Sonntag, 04. Dezember 2016

Die Steuertricks der Superstars

Enthüllungen um Geldflüsse und Steuertricks rücken den internationalen Spitzenfußball und seine Top-Stars einmal mehr ins Zwielicht. Millionensummen flossen angeblich über Briefkastenfirmen in Steueroasen. Beraterhonorare sollen nicht korrekt beim Fiskus abgerechnet worden sein. Strohmänner, allzu zahlungswillige Vereine und Sponsoren und großzügige Steuerbehörden komplettieren das Sittengemälde.

Kreative Steuerbuchführung für Werbeverträge - Cristiano Ronaldo ist nur die Spitze des Eisbergs
Kreative Steuerbuchführung für Werbeverträge - Cristiano Ronaldo ist nur die Spitze des Eisbergs - Foto: © LaPresse

18,6 Millionen Dokumente aus der Grauzone des Weltfußballs hat ein internationales Medien-Netzwerk, dem unter anderen die österreichische Wochenzeitung „Falter“ und das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ angehören, in den vergangenen sieben Monaten ausgewertet.

Grundlage der Recherchen ist ein riesiger Datensatz von insgesamt 1,9 Terabyte, der von der Enthüllungsplattform Football Leaks zur Verfügung gestellt wurde. Die darin genannten Summen, die im Milliarden-Zirkus Fußball an die Superstars fließen, und die Tricks, mit denen die Finanzbehörden dabei umdribbelt werden, nähren das Bild von der Doppelmoral des Glitzergeschäfts.

Neu allerdings sind die detailliert beschriebenen Methoden nicht. So ist der fünffache Weltfußballer Lionel Messi in diesem Jahr wegen Steuerhinterziehung von 4,1 Millionen Euro vom Landgericht in Barcelona zu 21 Monaten Haft verurteilt worden.

Zur Umgehung der spanischen Steuer soll Messi seine Werberechte an ein Netz von Scheinfirmen abgetreten haben. Die Honorare, die der Argentinier von verschiedenen Weltkonzernen für seine Werbeauftritte erhielt, sollen an der spanischen Steuer vorbei in verschiedene Steuerparadiese geflossen sein. Messi hat gegen das Urteil beim Obersten Gericht Einspruch eingelegt.

Kurz vor dem spanischen „Clasico“ zwischen Barcelona und Real Madrid am Samstag geriet Messis ewiger Rivale Cristiano Ronaldo in die Defensive. Der 31-Jährige ist nach Berechnungen des US-Magazins „Forbes“ mit 78 Millionen Euro Jahresverdienst der bestbezahlte Sportler der Welt. Das Management des Portugiesen sah sich nun zu Beteuerungen gezwungen, Ronaldo sei allen Verpflichtungen gegenüber den spanischen Steuerbehörden nachgekommen.

Beim 1:1 in Barcelona am Samstag verspotteten die Fans die Real-Ikone mit einem Lied, in dem sie ihn zur Zahlung von Steuern ermahnten. Zuvor hatte Barca-Vizepräsident Carles Vilarrubi gefordert, der Fiskus müsse gegen Ronaldo „genauso unerbittlich wie seinerzeit gegen Lionel Messi vorgehen“.

Genau hier liegt aber offenbar das Grundproblem. Die spanischen Finanzämter hatten jahrelang im Profi-Fußball eine gewisse Großzügigkeit walten lassen. Schon in den 1990er Jahren waren viele Vereine dazu übergegangen, die Bezüge ihrer Stars in zwei Kategorien aufzusplitten: das normale Gehalt und Werbehonorare.

Für die Gehälter wurde die übliche Einkommenssteuer gezahlt. Bei den Werbeeinnahmen wurden – deutlich niedrigere – Umsatzsteuern fällig. Zudem gab es eine Reihe von durchaus legalen Möglichkeiten, den Fiskus durch Firmen im Ausland oder andere Methoden zu umgehen.

Damit ist der Fußball keine Insel. Die Enthüllungen erinnern an die in diesem Jahr von mehreren internationalen Medien veröffentlichten „Panama Papers“, aus denen hervorgeht, dass zahlreiche Politiker, Sportler und andere Prominente Vermögen in Offshore-Firmen hielten. Dabei steht der – unbewiesene – Verdacht der Steuerhinterziehung im Raum.

Die Moraldebatte um das von FIFA-Korruption gebeutelte Fußball-Geschäft bekommt so jedenfalls neue Nahrung. Doch die Fans auf den Tribünen und vor dem Fernseher haben diese Diskussionen oft nur kurz beschäftigt. Beim nächsten Tor, dem nächsten Sieg ihrer Idole war vieles vergeben und vergessen.

Steuersünder Uli Hoeneß ist mittlerweile wieder Präsident des FC Bayern, Messi und Ronaldo wurden erneut für die Endauswahl zum Weltfußballer des Jahres nominiert.

apa/dpa

stol