Freitag, 27. März 2015

Draghi hat ihnen ans Bein gepinkelt, Lanz bricht Lanze für Kleinbetriebe

Den heimischen Handwerksunternehmen stößt die Aussage von EZB-Präsident Mario Draghi, Italiens Kleinbetriebe seien „nicht sehr wettbewerbsfähig" sauer auf. „Verständlicherweise“, poltert lvh-Präsident Gert Lanz - und zählt die Versäumnisse des italienischen Staates auf.

Mario Draghi und Gert Lanz.
Badge Local
Mario Draghi und Gert Lanz. - Foto: © STOL

Wie können Betriebe ihren Beitrag zur Produktivität und Konkurrenzfähigkeit erhöhen, wenn sie seit mehreren Jahren nur damit beschäftigt sind, sich am Leben zu erhalten anstatt zu wachsen? Dies sei eine zentrale Frage, die sich viele Inhaber von lokalen Kleinst- und Kleinbetrieben (93 Prozent der Betriebe in Südtirol) stellen, so Lanz.

Umso mehr würden dann Aussagen, wie jene von EZB-Präsident Mario Draghi vor wenigen Tagen im Senat, dass  Italiens Kleinbetriebe nicht wettbewerbsfähig seien, schmerzen.

„Italien hat es in den letzten zehn Jahren nicht geschafft, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln geschweige denn ideale Rahmenbedingungen für eine florierende Wirtschaft zu schaffen", beanstandet Lanz. 

Gründe sind zahlreich

Die Gründe hierfür würden auf der Hand liegen: "Der Stiefelstaat hat einen ungeheuren Bürokratie- und Gesetzesdschungel geschaffen, der die Betriebe vor zahlreiche sinnlose und kostspielige Rechtsvorschriften stellt. Der hohe Steuerdruck lastet ebenso schwer auf den Unternehmen und hinzu kommt noch das fehlende Vertrauen in die Politik und die damit verbundene Unsicherheit, die Unternehmen daran hindert, Investitionen zu tätigen“, erklärt lvh-Präsident.

Obwohl sowohl in Südtirol, Italien als auch Europa über 90 Prozent der Unternehmen Kleinbetriebe sind und sie eine dementsprechende Rolle im gesamten Wirtschaftskreislauf haben, würden ihre Realitäten nicht berücksichtigt.

Warum Kleinbetrieb gut sind

"Kleinstbetriebe sind gerade in schwierigen Zeiten weniger anfällig für konjunkturelle Schwankungen und können Rezessionsphasen überstehen, indem sie für eine beschränkte Zeit von der betrieblichen Substanz leben", so Lanz. Sie würden überdurchschnittlich viele, qualitativ hochwertige Lehrstellen anbieten und  somit zu einer positiven Entwicklung der Beschäftigung beitragen.

Räumlich betrachtet trage die kleinstbetriebliche Struktur wesentlich zur Erhaltung von dezentralen Arbeitsplätzen bei, was wiederum dem Bevölkerungsschwund in peripheren, ländlichen Gebieten entgegenwirke.

"Während große Betriebe ihren Sitz ins Ausland verlegen, produziert das Handwerk in Südtirol ein beträchtliches Steueraufkommen", verweist Lanz. Nicht vergessen sollte man die Flexibilität und Innovationskraft, die in jedem Kleinbetrieb stecke.

"Wir Handwerker verstehen allerdings nicht, warum Italien den Wert bzw. die Rolle der kleinstrukturierten Unternehmen noch immer nicht erkannt hat. Vielleicht wäre es endlich an der Zeit, die Gesetze und Rahmenbedingungen an die Realität der vielen Kleinbetriebe anzupassen. Schlussendlich werden sie es sein, die den Stiefel über Wasser halten werden“, so Lanz.

stol

stol