Anfang des Jahres schien die Welt an den Zapfsäulen noch in Ordnung – doch das änderte sich vor einigen Wochen schlagartig: Lag der Dieselpreis im Jänner noch bei rund 1,75 Euro je Liter, so kletterte er bis gestern auf 2,181 Euro. Das entspricht einem Anstieg um 43 Cent oder etwa 25 Prozent. Benzin legte im selben Zeitraum deutlich moderater zu – von rund 1,70 Euro auf 1,81 Euro, ein Plus von gut 11 Cent beziehungsweise 6 bis 7 Prozent.<h3> 21 Euro mehr je Tankfüllung </h3> Auf den Alltag heruntergebrochen: Eine 50-Liter-Tankfüllung Diesel kostet heute rund 109 Euro, zu Jahresbeginn waren es noch etwa 87,50 Euro. Das entspricht Mehrkosten von über 21 Euro pro Tankstopp. Bei Benzin fällt der Unterschied mit rund 5,50 Euro deutlich geringer aus. Die Folgen des Preisauftriebs spürt mittlerweile auch der Autohandel – in Form einer steigenden Nachfrage nach alternativen Antrieben.<BR /><BR />Der Haupttreiber liegt bekanntlich außerhalb Europas. Mit der Eskalation im Nahen Osten hat sich Rohöl deutlich verteuert. Die Nordseesorte Brent lag zu Jahresbeginn noch bei etwa 70 bis 80 Dollar je Barrel, seit Mitte März bewegt sie sich – bei starken Schwankungen – zwischen 90 und 100 Dollar, in der Spitze auch darüber. Das entspricht einem Anstieg von im Schnitt rund 40 Prozent.<BR /><BR />Warum dieser Preissprung nicht eins zu eins an den Zapfsäulen ankommt, ist nicht etwa auf ein Geschenk der Mineralölkonzerne zurückzuführen. <BR />In Italien entfallen mehr als die Hälfte des Literpreises auf Steuern, während der eigentliche Rohstoff- und Raffinerieanteil nur rund ein Drittel ausmacht. Ein Ölpreisanstieg von 40 Prozent schlägt sich rechnerisch daher nur mit etwa 12 bis 14 Prozent auf den Endpreis nieder.<h3> Sensiblerer Diesel</h3>Dass Diesel dennoch um rund ein Viertel teurer geworden ist, zeigt: Der Ölpreis erklärt die Richtung, aber nicht die gesamte Bewegung. In angespannten Märkten steigen auch die Margen in Raffinerien und Handel, gleichzeitig werden Preissprünge rasch weitergegeben. Hinzu kommt, dass Diesel tendenziell sensibler auf Engpässe in Verarbeitung und Transport reagiert als Benzin – entsprechend stärker fallen die Ausschläge aus.<BR /><BR />Gedämpft wird die Misere an den Zapfsäulen – vorerst bis 1. Mai – nur durch den Steuerrabatt von 24,4 Cent je Liter (Akzise plus Mehrwertsteuer). Ohne diesen Abschlag läge der Dieselpreis bei rund 2,43 Euro je Liter, Benzin bei etwa 2,05 Euro. <h3> Nächste Preisanpassung dürfte bevorstehen</h3>Seit Ende letzter Woche sind laut Mimit die Spritpreise in Südtirol zwar um zwei bis drei Cent zurückgegangen. Nach dem vorläufigen Scheitern der Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran hat sich die Lage am Ölmarkt jedoch erneut zugespitzt. Die Richtung dürfte damit in den nächsten Tagen auch an den Preistafeln der Tankstellen wieder nach oben zeigen.<BR /><BR />Beim Flüssiggas (LPG) war die Dynamik deutlich schwächer: Seit Jänner verteuerte sich der Treibstoff von 0,78 Euro je Liter auf 0,794 Euro.<h3> 3 Fragen an Lukas Baumgartner, CEO der Bozner Autoindustriale Mobility Group (Mercedes-Benz, Renault, Dacia)</h3><b>Hat angesichts der hohen Spritpreise das Interesse an Alternativen zum Verbrenner schon spürbar zugenommen?</b><BR />Lukas Baumgartner: Wir merken im Tagesgeschäft schon, dass der Antrieb wieder vermehrt Thema ist. Wobei da eher eins zum anderen kommt derzeit...<BR /><BR /><b>Inwiefern?</b><BR />Baumgartner: Viele Südtiroler spielen schon länger mit dem Gedanken, auf ein teil- oder vollelektrifiziertes Fahrzeug umzusatteln. Nun gibt es mit den hohen Spritkosten eben ein Argument mehr. Die Preisunterschiede zwischen Verbrennern und E-Autos bzw. Hybriden relativieren sich langsam. Zudem: Die neuen Modelle, die derzeit am Markt sind, sind technologisch ausgereift. Vorurteile, wie große Ängste bezüglich der Reichweite, sind mittlerweile tatsächlich unbegründet. Es trifft mittlerweile eine höhere Nachfrage auf ein attraktives Angebot, quer durch alle Fahrzeugklassen.<BR /><BR /><b>Noch ist der Preisschock beim Diesel eher „frisch“. Wird man die Folgen an den Verkaufszahlen zum Jahresende sehen?</b><BR />Baumgartner: Davon ist auszugehen. Die aktuellen Entwicklungen beschleunigen einen Trend, der bereits im Gang ist. Der klare Verlierer ist – auch politisch gewollt – der reine Diesel, das steht schon jetzt fest.