die Pandemie unter Kontrolle bleibt, wird der Aufschwung der Wirtschaftstätigkeit die Inflation weiter verstärken. Im Moment ist der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zweifellos die Hauptursache für den starken Preisanstieg. Es sollte jedoch nicht davon ausgegangen werden, dass eine Einstellung der Kämpfe das Problem sofort lösen wird: Russland wird Zeit brauchen, um sich diplomatisch und wirtschaftlich zu rehabilitieren, vor allem wenn die innenpolitische Lage weitgehend unverändert bleibt. Auch die Ukraine, die ein wichtiger Rohstofflieferant für die Landwirtschaft und die Lebensmittelindustrie ist, wird aufgrund der Verluste von Menschenleben und wegen der Schäden an Gebäuden, Betrieben und der Infrastruktur lange brauchen, um die volle Produktionskapazität wiederherzustellen.

Welche Bereiche trifft es voraussichtlich am härtesten?
Riz: Der Konflikt beeinträchtigt nicht nur die Versorgung mit Erdöl und Erdgas, sondern auch mit Weizen, Mais, Düngemitteln und Rohstoffen wie Nickel, Stahl, Kupfer, Holz und so weiter. Der Preisanstieg bei all diesen Gütern wirkt sich auf alle Wirtschaftsbereiche aus. Am stärksten betroffen sind natürlich die Wirtschaftszweige, in denen die Energie- und Rohstoffkosten am stärksten zu Buche schlagen: zum Beispiel der Verkehrssektor und viele Branchen des Verarbeitenden Gewerbes, aber auch die Landwirtschaft, insbesondere die Viehzucht. Andere Sektoren könnten unter dem inflationsbedingten Kaufkraftverlust der Verbraucher leiden. Ich denke da zum Beispiel an den Tourismus und die nicht primären Bedürfnisse.

Wann beruhigt sich die Lage?
Riz: Die ehrliche Antwort lautet: Wir wissen es nicht. Wir alle müssen hoffen, dass möglichst rasch eine Lösung für den Konflikt gefunden wird. Abgesehen von den geretteten Menschenleben darf nicht vergessen werden, dass auch die Wirtschaft Frieden braucht, um zu gedeihen.

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