Mittwoch, 22. Mai 2019

Die Stimmung in der Landwirtschaft ist gut

Die Südtiroler Landwirte schätzen die im vergangenen Jahr erhaltenen Auszahlungspreise sehr positiv ein. Bei den Erwartungen gibt es wesentliche Unterschiede zwischen den einzelnen. Dies geht aus dem Landwirtschaftsbarometer des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen hervor.

Die Südtiroler Landwirte schätzen die im vergangenen Jahr erhaltenen Auszahlungspreise sehr positiv ein.
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Die Südtiroler Landwirte schätzen die im vergangenen Jahr erhaltenen Auszahlungspreise sehr positiv ein. - Foto: © shutterstock

Besonders optimistisch in Bezug auf das laufende Jahr sind die Winzer, vor allem dank der guten Weinlese im vergangenen Herbst. Die Stimmung ist im Milchsektor etwas bescheidener, aber auch hier geht man in diesem Jahr von einem Anstieg der Auszahlungspreise aus.

Im Obstbau hat sich das Geschäftsklima hingegen deutlich verschlechtert, weil die europaweit ertragreiche Ernte zu einem starken Rückgang der Apfelpreise geführt hat.

Rückgang der Apfelpreise und teure Futtermittel

Die im vergangenen Jahr erhaltenen Auszahlungspreise waren für 89 Prozent der Südtiroler Bauern zufriedenstellend. Über die Hälfte der Landwirte meldeten sogar „gute“ Auszahlungen. Darüber hinaus ermöglichten die im Vergleich zum Vorjahr deutlich günstigeren Wetterbedingungen eine Rückkehr zu den üblichen Produktionsmengen von Trauben und Äpfeln.

2018 war aber auch von ungünstigen Entwicklungen gekennzeichnet, wie der starke Rückgang der Apfelpreise und die Teuerung der Futtermittel. Dies beeinträchtigt teilweise auch die Erwartungen der Landwirte für 2019, insbesondere im Obstbau.

Zwar gehen in diesem Jahr 7 von 10 Südtiroler Bauern von zufriedenstellenden Auszahlungspreisen aus, allerdings bestehen zwischen den verschiedenen Bereichen der Landwirtschaft große Unterschiede.

In der Weinwirtschaft ist die Stimmung rosig

In der Weinwirtschaft ist die Stimmung besonders positiv und 2 Drittel der Winzer bewerten die im vergangenen Jahr von den Kellereien ausgezahlten Erzeugerpreise als „gut“. Darüber hinaus war die Weinlese 2018 mit einer Traubenernte von über einer halben Million Dezitonnen um 25 Prozent ertragreicher als im Vorjahr.

Die Produktion von DOC- und IGT-Weinen überschritt 326.000 Hektoliter und erreichte somit wieder das Durchschnittsniveau der letzten Jahre. Die Qualität wird von den Kellermeistern als sehr gut bezeichnet, dank des günstigen Klimas im Sommer.

Aus diesem Grund erwarten fast alle Bauern auch in diesem Jahr befriedigende bis gute Auszahlungspreise beziehungsweise gute Verkaufspreise beim selbstvermarkteten Wein.

Nachfrage bei Milchprodukten gewachsen

Die Milchwirtschaft profitierte im Jahr 2018 von günstigen Marktbedingungen. Die weltweite Nachfrage nach Milch und Milchprodukten stieg an, getrieben von den asiatischen Ländern.

Gleichzeitig wuchs das Angebot in Europa nur um 0,9 Prozent und die Preise blieben über dem Langzeitdurchschnitt. Die Milchproduktion war auch in Südtirol steigend und fast alle Bauern waren mit den Auszahlungspreisen zufrieden, welche durchschnittlich 50,6 Cent pro Kilogramm betrugen.

Im Hinblick auf 2019 bestehen Bedenken hinsichtlich der Futterpreise, deren Produktion durch die Dürre im vergangenen Herbst beeinträchtigt wurde. Auch aus diesem Grund beklagen sich die Südtiroler Züchter über einen starken Anstieg der Kosten. Gleichzeitig sind sie aber auch zuversichtlich, dass die Auszahlungspreise weiterhin zufriedenstellend sein werden.

 

Klima für Apfelanbau gebessert

Auch in der Obstwirtschaft profitierte die Ernte 2018 von günstigeren klimatischen Bedingungen als im Vorjahr. Die Südtiroler Apfelproduktion belief sich auf knapp eine Million Tonnen und kehrte somit wieder auf das übliche Niveau der letzten Jahre zurück.

Allgemein in Europa und insbesondere in Polen war die Produktion sogar überdurchschnittlich. Dies hat erneut zu einem Überangebot geführt, welches durch die Fortsetzung des russischen Embargos und die politischen Krisen in Nordafrika verschärft wird. In den letzten Monaten 2018 sanken die bis zum letzten Sommer außergewöhnlich hohen Apfelpreise daher stark.

Problem bei einem Brexit

In diesem Jahr könnte sich dieses Problem bei einem Brexit ohne Vereinbarung noch verschärfen, da das Vereinigte Königreich ein relevanter Markt für europäische Äpfel ist.

Handelskammerpräsident Michl Ebner unterstreicht die Bedeutung der Landwirtschaft für Südtirol: „Landwirtschaft und Viehzucht spielen nach wie vor eine wichtige Rolle, nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern auch bei der Erhaltung der Landschaft. Darüber hinaus trägt die hohe Qualität der Südtiroler landwirtschaftlichen Produkte zum positiven Image unseres Landes in Italien und im Ausland bei.“

stol

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