Dienstag, 27. März 2018

Dieselfahrverbote ab 2019?

Den Diesel-Autos in Südtirol geht es an den Kragen. Ab 2019 sollen sie schrittweise aus dem Verkehr gezogen werden. So sieht es zumindest ein Plan des zuständigen Umweltlandesrates Richard Theiner vor. Südtirols Handwerker und Dienstleister laufen Sturm gegen die kurzfristige Einführung von Dieselfahrverboten.

Ab 1. Jänner 2019 könnte die schrittweise Einführung von Diesel-Fahrverboten starten.
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Ab 1. Jänner 2019 könnte die schrittweise Einführung von Diesel-Fahrverboten starten.

Umweltlandesrat Richard Theiner sagte am Montag bei einer Pressekonferenz den entscheidenden Satz: „Wenn die Stickstoffdioxid-Werte in Südtirol nicht besser werden und unsere Maßnahmen nicht greifen, planen wir ab 1. Jänner 2019 die schrittweise Einführung von Diesel-Fahrverboten“. 

Ziel ist es, Südtirols Luftqualität zu verbessern. Die Dieselautos gelten nämlich als Hauptschuldige für die erhöhten Stickstoffdioxid-Werte. 

Hauptproblem Dieselautos

Schaut man sich die Daten noch etwas genauer an, zeigt sich das Hauptproblem: die Diesel-Pkw. Die Maßnahmen der vergangenen Jahre – etwa die Förderung von öffentlichem Nahverkehr und Elektro-Fahrzeugen – wären zwar richtig gewesen, meinte Theiner, sie würden aber nicht den gewünschten Erfolg bringen. Deshalb werde man weitere Maßnahmen ergreifen und als letzte Möglichkeit den Gemeinden ein Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge vorschlagen.

Maßnahmen in Städten ausweiten

In Bozen, wo es bereits ein Fahrverbot gibt, wären dann auch die Diesel-Fahrzeuge der Euro-Klasse 3 betroffen. Eine Maßnahme, die auch in Meran und Brixen greifen und im 2-Jahresrhytmus erhöht werden könnte, erklärte Theiner.

Für die Brennerautobahn sei dies nicht möglich, man setze hier aber auf die Einführung einer Euro-Vignette, die Verlagerung des Schwerverkehrs von der Straße auf die Schiene (RoLa) und die Schaffung eines emissionsarmen Korridors.

lvh läuft Sturm

Südtirols Handwerker und Dienstleister laufen Sturm gegen die kurzfristige Einführung von Dieselfahrverboten. Dadurch würde die lokale Wirtschaft existenziell bedroht.

Ein unverdauliches Ei so kurz vor Ostern stößt Südtirols Unternehmern sauer auf. In nur neun Monaten könnte in Südtirol ein Dieselfahrverbot in Kraft treten. Dies verkündete am Montag der Landesrat für Raumentwicklung, Umwelt und Energie Richard Theiner.

„Lokales Handwerk ist bedroht“

„Wir unterstützen das Vorhaben, die Luftqualität in unserem Land zu verbessern, allerdings nur, wenn dies nicht auf Kosten der heimischen Betriebe, sondern mit Augenmaß geschieht“, betont lvh-Präsident Gert Lanz. Ein Dieselfahrverbot würde das lokale Handwerk existenziell bedrohen, vor allem weil ein Großteil der Handwerkerflotte Diesel tankt. Die negativen Auswirkungen einer Dieselsperre wären im täglichen Handwerkerverkehr, aber auch in der Zustellung von Dienstleistungen und Waren arg spürbar.

Versorgung eingeschränkt

„Die Verbannung des Diesels würde die Versorgung der Geschäfte, Baustellen und Privatkunden mit Gütern und Dienstleistungen des Handwerks stark eindämmen. Es würde zu drastischen Einschränkungen für Pendler, dem Wirtschaftsverkehr und die Versorgung der Bevölkerung kommen. Von Betriebsschließungen und dem Verlust zahlreicher Arbeitsplätze in den Stadtzentren ganz zu schweigen“, erklärt der Verbandspräsident.

Konkret führt er einige weitreichendere Folgen aus: Große Einbußen hätten besonders Dienstleister in Städten zu befürchten. Uhrmacher, Goldschmiede, Maßschneider u.ä. könnten allein von der Laufkundschaft nicht leben und würden zahlreiche von außen kommende Kunden verlieren.

Handwerk fordert Bestandsschutz für seinen Fuhrpark

Problematisch sieht Lanz vor allem eine kurzfristige Einführung des neuen Gesetzes: „Hauptsächlich betroffen vom Verbot wären das Bauhaupt- und Baunebengewerbe mit ihren Pkws, leichten und schweren Nutzfahrzeuge sowie Lkws. Bislang sind alternative Aggregate wie Elektro, Gas oder Hybrid nur für schwächer ausgelegte Vehikel am Markt verfügbar.

Eine Umstellung der Handwerksflotte in neun Monaten ist sicherlich nicht möglich. Die Wirtschaft benötigt zum erstens taugliche Fahrzeuge mit alternativen Antrieben und zweitens ausreichend lange Übergangsfristen, um sich auf die Fahrverbote umzustellen.“

stol

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