Mittwoch, 25. November 2020

Dolomiti Superski: Der Ärger von Präsident Andy Varallo

Mit seinem Plan, Skigebiete erst nach Weihachten aufsperren zu lassen, hat Premier Conte Liftbetreiber und Touristiker geschockt. Am Wochenende hätten bei Dolomiti Superski die ersten Lifte öffnen sollen. Daraus wird nichts. Sehr zum Ärger von Präsident Andy Varallo. „Natürlich geht Gesundheit vor, aber wie Rom mit uns umgeht, ist einfach nur unfair“, sagt er. Eine Öffnung der Lifte für die Einheimischen lohne sich für die wenigsten Skigebiete.

Italien plant Skigebiete erst nach Weihachten aufsperren zu lassen. Andy Varallo ist sauer.
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Italien plant Skigebiete erst nach Weihachten aufsperren zu lassen. Andy Varallo ist sauer. - Foto: © Martina Jaider
Interview: Michael Eschgfäller

„Dolomiten“: Herr Varallo, wie sieht es derzeit auf den Pisten von Dolomiti Superski aus?

Andy Varallo: Wir sind mit der Erstbeschneiung letzte Woche gestartet. Und wir werden wahrscheinlich weitermachen bis in den Dezember hinein – selbst wenn wir nicht öffnen dürfen.

„D“: Die Liftgesellschaften gehen damit ordentlich in Vorleistung ...

Varallo: So ist es. Die Vorbereitung auf die Saison kostet einen Haufen Geld. Allein in Südtirol sprechen wir in den zu Dolomiti Superski gehörigen Skigebieten von 24 Millionen Euro. Im Trentino und Veneto kommen noch einmal rund 36 Millionen Euro dazu. Dazu kommt, dass im Sommer Projekte für 95 der geplanten 100 Millionen Euro umgesetzt worden sind.

„D“: So wie es aussieht, vorläufig erst einmal umsonst.


Varallo: Ärgerlich ist, dass Rom die Entscheidung, dass Skigebiete erst nach Weihnachten öffnen dürfen, 5 Tage vor Saisonbeginn trifft. Am kommenden Wochenende wären in 7 unserer 12 Talschaften die ersten Lifte geöffnet worden. Das hätte man schon vor einem Monat entscheiden können. Natürlich steht auch für uns die Gesundheit der Menschen an erster Stelle. Aber uns jetzt mit den Diskotheken zu vergleichen, ist einfach nicht fair.

„D“: Sauer auf Rom?


Varallo: Ja. Es geht darum, wie wir von der Regierung behandelt worden sind. Zusammen mit IDM, HGV und Land haben wir Liftbetreiber hart an einem ausgefeilten Sicherheitskonzept gearbeitet. Auch dafür wurde viel Geld in neue Technologie investiert, damit an Kassen, Liften und auf den Pisten Menschenansammlungen vermieden werden. Das Ergebnis ist der Vorschlag, der auf dem Tisch der Staat-Regionen-Konferenz liegt. Aber ich sage es nochmal: Die Gesundheit geht natürlich vor, aber wir haben alles dafür getan, für die Sicherheit der Wintersportler zu sorgen.

„D“: Würde es sich bei den derzeitigen Reisebeschränkungen überhaupt lohnen, vor Weihnachten aufzusperren?

Varallo: Wenn die ausländischen Gäste bis Ende Jänner nicht kommen dürfen und auch Fahrten zwischen den Regionen nicht möglich sind, wohl eher nicht.

„D“: Also ein Skibetrieb allein für Einheimische ist nicht denkbar?

Varallo: Nein, für viele Skigebiete lohnt es sich nicht, nur für die Einheimischen aufzusperren. Einzig für jene, die viel mit Trainingsgruppen arbeiten, würde es sich auszahlen. Zudem stehen viele unserer 3000 Saisonmitarbeiter bis auf Weiteres ohne Job und Absicherung da.

„D“: Was bedeutet es, wenn die Skigebiete erst nach Weihnachten öffnen dürfen?

Varallo: Auch hier gibt es Unterschiede zwischen den Skigebieten. Viele generieren in der Zeit vor und um Weihnachten 20 bis 30 Prozent ihres Gesamterlöses. Und diese Einnahmen fehlen dann unterm Strich eben, wenn erst im Jänner geöffnet werden darf. Bei einem geschätzten Gesamtumsatz von 3 Milliarden Euro fehlt da eben einiges.

„D“: Die Weltcuprennen in Gröden und Alta Badia finden statt?


Varallo: Ja, die werden wir eben schlucken müssen. Dabei hätten wir die Möglichkeit, in 51 Ländern zu zeigen, dass bei uns Skifahren möglich ist. So haben wir eben keinen Nutzen aus den schönen Bildern, die um die Welt gehen.


em