Mittwoch, 31. Januar 2018

Die Probleme von H&M sitzen tief

In Südafrika stürmen wütende Massen die Läden, zuhause in Schweden ist die Rede von einer „Markenkatastrophe“. Die deutet sich beim Textilgiganten H&M jedoch nicht erst seit der missglückten „Coolster Affe im Dschungel“-Werbung an. Der Aktienkurs seit Monaten im Sinkflug, die Verkaufszahlen hinter den Erwartungen. Jetzt ist klar: Auch der Gewinn ist 2017 deutlich geschrumpft.

H&M will in Europa 170 Filialen schließen.
H&M will in Europa 170 Filialen schließen. - Foto: © APA/DPA

Investoren und Kunden zweifeln also an H&M. Zwar hat das Unternehmen zu Jahresbeginn schnell reagiert und als rassistisch kritisierte Werbung mit einem dunkelhäutigen Buben im Affenpulli zurückgezogen. Doch die Kritik ist aus der Öffentlichkeit nicht verschwunden. Immer wieder musste H&M zuletzt mit Skandalen umgehen. Zuletzt warf Greenpeace dem Modegiganten vor, massenhaft Kleidung zu verbrennen, deren Fehler man hätte ausbessern können. Das Unternehmen betonte zwar, verbrannt werde nur, was mit gefährlichen Chemikalien verunreinigt sei. Doch der Image-Schaden war da.

Talfahrt mit den Umsätzen 2017

Das alles könnte H&M vielleicht halbwegs wegstecken, wenn nicht immer weniger Kunden in die Läden kämen. Im Geschäftsjahr 2016/17 stieg der Umsatz zwar um 4 Prozent. Im Ende November abgelaufenen Schlussquartal aber ging er erstmals in der Unternehmensgeschichte zurück. Der Online-Shop kann die Probleme in den Filialen kaum abfedern. Außerdem drücken häufige Schlussverkäufe den Gewinn. 2017 kamen unter dem Strich 13 Prozent weniger raus als im Vorjahr.
H&M-Chef Karl-Johan Persson zeigt sich enttäuscht. „Wir waren nicht zufrieden mit 2016, und mit 2017 sind wir überhaupt nicht zufrieden“, sagte er kürzlich schwedischen Medien. Am Mittwoch erklärte er: „Die Schwäche liegt in den Läden, wo wir die Veränderungen im Käuferverhalten am deutlichsten spüren.“

Sortiment war nicht optimal

Dass die Zahlen weit hinter den Erwartungen zurückblieben, beruhe zum Teil auf großen Veränderungen in der Branche. Das werde sich auch 2018 fortsetzen. Zuvor hatte der Chef bereits zugegeben: „Doch wir haben auch eine ganze Reihe Fehler bei H&M gemacht, die die Läden betreffen und den Verkauf negativ beeinflusst haben.“ Das Sortiment sei nicht optimal gewesen.
Wohl auch deshalb haben die Schweden jetzt angekündigt, 170 Filialen überwiegend in Europa zu schließen und weniger neue zu öffnen.

apa/dpa

stol