Klimawandel, Ressourcenknappheit und der Verlust an Biodiversität gehören zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Unser Klima ist unberechenbar geworden, was nicht nur Wissenschaftler, sondern auch viele von uns beschäftigt – man denke nur an die jüngsten Überschwemmungen in Norditalien. <BR /><BR />In den letzten Jahren sind die Durchschnittstemperaturen stark angestiegen; die Befürchtung, dass dies ein „way of no return“ sein könnte, ist nicht unbegründet. Die Folgen reichen vom Stromausfall über Schäden am Gebäude und Ausfällen verschiedener Verkehrsmittel bis hin zum Verlust von Menschenleben. <BR /><BR />Auf den Klimawandel und die knapper werdenden Ressourcen muss sich auch der Gebäudesektor einstellen, auf den ganze 40 Prozent der Treibhausgase entfallen. Wie man dieser Situation begegnen kann, kann man mit einem Wort zusammenfassen, das in den letzten Jahren Einzug in unser Vokabular gehalten hat: Resilienz. Der Begriff wird in verschiedenen Bereichen genutzt - im Ingenieurwesen oder auch in der Psychologie - und bezeichnet die Fähigkeit eines Systems, außergewöhnlichen Ereignissen wie denen, die durch den Klimawandel verursacht werden, standzuhalten, auf diese auf eine bestimmte Art und Weise zu reagieren und nach Lösungen zu suchen, um sich von diesen Ereignissen schnell zu erholen.<h3> Klimagerecht bauen</h3>Resiliente Gebäude sind widerstandsfähig konzipiert, sodass sie ohne großen Aufwand an sich ändernde Umwelt- und Nutzungsbedingungen angepasst werden können. In den letzten Jahren beschränkten sich die meisten Bauvorschriften und Richtlinien sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene auf die Erreichung von Energiesparzielen und die Nutzung erneuerbarer Energien. Dies führte zu einer raschen Entwicklung von Technologien und Bausystemen, die in der Lage sind, diesen neuen Anforderungen sowohl im rechtlichen als auch im wirtschaftlichen und technologischen Bereich zu begegnen.<BR /><BR />Energieeffizienz und Nachhaltigkeit gehen nicht automatisch mit einer Bauweise einher, die resilient auf klimatische Ereignisse reagiert. Obwohl Nachhaltigkeit und Resilienz zahlreiche Gemeinsamkeiten haben, verlangen sie doch unterschiedliche spezifische Maßnahmen. Ein zentraler Aspekt beim Bau eines klimagerechten Gebäudes ist nach Ansicht von Experten eine eingehende Analyse von Klimadaten und insbesondere die langfristige Untersuchung von Klima- und Mikroklimaveränderungen. So wird es in Nordeuropa immer feuchter und in Südeuropa zeichnet sich eine zunehmende Trockenheit ab. Durch die Beobachtung von Klimadaten, die Veränderungen der Windstärken, der Sonneneinstrahlung oder der Niederschläge sowie außergewöhnlicher Wetterereignisse könnte man die Erfordernisse des Gebäudes besser definieren und dementsprechend Maßnahmen ergreifen.<h3> Schwachstelle Dach</h3>Das Dach ist eines der wichtigsten Gebäudeteile, wenn es um Extremwettersituationen geht; es ist eine Art Schutzschild und muss verhindern, dass die darunter liegenden Bereiche in Mitleidenschaft gezogen werden. Um die Widerstandsfähigkeit von Gebäuden sicherzustellen, sollte das Dach nicht nur extremer Hitze, Sturm, Regen oder Kälte standhalten, es sollte auch fähig sein, sich von Extremen zu erholen. Ein belastbares Dachsystem besteht aus langlebigen Materialien, weist eine ausgezeichnete Schlag- und Hagelfestigkeit auf, ist UV-beständig, muss Gebäudebewegungen ohne Ermüdung standhalten und sollte einfach gewartet werden können bzw. repariert, wenn es zum Schaden kommt. Allgemein werden modulare Systeme und Strategien für den einfachen Austausch von Gebäudeteilen oder von Haustechnik als besonders resilient eingestuft. Also jene Strategien, die auch als nachhaltig gelten. <h3> Multidisziplinärer Ansatz</h3>Eines ist sicher: Ein klimagerechtes Gebäude muss in einem ganzheitlichen Kontext gedacht werden, in dem auch die Mobilität und die gesamte Infrastruktur, die Erhaltung des Kultur- und Naturerbes, die Verringerung der Umweltauswirkungen bis hin zum städtischen Abfallmanagement in einer multidisziplinären Perspektive sorgfältig durchdacht und konzipiert werden. Aus dieser Sicht gut geplante urbane Anbindungen und soziale Strukturen führen zu einer höheren Lebensqualität, wo sich die Menschen auch nachweislich mehr in Kontakt zueinanderstehen und folglich mehr austauschen. Dies führt nicht zuletzt auch dazu, dass sich Gemeinschaften bilden. <BR /><BR />Nach einer Studie von Enterprise Green Communities (einem in den USA ansässigen Unternehmen für nachhaltigen Wohnungsbau, das sich auf den Sektor der erschwinglichen Wohnungen spezialisiert hat) ist es genau dieses Gemeinschaftsgefühl, das die Bürger gegenüber unvorhersehbaren Ereignissen stärkt. Die Studie mit dem Titel „Strategies for Multifamily Building Resilience“ nimmt Mehrfamilienhäuser näher unter die Lupe, die, in Extremsituationen, das schwächste Glied in der Kette sind, da sie meist von Menschen mit einem niedrigen Einkommen bewohnt werden, die es am schwersten haben, sich von einer Krise zu erholen. Die Studie gibt diesen Menschen eine Reihe von Tipps und Szenarien an die Hand, um die Resilienz dieser „Gemeinschaften“ zu erhöhen. <BR /><BR /><i>*Eine Information der Agentur für Energie Südtirol - KlimaHaus</i>